Flüchtlingsschutz : Lasset die Vertriebenen zu mir kommen

Rund 40 Gemeinden schützen Flüchtlinge vor der sicheren Abschiebung, indem sie ihnen Kirchenasyl gewähren. Auch das zuständige Bundesamt respektiert die Praxis – niemand will Gotteshäuser von Polizisten stürmen lassen.
Das Gesicht des Nigerianers Ola hellt sich auf, als Pfarrer Lars Kessner die Kirche betritt. Die Männer umarmen sich, man fragt nach dem Befinden, dann beginnen sie zu organisieren: Wann findet die nächste Deutschstunde für die Flüchtlinge statt? Wann findet das Abendessen statt? Wer kümmert sich um die Kleider, die ein Gemeindemitglied gerade zur Tür hereinbringt? Ola – der seinen Nachnamen nicht nennen will – spricht ruhig, erklärt den anderen Westafrikanern, was passieren soll. Die 21 Flüchtlinge, die seit vergangenem November in der Frankfurter Gutleutkirche leben, haben den 37 Jahre alten Nigerianer zu ihrem Sprecher gewählt. „Uns geht es hier viel besser als unter der Brücke“, erzählt er und deutet mit seiner Hand auf den Innenraum der Kirche, der durch Holzplatten in kleine Zimmer für jeweils zwei oder drei Männer aufgeteilt ist. Vorher hätten sie im Freien schlafen müssen, unter einer Brücke am Main, wo sie ein Geschäftsmann letzten Herbst entdeckt hatte. Weil dieser von Kirchengemeinden gehört hatte, die Flüchtlinge in Notsituationen unterbringen, suchte er nach einer Gemeinde, die den Männern „Kirchenasyl“ zu geben bereit wäre.





