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Globale Strukturen des IS : Die ganze Welt zum Feind

Auf dem Vormarsch: Kämpfer des „Islamischen Staats“ im Norden ihres selbst erklärten Kalifats Bild: AFP

Vor einem knappen Jahrzehnt wurde er im Irak gegründet, zuletzt haben sich immer mehr Dschihadistengruppen dem IS angeschlossen – in Nigeria, Somalia, im Sinai und in Afghanistan. Was verbirgt sich hinter dem „Islamischen Staat“? Ein Überblick.

          8 Min.

          Die zweite Phase des Kriegs des „Islamischen Staats“ (IS) gegen die Welt hat begonnen. In der ersten Phase haben sich irakische Extremisten im Sommer 2014 mit dem „Kalifat“ im Irak und in Syrien ein Territorium geschaffen, das so groß ist wie Großbritannien. Sie nutzten das Vakuum, das der Staatszerfall im Irak und in Syrien hinterlassen hat. Die Rivalität von Saudi-Arabien und Iran lässt dieses Vakuum fortbestehen. In einer zweiten Phase trägt der IS den Terror in die Welt – Stationen sind der Sinai, Beirut und nun Paris. Dabei greift der IS auf Krieger zurück, die in Syrien und im Irak Kampferfahrungen gesammelt haben und in ein Netzwerk eingebunden sind, das von den beiden „Hauptstädten“ Raqqa und Mossul aus gesteuert wird.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          Redakteur in der Politik.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Am 15. Oktober 2006 nannte sich erstmals eine Gruppe, die sich von Al Qaida losgesagt hatte, „Islamischer Staat im Irak“. Entstanden war der aus Vorläufern, die in das Jahr 1999 zurückgehen. Am Anfang des IS stand Afghanistan. Denn der 1966 geborene Jordanier Abu Musab al Zarqawi war 1999 nach fünf Jahren Haft aus einem jordanischen Gefängnis entlassen worden; er war wegen der Mitgliedschaft in der Terrorgruppe „Baiat al-Imam“ verurteilt worden. Nach seiner Freilassung ging Zarqawi nach Afghanistan. Sein Ziel war der Sturz des jordanische Königshauses und die „Befreiung“ Jerusalems. Dazu holte er Dschihadisten aus der Levante nach Afghanistan und nahm Kontakt zu Bin Ladins Al Qaida auf. Er nannte seine Gruppe „Dschamaat al Tauhid wa al Dschihad“ (Vereinigung der Einzigheit Allahs und des Dschihads). Im Dezember 1999 vereitelte der jordanische Geheimdienst Terroranschläge, die Zarqawi von Afghanistan aus in der Millenniumsnacht gegen ein Hotel in Amman und andere touristische Ziele geplant hatte.

          Bin Ladin akzeptierte Führungsanspruch von Zarqawi im Irak

          Zarqawi verließ nach dem 11. September 2001 Afghanistan und ließ sich im irakisch-iranischen Grenzgebiet nieder, wo er mit der kurdischen Terrorgruppe Ansar al Sunna kooperierte. Amerikanische Kampfflugzeuge bombardierten das Lager bei Biyara im März 2003. Daraufhin erklärte Zarqawi den Vereinigten Staaten den Krieg. Im August 2003 verübte Zarqawi Terroranschläge in Bagdad auf die jordanische Botschaft und die UN-Vertretung sowie in Nadschaf auf die den Schiiten heilige Imam-Ali-Moschee. Seine ersten Terroranschläge legten Zarqawis Ziel offen: Er sah sich im Krieg mit der Staatengemeinschaft und den Schiiten.

          Zarqawi tötete Schiiten, er selbst enthauptete ausländische Geiseln, etwa im Mai 2004 den Amerikaner Nicholas Berg. Im September 2004 legte er den Treueeid gegenüber Bin Ladin ab und nannte seine Terrorgruppe „Organisation Al Qaida für den Dschihad in Mesopotamien“. Zarqawis Strategie war, einen Bürgerkrieg zwischen Sunniten und Schiiten zu provozieren, was ihm durch den Anschlag auf die den Schiiten heilige Grabmoschee von Samarra im Februar 2006 gelang.

          Terrorführer: Abu Bakr al Bagdadi in Mossul 2014
          Terrorführer: Abu Bakr al Bagdadi in Mossul 2014 : Bild: AP

          Ayman al Zawahiri, die Nummer zwei bei Al Qaida, forderte ihn danach auf, sich auf den Krieg gegen das Regime in Bagdad und die Besatzer zu konzentrieren, nicht länger aber schiitische Zivilisten zu töten. Zawahiri und Bin Ladin fanden sich jedoch mit Zarqawis Führungsanspruch im Irak ab, da er für Al Qaida neue Mitglieder rekrutierte. Zarqawi war nun der unangefochtene Führer der wichtigsten Terrorgruppe im Irak. Er schloss sie am 15. Januar 2006 mit fünf kleineren dschihadistischen Gruppen zum „Schura-Rat der Mudschahedin“ zusammen. Syrien, das fürchtete, nach dem Irak das nächste Ziel eines Regimewechsels zu werden, nahm Kontakt zu Zarqawi auf; erstmals schlossen sich auch Syrer der Terrorgruppe an.

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