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Syrien-Konferenz : Im Schmerz vereint

Ringen um eine Lösung: die Syrien-Konferenz in Wien Bild: dpa

Vertreter aus 17 Staaten haben in Wien über eine Lösung des Syrien-Konflikts beraten. Die Interessenlage ist höchst verworren. Doch der Schock der Anschläge in Paris könnte mehr Konstruktivität in die Gespräche bringen.

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          Nach und nach fuhren sie am Samstag am eleganten, aber von der Polizei streng abgeriegelten Wiener Ringstraßenhotel „Imperial“ vor, und viele gaben kurze Stellungnahmen ab, die von Erschütterung und Mitgefühl zeugten: Frank-Walter Steinmeier (SPD) aus Deutschland und Laurent Fabius aus Frankreich, Sergej Lawrow aus Russland und John Kerry aus den Vereinigten Staaten, Federica Mogherini für die Europäische Union und Staffan di Mistura für die Vereinten Nationen. Die Außenminister oder Vertreter von 17 Staaten, EU und UN waren in der österreichischen Hauptstadt zusammengekommen, um über Schritte hin zu einem Friedensprozess in Syrien zu sprechen. Niemand erwartete einen plötzlichen Durchbruch. Aber, wie Außenminister Steinmeier sagte: „Dass wir zum zweiten Mal hier zusammenkommen, ist schon mehr, als ich vor einigen Wochen erwartet hätte."

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          Wenn die Äußerungen der Minister vor dem Hotel einen Tenor hatten, dann war es der Appell zu mehr Gemeinsamkeit im Kampf gegen den Terror. Fabius bekräftigte die Entschlossenheit Frankreichs, seine Militäraktionen fortzusetzen. Er fügte aber hinzu: „Es ist in den gegenwärtigen Umständen notwendiger denn je, den internationalen Kampf gegen Terrorismus zu koordinieren. Und eines der Ziele des Treffens heute in Wien ist genau das: Konkret zu schauen, wie wir in Zukunft die internationale Koordinierung im Kampf gegen ,Daesh‘ verbessern können.“ „Daesh“ ist eine der Bezeichnungen für die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS). Lawrow formulierte es knapper und härter: „Es gibt keine Rechtfertigung für terroristische Taten – und keine Rechtfertigung für uns, nicht mehr zu tun, um den IS und Al-Nusra und dergleichen zu besiegen.“

          Mogherini: Die gesamte Gemeinschaft ist betroffen

          Die EU-Außenbeauftragte Mogherini beschwor eine Gemeinsamkeit der Staaten, die „hier heute um den Tisch zusammensitzen“: Fast alle hätten sie den gleichen Schmerz und Schock erlitten. Frankreich erst am Vorabend, Libanon einen Tag zuvor, Russland und Ägypten vor wenigen Wochen, die Türkei wieder ein paar Wochen früher. „Europäer und Araber, Ost und West, die gesamte internationale Gemeinschaft ist von Terroristen betroffen, die versuchen, uns auseinanderzudividieren. Die beste Antwort ist es, zusammen hier her zu kommen.“ Die Konferenz bekomme dadurch eine „andere Bedeutung“, und die Botschaft sei noch stärker als die der Vorgängerveranstaltung vor zwei Wochen: „Die Notwendigkeit für die internationale Gemeinschaft zur Einigkeit.“

          Keine Frage, trotz des trügerisch heiteren Wiener Herbstwetters haben die Anschläge von Paris die Syrien-Konferenz unter einen tiefen Schatten gestellt. Worte wie diejenigen Mogherinis mögen als Pfeifen im Walde erscheinen. Aber tatsächlich hat dieser Schock möglicherweise einen Druck auf alle Teilnehmer erzeugt, konstruktiver an die Sache heranzugehen, als das ansonsten der Fall gewesen wäre. Denn das Treffen hatte eigentlich nicht mit einem besonders guten Vorzeichen begonnen.

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