Flüchtlinge : Endstation Italien

Die verschärften Grenzkontrollen wegen des G-7-Gipfels haben tausende Flüchtlinge an der Weiterreise nach Nordeuropa gehindert. Nun sitzen sie wieder in Italien. Dort weiß man nicht, wohin mit ihnen.
Die junge Frau aus Eritrea sitzt unter dem Schatten eines Affenbrotbaumes unweit des römischen Bahnhofs Tiburtina. Neben ihr auf derselben schmutzigen Decke kauert ihre Tochter Georgina, die während der Überfahrt von Libyen nach Sizilien vier Jahre alt wurde, und in ihren Armen hält sie das Baby, das noch in einer Hütte am libyschen Mittelmeerhafen Misrata zur Welt kam. Ob die 30 Jahre alte Frau, Susanna mit Namen, tatsächlich vor vier Monaten ihre Heimat verließ, ob sie wirklich einen Ehemann in Norwegen hat, der sie zu sich gerufen hat, ist nicht zu überprüfen. Sichtbar aber ist, dass diese Frau leidet. Sie ist mager und kraftlos. Ihre Augen sind wie leer. Seit ihrer Ankunft am vergangenen Donnerstag habe sie sich kaum von der Stelle bewegt, sagt jemand. Ob ihr Kleines noch Milch von der Brust der Mutter zu trinken bekommt? Mit apathischen Blicken verfolgt Susanna das Geschehen um sich herum. Ein paar hundert meist junge Männer kampieren so wie sie im früheren „Zentrum der Kulturen Baobab“ an der Via Cupa in der Nähe des Bahnhofs Tiburtina in Rom, von wo sie in Zügen endlich weiter nach Norden reisen wollen.





