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Libanon : In Beirut wächst die Angst vor den Dschihadisten

  • -Aktualisiert am

Dschihadisten-Rekrutierung: Jugendliche werden in einem Camp auf den Kampf vorbereitet. Bild: AFP

Der Libanon gerät immer tiefer in den Sog des Krieges in Syrien und der Irak-Krise. All das hängt eng zusammen. Die Angst vor Anschlägen wird in Beirut immer größer.

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          Es war der zweite Anschlag innerhalb von 84 Stunden. Während des WM-Spiels zwischen Brasilien und Kamerun detonierte die Bombe in der Nähe eines vollbesetzten Cafés. Panisch flohen die Gäste in alle Richtungen, am Morgen danach standen die ausgebrannten Autos noch immer am Straßenrand in der von der Schiitenmiliz Hizbullah dominierten südlichen Vorstadt von Beirut, Dahiyeh. Die Sorge, dass nach Syrien und Jordanien nun auch der Libanon in den Sog des Irak-Krieges gerät, ist in Beirut bei allen Beteiligten groß.

          „Terrorismus kennt keine Religion“ sagte der frühere libanesische Regierungschef Fuad Siniora am Dienstag. Er gehöre „ausgerottet“ und die Täter „zur Rechenschaft gezogen“. Nicht nur der sunnitische Politiker, sondern auch Angehörige schiitischer, drusischer und christlicher Parteien äußerten ihre Entschlossenheit, sich dem Terror nicht zu beugen. Hizbullah-Generalsekretär Hassan Nasrallah hatte schon nach dem Selbstmordanschlag auf einen Polizeikontrollpunkt in der von seiner Parteimiliz kontrollierten Bekaa-Ebene am Freitag gesagt, dass er nicht zulassen werde, dass die Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak und in (Groß-)Syrien (Isis) ihren Kampf in den Libanon hineintrage.

          Präsidentenpalast in Baabda steht leer

          Doch genau das droht zu geschehen. Der Syrien-Krieg hat das Land im vergangenen Jahr so destabilisiert, dass sunnitische Dschihadisten den idealen Nährboden finden. Die Regierung von Ministerpräsident Tammam Salams ist kaum noch in der Lage, die Konflikte zwischen der Million syrischer Flüchtlinge und den rund vier Millionen Libanesen im Zaum zu halten. Weil sich die in zwei große Lager gespaltene politische Klasse nicht auf einen Kompromisskandidaten einigen konnte, steht der Präsidentenpalast in Baabda in den Bergen oberhalb Beiruts seit Ende Mai leer. Weder der von der Hizbullah getragene Führer der Freien Patriotischen Bewegung (FPM), Michel Aoun noch der Kandidat der prowestlichen „14.-März-Allianz“, der einst mit Israel alliierte Samir Geagea, konnte bei den bisherigen Wahlgängen eine Mehrheit im Parlament erzielen.

          Ein baldiger Ausweg aus der Staatskrise scheint auch deshalb unwahrscheinlich, weil Nasrallah einen Rückzug seiner Milizen aus Syrien ausschließt. Seit zwei Jahren kämpft die Hizbullah auf Seiten der Armee des syrischen Machthabers Baschar al Assad. Weil irakisch-schiitische Milizen wie Asaib Ahl al Haq, die den Diktator in Damaskus unterstützten, nun wieder im Irak gebraucht werden, kann Nasrallah seine Kämpfer nicht zurückziehen. Die Konsequenzen für den Libanon sind dramatisch: Seit mehr als einem Jahr kommt es in der Bekaa-Ebene und in der südlichen Beiruter Vorstadt Dahiyeh zu Anschlägen sunnitischer Gruppen. Dass die Hizbullah ihre Gebiete nicht mehr unter Kontrolle hat, zeigt, wie sehr der Syrien-Krieg die mächtigste militärische Kraft im Libanon auszehrt.

          Der Anschlag sei der klare Versuch gewesen, „die nationale Einheit“ des Libanons zu zerschlagen, sagte Regierungschef Salam am Dienstag. Ob die Isis-Dschihadisten oder der seit Jahresbeginn auch im Libanon präsente Ableger der zu Al Qaida gehörenden Nusra-Front für den Anschlag verantwortlich war, prüften die Behörden noch. Doch die alte Formel am Ende des Libanon-Krieges 1990, wonach es „keine Sieger, keine Besiegten“ geben dürfe, wankt im Zuge der Isis-Offensive im Irak. Der ideologische Anspruch der Gruppe, das Gebiet vom Tigris bis zum Mittelmeer zu kontrollieren, schließt den Libanon als Teil der Levante ausdrücklich ein. Wie in Bagdad rechnet auch in Beirut keiner mit einem ruhigen Ramadan. Zu verlockend ist die Aussicht der Terroristen, zu Beginn des Fastenbrechens am Abend bei Anschlägen vor Moscheen große Menschenansammlungen zu treffen.

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