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Oman : Nach dem Weckruf

Sultan Qabus von Oman Bild: dpa

Das Sultanat Oman sieht sich als Reformmodell für andere arabische Länder. Gewalt, Extremismus, Hass und Fanatismus sollen dort keinen Platz haben, dafür aber sehr wohl Meinungsvielfalt.

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          Der Aufstand in der arabischen Welt folgt keinem einheitlichen Muster, und so variieren auch die Etiketten, die ihm gegeben werden, je nach Verlauf und Reaktion der Regime. In der Metapher „Arabischer Frühling“ drückt sich Hoffnung aus, in dem Wort „Feuersturm“ kommen die unberechenbaren sozialen und politischen Konsequenzen einer Erhebung zum Ausdruck. Die einen sprechen von Revolution, andere konzentrieren sich auf den Bürgerkrieg wie im Jemen, auf die äußere Intervention wie im Falle des Sturzes Gaddafis in Libyen oder die militärische Niederschlagung der Protestbewegung in Syrien.

          Klaus-Dieter Frankenberger
          Redakteur in der Politik.

          Man kann nicht sagen, dass das, was in Tunesien vor mehr als einem dreiviertel Jahr begann und eine ansteckende Wirkung entfaltete, überall auch das gleiche - vorläufige - Ende nimmt. Das Assad-Regime denkt offenbar nicht daran, Hals über Kopf abzutreten wie etwa der Tunesier Ben Ali im Januar; Tausende haben dieses Festhalten an der Macht bislang mit dem Leben bezahlt.

          Sultan Qabus von Oman bei einer Militärparade
          Sultan Qabus von Oman bei einer Militärparade : Bild: AFP

          Die Region, zu der auch der Irak zählt, der gegenwärtig etwas in den Hintergrund getreten ist, kocht - deswegen fällt es umso mehr auf, dass Unmut und Protestbereitschaft in den arabischen Monarchien, alles in allem und mit einer traurigen Ausnahme, bei weitem nicht die Intensität erreicht haben wie in jenen arabischen Ländern, die von Diktatoren oder Despoten beherrscht wurden.

          „Saudische Führung unglücklich über Arabellion“

          Die Ausnahme bildet das Königreich Bahrein: Dort intervenierte Saudi-Arabien zu Gunsten des sunnitischen Königs gegen die schiitische Bevölkerungsmehrheit; zahlreiche Demonstranten wurden getötet. Möglicherweise hat aber diese Intervention vor allem mit der saudisch-iranischen Rivalität zu tun und der Furcht in Riad, Iran könne hinter den Protesten gegen die Herrschaft der Khalifas stecken und diese zur Ausweitung seines Einflussbereichs zu nutzen versuchen.

          Eine Frau lässt ihren Fingerabdruck scannen, bevor sie ihre Stimme zur Wahl des Konsultativrats von Oman abgibt
          Eine Frau lässt ihren Fingerabdruck scannen, bevor sie ihre Stimme zur Wahl des Konsultativrats von Oman abgibt : Bild: REUTERS

          Dass die saudische Führung unglücklich über die „Arabellion“ und über die Forderung nach Mitsprache und Demokratie ist, das ist freilich seit der Parteinahme für den Ägypter Mubarak offenkundig. Aber von Marokko über Qatar bis nach Oman hat der Geist der Rebellion der Stellung der Herrscherhäuser wenig anhaben können; das gilt selbst für Jordanien, das besonders verwundbar zu sein scheint.

          Es dürfte mehrere Gründe für diese Widerstandsfähigkeit geben, wobei zwei sicherlich eine Rolle spielen: Die Bevölkerungen sind klein - die saudische ist vergleichsweise groß -, und insbesondere die Länder am Golf verfügen über beträchtliche Einnahmen aus dem Öl- und Gasexport, die üppige Staatsausgaben erlauben. Es war daher ebenso überraschend wie ungewöhnlich, als es Anfang des Jahres auch in Oman zu öffentlichen Protesten kam. Schließlich galt das Sultanat weithin als unaufgeregtes, tolerantes Musterland im Südosten der Arabischen Halbinsel mit guter Regierungsführung.

          Die Herrschaft des Sultans war nicht in Gefahr

          Auch die jungen Omaner schienen nachzumachen, was ihre Altersgenossen in Tunis, Kairo und Manama vormachten. Aber sie verlangten in erster Linie „nur“ Arbeitsplätze und die Eindämmung der Korruption; die Herrschaft des populären Sultans Qabus stellten sie zu keinem Zeitpunkt in Frage. Die Regimefrage wurde nicht gestellt. Dennoch reagierte der Sultan umgehend: Er stellte die Schaffung Zehntausender neuer Arbeitsplätze in Aussicht, verfügte die Verbesserung bestimmter Sozialleistungen, bildete die Regierung um und kündigte mehr Rechte für den gewählten Konsultativrat, die Madschlis al Schura, und den ernannten Staatsrat, die Madschlis al Dawla, an.

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