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Sommerpause : Populisten unter Palmen

  • -Aktualisiert am

Nicht nur die normalen Bürger zieht es in den Sommermonaten in die Ferne, auch Politiker reisen gerne. Der Unterschied: Der Umgang der Politiker mit ihrem Urlaub sagt viel über sie aus. Bild: dpa

Politiker zeigen gern, wie sie ihren Urlaub verbringen. Besonders für Rechtspopulisten ist die Entscheidung des Reiseziels und die Darstellung ihrer Ferien aber eine schwierige Gratwanderung.

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          Die Politiker kehren aus dem Urlaub zurück. Wie war’s? Dorothee Bär hat auf einem fränkischen Heuballen gesessen, Markus Söder auf einem bayerischen Steg, Cem Özdemir in einem schwäbischen Kanu. Entsprechende Fotos veröffentlichten die Politiker auf Instagram. Als es noch kein Instagram gab, stand so etwas in der Zeitung. Denn wie und wo ein Politiker seinen Urlaub verbringt, sagt etwas über ihn. Einerseits über den Menschen: Liebt er das Meer, umgibt er sich mit seiner Familie, treibt er Sport? Andererseits über den Politiker: Lebt er so, wie er es von den Bürgern erwartet? Kann man ihm vertrauen?

          Das bedenken die Politiker bei der Urlaubsplanung. Nie fliegen Demokraten zum Beispiel auf die Seychellen, um sich dort im Strandrestaurant des Kempinski durch die Champagner-Auswahl zu schlürfen. Schon bescheidenere Urlaube können großen Ärger bringen, wie der Fall des früheren Verteidigungsministers Scharping zeigte. Scharping planschte in einem Pool auf Mallorca, allerdings zur falschen Zeit und leider allzu neckisch. Bundeskanzler Adenauer dagegen ging als Meister des wohldosierten Urlaubs in die Geschichte ein. Die F.A.Z. berichtete immer wieder über den glücklichen Verlauf seiner Ferien. 1956 etwa reiste er in die Schweiz. Zurück fuhr er bescheiden mit einem planmäßigen D-Zug, an den ein Kanzlerwagen angehängt worden war. „In der Umgebung des Bundeskanzlers wird erklärt, der Urlaub habe dem Achtzigjährigen sehr gut getan. Adenauer habe viel von seiner Freizeit in der frischen Luft verbracht, obwohl das Wetter nicht sehr günstig gewesen war.“ Ein rüstiger Herr also. Drei Jahre später zeigte ein Foto in der Zeitung ihn, wie er in Italien mit seiner Tochter Boccia spielt, ihm gelang dort „mancher Meisterwurf“.

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