Ukraine-Konflikt :
Russlands neokoloniales Projekt

Von
Timothy Snyder
Lesezeit:
dpa

Das russische Projekt, die Ukraine und die Europäische Union im Namen einer anderen Weltordnung zu zerstören, sollte weder schockieren noch verwirren. Immerhin beruht es auf einem zutreffenden Geschichtsverständnis. Ein Gastbeitrag.

Es kommt nicht so oft vor, dass in Europa eine echte Revolution stattfindet, die mehr als eine Million Menschen mobilisiert, eine Konterrevolution mit zahllosen Todesopfern provoziert und zu einem Regierungswechsel führt. Wären die freien ukrainischen Parlaments- und Präsidentschaftswahlen des Jahres 2014 das Ende der Geschichte gewesen, debattierten wir heute wahrscheinlich über die Frage, ob es sich um eine bürgerliche Revolution zur Verwirklichung einer rechtsstaatlichen Ordnung oder um eine linke Bewegung zur Absetzung eines oligarchischen Regimes gehandelt habe. Vielleicht dächten wir auch über den Zusammenhang nach, den ukrainische Revolutionäre zwischen nationaler Souveränität und europäischer Integration herstellten - die Vorstellung nämlich, das eine basiere auf dem anderen.

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