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Weltweite Protestbewegungen : Tage des Zorns

Für eine bessere Zukunft: In Kolumbien scheppern Tag für Tag die Kochtöpfe. Bild: AFP

Ob in Lateinamerika, Hongkong oder dem Mittleren Osten: Auf der ganzen Welt begehren junge Menschen gegen ihre Regierung auf. Was verbindet die Proteste?

          10 Min.

          Die Welt ist in Aufruhr. Beinahe im Wochentakt, so scheint es, bricht irgendwo ein neuer Aufstand aus. Der jüngste begann vor wenigen Tagen in Kolumbien. Ein von Gewerkschaften angeregter „Generalstreik“ zog Hunderttausende auf die Straße, um gerechtere Renten, mehr Geld für die Universitäten und anderes zu fordern. Die Proteste halten an, täglich klappern Demonstranten mit Kochtöpfen, angetrieben auch von der Polizeigewalt, die schon erste Todesopfer gefordert hat. Zuvor waren Proteste in Ecuador, Chile und Bolivien ausgebrochen. In Chile entzündete sich der Aufstand an der Erhöhung der Fahrpreise im Nahverkehr, in Bolivien war es die Wahlfälschung zugunsten des Präsidenten Evo Morales, in Ecuador eine Benzinpreiserhöhung. Und in Venezuela und Nicaragua befindet sich das Volk ohnehin im Kampf gegen autoritäre Systeme.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Tjerk Brühwiller

          Freier Berichterstatter für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Andreas Nefzger

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Auch in anderen Teilen der Erde bricht sich die Wut Bahn. Im Libanon gehen die Menschen seit Mitte Oktober auf die Straße, ursprünglich, um gegen eine Steuer auf Whatsapp-Telefonate zu protestieren. Im Irak begann es kurz davor mit einem Marsch gegen die Korruption der politischen Klasse, die hohe Arbeitslosigkeit und die miserablen staatlichen Dienstleistungen. In Sudan nahmen die Aufstände wegen der Verdreifachung des Brotpreises ihren Lauf, in Iran wegen der Erhöhung der Spritpreise, und in Algerien zogen die Menschen ursprünglich auf die Straße, weil sie nicht wollten, dass Präsident Abdalaziz Bouteflika für eine fünfte Amtszeit kandidiert.

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