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Warum Berlin sich engagiert : Das muss man über den Libyen-Konflikt wissen

Ein Kämpfer der von den Vereinten Nationen unterstützten Interimsregierung blickt in Tripolis aus einem Panzer heraus. Bild: dpa

Deutschland legt sich ins Zeug, um zu einer Befriedung Libyens beizutragen. Warum es das tut, und wer die wichtigsten Akteure in dem Konflikt sind, haben wir zusammengefasst.

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          Die Bundesregierung verwendet viel Energie auf die Libyen-Diplomatie. Sie will einen politischen Prozess vorantreiben, an den in Libyen selbst kaum jemand zu glauben scheint. Berlin kann aber nicht tatenlos zusehen und dem Land den Rücken kehren. Die Auswirkungen des Konfliktes, der dort seit Jahren tobt, bekommen Europa und auch Deutschland zu spüren.

          Drehscheibe für Migration

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Libyen ist zur zentralen Drehscheibe für das Schleusergeschäft mit illegalen Migranten aus Afrika geworden, die über das Mittelmeer nach Europa gelangen. Die Wüsten sind Rückzugsorte für Dschihadisten. Vor etwas mehr als drei Jahren wehte noch die Flagge des „Islamischen Staates“ (IS) über der Küstenstadt Sirte. Sie ist der Heimatort des 2011 gestürzten Gewaltherrschers Muammar al Gaddafi. Die Dschihadisten wurden im Dezember 2016 aus der Stadt vertrieben. Und der libysche Machtkampf hat sich trotz eines geltenden Waffenembargos längst zu einem Stellvertreterkonflikt entwickelt, in dem ausländische Akteure eigene Interessen verfolgen und den Krieg weiter befeuern.

          Chalifa Haftar, Warlord aus dem Osten

          Den jüngsten Waffengang hat der ostlibysche Militärführer Chalifa Haftar vom Zaun gebrochen. Am 4. April 2019 griffen seine Truppen die Hauptstadt Tripolis an. Dort hat die unter UN-Vermittlung eingesetzte Regierung der Nationalen Übereinkunft ihren Sitz. Haftar, ein Mann der Armee, ist der Anführer des Lagers um die Gegenregierung im Osten Libyens. Er herrscht dort mit harter Hand. Der selbsternannte Feldmarschall präsentiert sich als starker Mann, der Libyen Ruhe und Ordnung bringen und das Land in ein anti-islamistisches Bollwerk verwandeln will. Im Jahr 2014 hatte er in Benghasi einen Feldzug gegen radikale Islamisten begonnen. 2015 wurde Haftar Armeechef der Gegenregierung im Osten.

          Die „Libysche Nationale Armee“ (LNA), die er kommandiert, mag Namen und Abzeichen nach eine straff organisierte Streitmacht sein. In Wirklichkeit ist es ein zusammengewürfelter Haufen, zu dem auch sudanesische Söldner zählen. Der selbsternannte Feldmarschall hat vor allem Stammesmilizen der LNA einverleibt. Außerdem kämpfen salafistische Milizen unter dem LNA-Banner. Sie lehnen zwar politischen Aktivismus ab, wollen aber die Gesellschaft ihren rigiden Moralvorstellungen unterwerfen. Vom Eigenleben der LNA zeugen Massenerschießungen von Kriegsgefangenen, willkürliche Festnahmen und Angriffe auf Wohnviertel. 

          Fajez Sarradsch, Regierungschef mit eng begrenzter Macht

          Auch die Truppen der Regierung der Nationalen Übereinkunft setzen sich aus einem Flickenteppich unterschiedlicher Milizen zusammen. Zu ihnen zählen kampfstarke Brigaden aus der Küstenstadt Misrata, einer Bastion des Aufstands gegen Gaddafi. Diese Gruppen standen der Übereinkunftsregierung in Tripolis anfangs zwar skeptisch bis feindselig gegenüber. Aber der Tripolis-Feldzug von General Haftar hatte zur Folge, dass sie ihre Differenzen wie viele andere Gruppen im Westen beiseiteschoben und sich ihm entgegenstellten. Für seine Feinde ist Haftar ein Wiedergänger Gaddafis. Außerdem sind in Misrata islamistische Kräfte aus dem Lager der Muslimbrüder stark vertreten, die Haftar erbittert bekämpft. In Tripolis selbst stützt sich Sarradsch auf ein Kartell von bewaffneten Gruppen, deren Kommandeure vor allem eigene Interessen verfolgen und in den vergangenen Jahren sehr reich geworden sind.

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