FAZ+ (abopflichtiger Inhalt);Österreichische Ostpolitik :
„Wenn du einen Bären zum Tanzen aufforderst . . .

Von
Oliver Rathkolb
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Wien, 2. Mai 1955: Unter großer öffentlicher Anteilnahme beraten die Botschafter der vier Besatzungsmächte über die noch ungeklärten Punkte des österreichischen Staatsvertrages.
Wien, 2. Mai 1955: Unter großer öffentlicher Anteilnahme beraten die Botschafter der vier Besatzungsmächte über die noch ungeklärten Punkte des österreichischen Staatsvertrages.Picture Alliance

. . . bist nicht Du, der entscheidet, wann der Tanz beendet ist, sondern der Bär.“ Dem russischen Sprichwort zum Trotz waren gute Beziehungen zu dem „lupenreinen Demokraten“ (Gerhard Schröder) Wladimir Putin auch nach der russischen Invasion der Krim im Jahr 2014 noch lange en vogue. Nicht nur in Deutschland, auch in Österreich hatten der Moskauer Autokrat und seine Entourage leichtes Spiel. Dabei hatte sich Wien während des Kalten Krieges gegenüber den Avancen der Kommunisten bis in die siebziger Jahre unversöhnlich gezeigt. Doch dann nahmen die wirtschaftlichen Interessen überhand.

Das kleine Land Österreich verdankt seine frühe staatliche Wiedergeburt nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches der Kampfkraft und den vielen Opfern der sowjetischen Armee sowie den Plänen des totalitären Diktators Josef Stalin. Der Gewaltherrscher hatte schon Ende 1941 für sich entschieden, die ehemalige Republik aus dem Deutschen Reich herauszuschneiden, ohne sie direkt in den künftigen kommunistischen Einflussbereich zu integrieren. Österreichs Unabhängigkeit sollte nicht nur das Nachkriegsdeutschland schwächen. Zugleich erhoffte sich Stalin, ein Land in unmittelbarer Nachbarschaft der Peripherie der sowjetischen direkten Einflusszone könne als Verhandlungsmasse im Spiel mit den Westmächten dienen.

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