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Übergriffe am Hauptbahnhof : Kölner Polizeipräsident in einstweiligen Ruhestand versetzt

  • -Aktualisiert am

Wolfgang Albers ist nicht mehr Polizeipräsident von Köln Bild: dpa

NRW-Innenminister Jäger hat den nach den Übergriffen in Köln heftig kritisierten Polizeipräsidenten Wolfgang Albers entlassen. Zuvor hatte Oberbürgermeisterin Henriette Reker Albers beschuldigt, sie nicht angemessen informiert zu haben.

          Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) hat den Kölner Polizeipräsidenten Wolfgang Albers in den einstweiligen Ruhestand versetzt. „Meine Entscheidung ist jetzt notwendig, um das Vertrauen der Öffentlichkeit und die Handlungsfähigkeit der Kölner Polizei zurückzugewinnen – auch mit Blick auf die anstehenden Großveranstaltungen“, sagte Jäger mit Blick auf den Kölner Karneval Anfang Februar.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Albers war nach dem Einsatz der Polizei in der Silvesternacht rund um den Kölner Hauptbahnhof immer stärker in die Kritik geraten. Am Freitag war auch die parteilose Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker auf Distanz zur Polizeiführung in Köln gegangen. Die ihr von Albers geschilderten Fakten gäben nicht das vollständige Bild der Einsatznacht wieder, hieß es in veröffentlichten Stellungnahme. „Insofern ist mit meinem heutigen Kenntnisstand das Vertrauensverhältnis zur Kölner Polizeiführung erheblich erschüttert.“

          Vorwurf der Verschleierung zurückgewiesen

          Erst am Montag hatte der Polizeipräsident die Öffentlichkeit über das tatsächliche Ausmaß der Straftaten informiert, die große Gruppe junger Männer mit Migrationshintergrund auf dem Vorplatz des Bahnhofs begangen hatten. Immer wieder hatten sich aus einer mehr als 1000 Personen umfassenden Menge kleinere Gruppen junger Männer gelöst, die Passanten beraubten und Frauen sexuell belästigten.

          Noch am Nachmittag hatte Albers sich in einer Pressemitteilung zu verteidigen versucht. Er wies den von Medien und Politikern erhobenen Vorwurf zurück, er habe die Herkunft der Verdächtigen verschleiert. Kurz nach der Entscheidung des Innenministers zeigte Albers dann aber Verständnis für seinen Rauswurf. Die öffentliche Debatte um ihn und sein Verhalten nach den chaotischen Szenen könne die Arbeit der Polizei erschweren und verzögern. „Deshalb verstehe ich die heutige Entscheidung von NRW-Innenminister Ralf Jäger“, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Stellungnahme von Albers. „Es geht darum, verloren gegangenes Vertrauen wiederherzustellen.“

          Als Polizeipräsident habe er seine Arbeit immer als Dienst für die Kölner Polizei und die dort lebenden Menschen gesehen. Dazu gehöre auch, in schwierigen Zeiten Verantwortung zu übernehmen. „Vor allem, wenn es der Polizei Köln nicht gelungen ist, die von den Bürgern in sie gesteckten Erwartungen zu erfüllen“, erklärte Albers.

          Am Freitag hatten Recherchen von FAZ.NET zudem ergeben, dass das Kölner Polizeipräsidium während der Exzesse rund um den Hauptbahnhof Verstärkung angeboten bekommen, aber nicht angenommen hatte.

          Ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Landesamts für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD) in Duisburg hatte FAZ.NET auf Nachfrage gesagt, die Leitstelle des LZPD habe in der Silvesternacht in ständigem Kontakt mit dem Polizeipräsidium in Köln gestanden. Im Laufe der Silvesternacht habe die Duisburger Leitstelle sogar aktiv in Köln nachgefragt, ob Verstärkung benötigt werde. Nach Darstellung des LZPD-Sprechers hätten kurzfristig drei auf verschiedene Standorte verteilte Züge einer Einsatz-Hundertschaft nach Köln geführt werden können. Ein Zug umfasst jeweils 38 Beamte. „Die Hundertschaft stand zum Abruf bereit“, sagte der Sprecher.

          In einem kurzen Stellungnahme in seinem Ministerium dankte Innenminister Jäger Albers für seine „langjährige, engagierte Tätigkeit für die NRW-Polizei. Die Kölner Polizei habe nun die wichtige Aufgabe, die Vorfälle der Silvesternacht vollständig aufzuarbeiten und die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. „Die Menschen wollen zurecht wissen, was in dieser Silvesternacht passiert ist, wer die Täter sind und wie solche Vorfälle zukünftig verhindert werden können. Die Kölner Polizei wird ihre Ermittlungsarbeit ungeachtet der heutigen Entscheidung mit voller Intensität fortführen“, sagte Jäger.

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