https://www.faz.net/-gpf-83wi0

G-7-Gipfel auf Schloss Elmau : Eine einzige große Inszenierung

  • -Aktualisiert am

Alles gesperrt: Die Sicherheitsvorkehrungen rund um den Tagungsort Schloss Elmau sind immens Bild: dpa

Die Vorbereitungen auf das Treffen der G 7 auf Schloss Elmau zeigen, wie Bayern die Frage des großen Philosophen Gerhard Polt beantwortet: „Democracy: What is it?“

          9 Min.

          Irgendwie ist es schade, dass beim G-7-Gipfel die Staats- und Regierungschefs wenig Gelegenheit haben werden, sich mit Thomas Schwarzenberger auszutauschen. Der Bürgermeister von Krün, dem Gipfel-Ort mit dem Schlosshotel Elmau, könnte ihnen das bayerische Demokratiemodell veranschaulichen: Mit 94,8 Prozent der Stimmen wurde Schwarzenberger im vergangenen Jahr in seinem Amt bestätigt. Ein wenig schlechter als 2008 sei das Ergebnis ausgefallen, sagt Schwarzenberger bescheiden; da waren es 97,2 Prozent. Aber er glaube doch, dass die Krüner immer noch zufrieden seien mit ihm, resümiert Schwarzenberger.

          Das Politikerleben kann schön sein, sehr schön, zumindest in den bayerischen Bergen. So gesehen, ist Angela Merkel gar nichts anders übrig geblieben, als die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrienationen (Vereinigte Staaten, Großbritannien, Frankreich, Italien, Japan, Kanada und Deutschland) am 7. und 8. Juni nach Krün auf das Schloss Elmau einzuladen. Weil dort der Himmel, auch der Politikerhimmel, so nah ist. Schwarzenberger könnte viel erzählen, wie die bayerische Antwort ausfällt auf die berühmte Frage des großen Philosophen Gerhard Polt: „Democracy: What is it?“

          Schwarzenberger ist, das überrascht wenig, bei der CSU, der bayerischen Staatspartei. Die Staats- und Regierungschefs müssen sich nicht damit belasten, dass es auch noch andere Parteien im Freistaat gibt. Es gibt eben kurze Lederhosen und drei Viertel lange Lederhosen; wer nicht immer im CSU-Look rumlaufen will, geht zu den Freien Wählern oder, wenn es einmal ganz ausgefallen sein soll, zur SPD oder anderen Kleinparteien. Im nahen Garmisch-Partenkirchen amtiert mit Sigrid Meierhofer sogar eine Bürgermeisterin mit SPD-Parteibuch.

          Von der Feuerwehr ins Rathaus

          An der CSU-Grundierung der bayerischen Politik ändern solche Farbtupfer wenig. Schwarzenberger war vor 2002, als er zum ersten Mal zum Bürgermeister gewählt wurde, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr in Krün. So geht Politik in Bayern: Der Parteinachwuchs muss sich nicht in sauerstoffarmen Hinterzimmern am Drechseln von Resolutionen bewähren, sondern an der Wasserspritze. Die Wahlergebnisse von Schwarzenberger, der früher Sozialversicherungsangestellter war, sprechen dafür, dass es dabei nicht zu großen Kalamitäten gekommen ist.

          Feuerwehr: Das Stichwort führt mitten ins Herz der bayerischen Politik. Der G-7-Gipfel hat den Krünern ein nagelneues Feuerwehrauto beschert. Schon die Vorgängerorganisation der CSU, das Herrscherhaus der Wittelsbacher, hat beherzigt, dass ein großzügiger Lebenswandel der Regierenden – etwa ein Hang zu repräsentativen Bauten – bei den Regierten kompensiert werden muss, und sei es durch erträgliche Bierpreise. Wenn die Staats- und Regierungschefs auf Schloss Elmau tagen, sollen die Krüner bei der temporären Feuerwache, die dort errichtet wird, nicht in einem Oldtimer sitzen und ihre Bandscheiben strapazieren müssen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Das Symbol der Türkei, weißer Halbmond und Stern auf rotem Untergrund.

          Syrien-Konflikt : Gut so, Wolfsburg!

          In der Türkei können VW und andere auch später noch Werke bauen – aber erst, wenn dort wieder Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Friedfertigkeit gelten.
          Sogenannte Fußballfans in Bulgarien, einem „der tolerantesten Länder der Welt“?

          Gegen den Hass : Die Strafen müssen weh tun

          Im Fußball hat sich ein Klima entwickelt, in dem sich Rassisten und Nazis ungeniert ausleben. Sanktionen schlugen bislang fehl. Ohne Punktabzüge und Disqualifikationen wird es nicht gehen. Aber selbst das reicht nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.