FAZ+ (abopflichtiger Inhalt);Serie „Einig Vaterland?“ (27) :
Recht auf Heimat

Von
Gundula Bavendamm
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Geistig-moralische Wende: Bundeskanzler Helmut Kohl auf dem Schlesiertreffen am 16. Juni 1985 in Hannover
Geistig-moralische Wende: Bundeskanzler Helmut Kohl auf dem Schlesiertreffen am 16. Juni 1985 in HannoverBarbara Klemm

Vor achtzig Jahren, im Januar 1945, ergriffen Millionen Deutsche in Ostpreußen, Pommern und Schlesien die Flucht vor der heranrückenden Roten Armee. Viele weitere sollten in den kommenden Jahren das Schicksal von Flucht und Vertreibung teilen. Im Westen willkommen waren sie kaum – am wenigsten in dessen sowjetisch kontrolliertem Osten.

Der Topos „Flucht und Vertreibung“ steht für die Zwangsmigration von etwa 14 Millionen Deutschen zwischen Herbst 1944 und 1947/48. Mit dieser Kollektiverfahrung gingen die Bundesrepublik und die DDR in der Zeit des Kalten Krieges völlig unterschiedlich um, was teilweise bis heute spürbar ist. Ein gesamtdeutscher Blick auf das Massenschicksal wurde vor allem durch zwei Teilungen erschwert. Mit dem Verlust der Ostgebiete des Deutschen Reiches infolge des Zweiten Weltkriegs ging der Bezug zu den Herkunftsregionen der großen Mehrheit der Vertriebenen weitgehend verloren. Die deutsche Teilung 1949 wiederum ließ das frühere Mitteldeutschland zum neuen Ostdeutschland werden. Für die Ost- und die Westdeutschen verschwand das jeweilige Gegenüber über Jahrzehnte hinter dem Eisernen Vorhang.

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