F.A.Z. Frühdenker :
Wie reagieren die USA auf den Khamenei-Nachfolger?

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Fahrzeuge in Teheran am 8. März 2026 bewegen sich auf einer Autobahn an einem Kriegerdenkmal und einer Plakatwand vorbei, die Irans verstorbenen Obersten Führer Ayatollah Ali Khamenei darstellt.

Cem Özdemir und die Grünen sind die Sieger der Landtagswahl in Baden-Württemberg. Der Bundesgerichtshof urteilt über eine Impfschaden-Klage. Und in Iran steht die Nachfolge Khameneis fest. Der F.A.Z.-Frühdenker.

Das Wichtigste am Montag:
  1. Die Grünen gewinnen in Baden-Württemberg
  2. Modschtaba Khamenei ist Irans neuer Führer
  3. Bundesgerichtshof befasst sich mit Astra-Zeneca
  4. So schlimm ist die Gewalt gegen Bahnmitarbeiter
  5. Strafprozess gegen Imamoglu beginnt
  6. Urteil im Bonner Cold-Case-Mord
  7. Das wird diese Woche wichtig
Cem Özdemir am Sonntag in Stuttgart
Cem Özdemir am Sonntag in Stuttgartdpa

1. Die Grünen gewinnen in Baden-Württemberg

Die CDU muss sich mit Platz zwei begnügen. Die AfD kann ihr Ergebnis fast verdoppeln. SPD und FDP stürzen ab.
Aufholjagd: Die Grünen in Baden-Württemberg haben die Landtagswahl vor der CDU gewonnen. Sie holten 30,2 Prozent, die CDU kam auf 29,7 Prozent. Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir sprach von einer „fulminanten Aufholjagd“. Er sagte: „Es gilt was ich vor der Wahl versprochen habe: Wir haben viele Erwartungen geweckt bei den Menschen in Baden-Württemberg. Es soll um das Wohl des Landes gehen und nicht um Parteiinteressen.“ CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel sagte: „Wir nehmen das Ergebnis zur Kenntnis, in aller Demut.“ Er gratulierte Özdemir und den Grünen:  „Die Grünen und Herr Özdemir haben deutlich zugelegt. Dazu gratuliere ich der Partei und auch Ihnen ganz persönlich, Herr Özdemir.“ Hagel beklagte aber auch einen Wahlkampf  „zum Teil mit Angriffen weit unter der Gürtellinie“.
Kein Amt der Welt: Die AfD landete am Sonntag mit 18,8 Prozent auf Platz drei. Der AfD-Bundesvorsitzende Tino Chrupalla sprach von einem „Riesenerfolg“ und bezeichnete die AfD als „Gewinner des Abends.“ Die Partei sei jetzt auch in Baden-Württemberg „Volkspartei“. Der AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier sagte: „Eines ist bei dieser Wahl ganz deutlich geworden, Baden-Württemberg will eigentlich eine konservative Mehrheit.“ Er betonte, CDU und AfD hätten gemeinsam genug Stimmen für „konservative Politik“. Die CDU habe nun die Gelegenheit, grüner Politik eine Absage zu erteilen. CDU-Spitzenkandidat Hagel schloss aus, sich mit Hilfe der AfD zum Regierungschef in Baden-Württemberg küren zu lassen. „Für mich ist kein Amt der Welt so wichtig, dass ich mich mit Stimmen der AfD dort hineinwählen lasse“, sagte er.
Bitterer Abend: Die SPD kam lediglich auf 5,5 Prozent. Der SPD-Vorsitzende Lars Klingbeil sprach von einem „total bitteren Abend“. Sein Anspruch sei es weiter, dass die Sozialdemokraten in der gesamten Bundesrepublik für den „Charakter“ einer Volkspartei kämpften. Dafür werde sich die SPD in Baden-Württemberg „neu aufstellen“. SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch kündigte seinen Rückzug als Rückzug als Landes- und Fraktionschef an. FDP und Linkspartei verpassten mit jeweils 4,4 Prozent den Einzug in den Landtag.
Flammen steigen am 7. März aus einem Öllager südlich von Teheran auf.
Flammen steigen am 7. März aus einem Öllager südlich von Teheran auf.dpa

2. Modschtaba Khamenei ist Irans neuer Führer

Der Sohn des getöteten Ajatollah Ali Khamenei ist zum neuen obersten Führer in Iran gewählt worden. US-Präsident Trump sagt, dieser werde ohne seine Zustimmung „nicht lange im Amt bleiben“.
Nachfolger nur mit Zustimmung: Die Entscheidung für Modschtaba Khamenei wurde am Sonntagabend im staatlichen Fernsehen bekannt gegeben. Das iranische ‌Volk wurde zur Einheit und zur Treue gegenüber dem neuen geistlichen Führer aufgerufen. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor gesagt, der neue Führer Irans brauche die Zustimmung der USA. „Wenn er unsere Zustimmung nicht erhält, wird er nicht lang im Amt bleiben.“ Der US-Präsident hatte bereits am Donnerstag geäußert, Khameneis Sohn sei für ihn „inakzeptabel“.
Angriffe: Die USA und Israel haben ihre Angriffe auf Iran am Wochenende ausgeweitet. Die israelische Luftwaffe bombardierte unter anderem Raketenproduktionsstätten, aber auch Ölanlagen. Die Armee sprach von einer neuen Phase der Militäraktion. Aus Iran wurden mehr als 1200 Tote seit Kriegsbeginn gemeldet. Man sei „gezwungen, für die Angriffe Vergeltung zu üben“, sagte Präsident Masoud Peseschkian am Sonntag.
Zypernbesuch: Der französische Präsident Emmanuel Macron reist am Montag nach Zypern. Vor wenigen Tagen war der britische Militärstützpunkt Akrotiri auf Zypern von einer unbemannten Drohne iranischer Bauart getroffen worden. Nach dem Vorfall hatten Frankreich, Großbritannien, Italien und Griechenland die Entsendung von See- und Luftstreitkräften zur Unterstützung Zyperns angekündigt. EU-Ratspräsident António Costa und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprechen am Montag per Videokonferenz mit Staats- und Regierungschefs aus dem Nahen Osten und der Golfregion. Bei dem Gespräch soll über „Wege zur Beendigung“ des Irankriegs gesprochen werden.
Der Corona-Impfstoff von Astra-Zeneca
Der Corona-Impfstoff von Astra-Zenecadpa

3. Bundesgerichtshof befasst sich mit Astra-Zeneca

Es geht um mögliche Impfschäden des Corona-Impfstoffs. Die Klägerin fordert Schadenersatz.
Der Fall: Am 8. März 2021 wurde bei der Zahnärztin Pia Aksoy ein Hörverlust diagnostiziert. Sie ist seitdem auf dem rechten Ohr taub. Drei Tage zuvor war sie mit Vaxzevria, dem Impfstoff von Astra-Zeneca, geimpft worden. Aksoys Anwalt führt drei Ärzte und ein Gutachten dafür an, dass seine Mandantin einen Impfschaden durch eine Thrombose erlitten habe. Aksoy wusste damals nicht, dass nach Astra-Zeneca-Impfungen seltene Fälle gemeldet worden waren, in denen Blutgerinnsel an ungewöhnlichen Stellen auftraten. Erst zwei Wochen nachdem sie geimpft worden war, fügte Astra-Zeneca einen Hinweis auf ein Thromboserisiko in die Fachinformation ein.
Die Klage: Aksoy will mindestens 150.000 Euro Schadenersatz und Schmerzensgeld von Astra-Zeneca. Sie ist überzeugt, dass der Corona-Impfstoff Vaxzevria unverhältnismäßig riskant gewesen sei. Die Informationen über das Vakzin hätten nicht dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse entsprochen, und das Unternehmen habe Kennzeichnungspflichten verletzt. Auch sagt sie, die Impfung mit Vaxzevria sei nicht geeignet gewesen, um vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen.
Gang durch die Instanzen: Aksoy klagte am Landgericht Mainz und in einem Berufungsverfahren am Oberlandesgericht Koblenz. Beide urteilten zugunsten des Pharmakonzerns. Nach Angaben von Astra-Zeneca sind auf der ganzen Welt mehr als 2,3 Milliarden Dosen des Impfstoffs verabreicht worden. Die Zahl der Fälle eines Gehörverlustes im Zusammenhang mit dem Vakzin liege bei weniger als 2000.
Kerzen und Blumen erinnern am 6. Februar auf dem Bahnsteig in Landstuhl an den getöteten Bahnmitarbeiter Serkan C.
Kerzen und Blumen erinnern am 6. Februar auf dem Bahnsteig in Landstuhl an den getöteten Bahnmitarbeiter Serkan C.dpa

4. So schlimm ist die Gewalt gegen Bahnmitarbeiter

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) stellt an diesem Montag das Ergebnis einer Sicherheitsumfrage vor – und warnt vor Personalflucht.
Kündigungen wegen Gewalt: Die EVG warnt vor Kündigungen bei der Deutschen Bahn wegen zunehmender Gewalt gegen Mitarbeiter. Eine Umfrage unter ihren Mitgliedern ergab, dass fast jeder dritte Mitarbeiter über eine Kündigung nachdenke. Das berichtete am Wochenende das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Dem Bericht zufolge nannten viele der Befragten als Grund die Zunahme an Unsicherheit und Gewalt.
Die Umfrage: An der Befragung nahmen dem Bericht zufolge 4000 Beschäftigte mit Kundenkontakt teil. Zwei Drittel von ihnen fühlen sich demnach auf der Arbeit immer unsicherer, die Hälfte hat bereits einen körperlichen Übergriff erlebt. Die große Mehrheit der Beschäftigten mit Kundenkontakt beklagt Beschimpfungen, Beleidigungen und Bedrohungen.
In den Griff bekommen: Der stellvertretende EVG-Vorsitzende Kristian Loroch mahnte, die ausufernde Gewalt bringe „das ganze System ins Wanken“. Bahnunternehmen und Politik müssten das Problem endlich in den Griff bekommen. „Sonst könnten bald massenhaft Züge und Busse wegen Personalmangels stehen bleiben“, sagte er dem RND. Bei der Deutschen Bahn hieß es: „Die Übergriffe auf DB-Mitarbeitende nehmen, genauso wie auf Angehörige von Polizeien, Feuerwehren und Rettungsdiensten, seit Jahren zu.“ Jede Form von Gewalt sei völlig inakzeptabel. Im Februar war ein Zugbegleiter in einem Regionalzug in Rheinland-Pfalz von einem Fahrgast ohne gültige Fahrkarte angegriffen worden. Der Sechsunddreißigjährige erlag später seinen Verletzungen.
Anhänger von Ekrem Imamoglu am 26. Oktober 2025 in Istanbul
Anhänger von Ekrem Imamoglu am 26. Oktober 2025 in Istanbuldpa

5. Strafprozess gegen Imamoglu beginnt

Die Anklage fordert mehr als 2000 Jahre Haft für den Erdoğan-Gegner. Kritiker sehen politische Beweggründe.
407 Angeklagte: In Istanbul beginnt an diesem Montag der Hauptprozess gegen den ehemaligen Istanbuler Bürgermeister Ekrem Imamoglu. Dem Oppositionspolitiker und Gegner des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan werden unter anderem die Gründung und Leitung einer kriminellen Vereinigung sowie Bestechung und Geldwäsche vorgeworfen. Insgesamt sind 407 Menschen angeklagt, 105 davon sitzen in Untersuchungshaft.
Bewährungsprobe: Imamoglu war im März vergangenen Jahres wegen Korruptionsvorwürfen verhaftet und als Bürgermeister von Istanbul abgesetzt worden. Er gilt als aussichtsreicher Gegner des türkischen Präsidenten Erdoğan bei zukünftigen Wahlen. Imamoglus Ehefrau, Dilek Imamoglu, sagte der Deutschen Presse-Agentur, sie betrachte den Prozess nicht nur als persönliche Angelegenheit, sondern als wichtige Bewährungsprobe für die Rechtsstaatlichkeit im Land. Menschenrechtsorganisationen werten den Prozess als politisch motiviert.
Hintergrund: Imamoglus Festnahme hatte in der Türkei die größte Protestwelle seit den sogenannten Gezi-Protesten von 2013 ausgelöst. Fast 2000 Menschen wurden festgenommen. Zuletzt war Imamoglu weiter der beliebteste Politiker des Landes und lag in Umfragen weit vor Erdoğan.

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Das Gerichtsgebäude in Bonn
Das Gerichtsgebäude in Bonndpa

6. Urteil im Bonner Cold-Case-Mord

Der Angeklagte soll 1992 eine Frau ermordet haben. Neue forensische Ermittlungen hatten die Ermittler auf seine Spur geführt.
Die Tat: Vor 34 Jahren, im Oktober 1992, wurde eine 29 Jahre alte Stewardess in ihrer Wohnung in Bad Godesberg vergewaltigt und ermordet. Der Täter strangulierte die Frau und legte dann Feuer – nach Ansicht der Staatsanwaltschaft, um die Vergewaltigung zu verdecken. Der Angeklagte hat die Tat vor Gericht gestanden.
Die Ermittlungen: Erst Jahrzehnte nach der Tat kamen Cold-Case-Ermittler dem Angeklagten durch neue forensische Untersuchungen auf die Schliche. Der Mann war 1995 wegen zwei weiterer Vergewaltigungen zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Daher befand sich seine DNA in der Datenbank. Im Mai 2025 wurde er an seinem Wohnort in Bad Breisig festgenommen.
Die Ermittler: In Nordrhein-Westfalen gab es zwischen 2021 und 2023 eine „Besondere Aufbauorganisation“. Zu dieser gehörten auch zwei Dutzend Pensionäre, die allesamt erfahrene Ermittler waren. Ihre Aufgabe war es, die mehr als 1000 ungelösten Mord- und Vermisstenfälle, die es allein in Nordrhein-Westfalen gibt, noch einmal zu analysieren und auf mögliche neue Ermittlungsansätze zu durchleuchten. Seit die Aufbauorganisation ihre Arbeit beendet hat, werden die Cold Cases in der jeweils zuständigen Kriminalhauptstelle weiterverfolgt. Auch dort helfen „Senior Experts“.
Soldaten während der „Cold Response“-Übung im Jahr 2022
Soldaten während der „Cold Response“-Übung im Jahr 2022Reuters

7. Das wird diese Woche wichtig

Der Bundeskanzler ist in Norwegen. Es wird der Opfer des Terrorismus gedacht. Und in Hessen sind Kommunalwahlen.
Gedenken: Am Mittwoch wird zum fünften Mal der „Nationale Gedenktag für die Opfer terroristischer Gewalt“ begangen. Er knüpft auf nationaler Ebene an den Europäischen Gedenktag für die Opfer des Terrorismus an, der nach den Bombenanschlägen in Madrid vom 11. März 2004 ins Leben gerufen wurde.
Merz bei NATO-Übung: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) besucht zusammen mit Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) am Donnerstag Norwegen. Merz und Pistorius wollen zusammen mit Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Støre die NATO-Übung „Cold Response“ besuchen.
Es wird gewählt: Am Sonntag sind in Hessen Kommunalwahlen. Fast 4,7 Millionen Bürgerinnen und Bürger können ihre Gemeinde- und Kreisparlamente bestimmen. Laut Landeswahlleitung geht es um die Mandate in den 21 Kreistagen sowie den kommunalen Parlamenten von 421 Städten und Gemeinden. Zudem sind gleichzeitig am 15. März die Wahlen der Ausländerbeiräte und rund ein Dutzend Bürgermeisterwahlen geplant.

Die Nacht in Kürze

Bei der Wahl des Münchner Oberbürgermeisters musste Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) deutliche Verluste hinnehmen. Er sprach von einem enttäuschenden Abend. Am 22. März kommt es nun zur Stichwahl zwischen Reiter und Dominik Krause, dem Kandidaten der Grünen. Der nannte es „historisch“, dass ein Grünen-Kandidat in die Stichwahl um das Münchner Rathaus einzieht.
Ein hell leuchtender Meteorit hat am Abend viele Menschen in Westdeutschland in Atem gehalten. Bei einem Einschlag in Koblenz wurde ein Haus beschädigt.
Der Ölpreis ist infolge des Irankriegs erstmals seit Jahren wieder über die Marke von 100 US-Dollar gestiegen. Im frühen Handel stieg der Preis für die in Europa maßgebliche Nordseesorte Brent zeitweise um rund 20 Prozent auf 111 US-Dollar je Barrel (159 Liter).
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