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NSU : Dunkle Geheimnisse eines Nazis

Auch noch Kinder auf dem Gewissen? Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe im Jahr 2004. Das Foto stammt aus einer Veröffentlichung des Bundeskriminalamts. Bild: dpa

Mehrere Male wurde Uwe Böhnhardt mit Morden an Kindern in Verbindung gebracht. Die gefundene DNA im Fall Peggy könnte nun den alten Spuren eine neue Bedeutung geben.

          Aus guten Gründen wird ein DNA-Muster im Strafverfahren als ein Indiz gewertet, nicht als der alleinige Tatbeweis. Aus ebenso guten Gründen wird der NSU-Terrorist Uwe Böhnhardt im Zusammenhang mit der getöteten Peggy K. aus dem oberfränkischen Lichtenberg bislang nur als „Spurenverursacher“ bezeichnet. Man sei noch ganz am Anfang der Ermittlungen, sagte am Freitag Oberstaatsanwalt Herbert Potzel, „Wir müssen uns erst fragen: Was machen wir als nächstes?“

          Helene Bubrowski

          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Ein Schritt wird sein, zu klären, wo diese DNA-Spur entstanden ist, die am Fundort der sterblichen Überreste des Mädchens gesichert wurde und mit dem Muster Böhnhardts übereinstimmt. Haftete das DNA-Material dem Stück Stoff an, das im Juli 2016 nahe der Leiche in einem Waldstück gesichert wurde? Oder wurde das DNA-Material gar nicht am Fundort sichergestellt, sondern durch eine unbeabsichtigte Kontamination im Labor verursacht?

          Zufällige Übertragung ist auszuschließen

          Inzwischen schließt das Bundeskriminalamt eine Verunreinigung so gut wie aus. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sei eine Spur von Böhnhardt gefunden worden, sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes, Holger Münch, am Freitag. Zwar wurde der Leichnam Uwe Böhnhardts, der sich zusammen mit Uwe Mundlos im November 2011 selbst tötete, auch im Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Jena obduziert. Ebendort also, wo auch die Überreste Peggy K.s untersucht wurden. Bei dieser Untersuchung sei es aber nur um Skelettreste gegangen.

          Alle weiteren Spuren zum Fall Peggy K. wurden dagegen in anderen Instituten analysiert. Demnach ist eine zufällige Übertragung von DNA zwischen beiden Fällen auszuschließen. Die DNA-Spur, die auf Böhnhardt deutet, war nicht direkt an den Knochenfunden sichergestellt worden, sondern im Umfeld des Fundortes, offenbar an einem nur zentimeterkleinen Stück Stoff, das vielleicht von einer Decke stammen könnte.

          Tagelang unterwegs mit dem Wohnmobil

          Um Uwe Böhnhardt überhaupt als Tatverdächtigen zu überprüfen, wird sein Bewegungsprofil eine entscheidende Rolle spielen. Peggy K. war im Mai 2001 auf dem Heimweg von der Schule in Lichtenberg verschwunden. Danach galt ein Bewohner des Ortes, Ulvi K., als des Mordes überführt, später wurde er im Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen. Rund 150 Kilometer von Lichtenberg entfernt, in Nürnberg, wurde im Juni 2001, kurz nach Peggys Verschwinden, der zweite Mord verübt, der dem NSU zur Last gelegt wird.

          Schon im Jahr zuvor, im September 2000, erschossen Böhnhardt und Mundlos ihr erstes Opfer der Mordserie, ebenfalls in Nürnberg. Man weiß, dass Böhnhardt und Mundlos immer wieder tagelang mit ihren Wohnmobilen unterwegs waren, um mögliche Tatorte auszuspähen und um ihre Taten zu begehen. Kamen sie auf einem dieser Wege an Lichtenberg vorbei, das nah genug an Nürnberg lag? Sozusagen auf dem Nachhauseweg nach Chemnitz, wo sie bis zum Sommer 2001 wohnten, bevor sie nach Zwickau zogen?

          Vorsichtige Vorgehensweise der Terroristen

          Die sterblichen Überreste des Mädchens lagen in einem Waldstück in Thüringen, im Landkreis Saale-Orla. Der Wald liegt zwischen dem bayerischen Nordhalben und Rodacherbrunn. Inzwischen sind die Ermittler überzeugt, dass der Fundort nicht unbedingt der Ort sein muss, wo Peggy K. getötet wurde. Aber hätten Böhnhardt und Mundlos, die in der Regel zu zweit unterwegs waren und immer in dem Risiko lebten, entdeckt zu werden, das Risiko in Kauf genommen, in einer Kleinstadt ein Kind abzufangen und umzubringen? Ein Kind, das als sehr selbstbewusst galt und sicher nicht ohne weiteres mit fremden Personen mitgegangen wäre?

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