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Festakt am Reformationstag : Merkel: Ohne Religionsfreiheit nimmt die Gesellschaft Schaden

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Bundeskanzlerin Merkel spricht am Dienstag in Wittenberg beim offiziellen Festakt zum 500. Reformationsjubiläum. Bild: AFP

500 Jahre nach dem Beginn der Reformation wollen Protestanten und Katholiken künftig stärker aufeinander zugehen – und folgen damit dem Aufruf der Kanzlerin. Beim Festakt in Wittenberg ist Angela Merkel vor allem ein Begriff wichtig.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zum 500. Reformationsjubiläum die Bedeutung von Meinungsvielfalt und Toleranz in ganz Europa unterstrichen. Toleranz sei „die Seele Europas“ und „das Grundprinzip jeder offenen Gesellschaft“, sagte die CDU-Vorsitzende am Dienstagabend bei einem Festakt in Wittenberg. Da die Anerkennung von religiöser und kultureller Vielfalt in einer globalisierten Welt für viele Menschen zunehmend zur Herausforderung werde, müsse ihre Bedeutung umso stärker herausgestellt werden. „Auch heute erleben wir, dass auf der Welt überall dort, wo es mit Religionsfreiheit schlecht bestellt ist, auch die gesellschaftliche Entwicklung insgesamt Schaden nimmt.“

          Auch mit Blick auf die zahlreichen innereuropäischen Konflikte, die der Thesenanschlag des Theologen Martin Luther am 31. Oktober 1517 mit sich brachte, sagte die Kanzlerin: „Wer die Vielfalt bejaht, muss Toleranz üben - das ist die historische Erfahrung unseres Kontinents. Mühevoll wurde gelernt, dass die Grundlage für ein friedliches Zusammenleben in Europa die Toleranz ist.“ Selbst wenn Glaubensüberzeugungen den eigenen Ansichten widersprächen, gelte es anzuerkennen, dass sie „für andere von zentraler Bedeutung sind“.

          „Gemeinsamen Weg zur größeren Einheit fortsetzen“

          Ein halbes Jahrtausend nach dem Beginn der Reformation haben zuvor Protestanten und Katholiken ihren Willen zu einer umfassenderen Annäherung unterstrichen. Papst Franziskus und die evangelisch-lutherische Kirche kündigten am Dienstag an, auch nach Ende des Reformationsjahres das ökumenische Ziel eines gemeinsamen Abendmahles weiterzuverfolgen. „Für die Zukunft verpflichten wir uns, [...] unseren gemeinsamen Weg zur größeren Einheit fortzusetzen“, erklärten der von Rom eingesetzte Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen sowie der Lutherische Weltbund in einer gemeinsamen Stellungnahme.

          Beim zentralen Festgottesdienst in der Wittenberger Schlosskirche übergaben der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, und der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, gemeinsam ein Kreuz an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Sie werteten dies als „Versprechen der Christen“, für Friede, Versöhnung und Gerechtigkeit einzutreten, sagte Marx.

          Zuvor hatte Bedford-Strohm den Katholiken symbolisch die Hand ausgestreckt. Vor den Augen von Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wandte er sich in seiner Rede direkt an Papst Franziskus: „Wann immer du einmal hierher nach Wittenberg kommst, dann werden wir dich ein halbes Jahrtausend nach der Verbrennung der Bannbulle von ganzem Herzen willkommen heißen!“ Man müsse „mit Christus reden und dann mutig voranschreiten“.

          Martin Luther hatte der Überlieferung nach vor 500 Jahren seine 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche geschlagen - deshalb war der Reformationstag einmalig bundesweit ein Feiertag. Der Thesenanschlag gilt als Beginn der weltweiten Reformation und Spaltung der Kirche - im Ergebnis entstand die evangelische Kirche.

          Bedford-Strohm bezeichnete Luthers Thesenanschlag als einen „Akt der Befreiung“ - für Luther persönlich, für die Kirche und für die Welt. Heldenverehrung sei allerdings falsch. Vor allem Luthers Haltung zum Judentum sorgt bis heute für heftige Diskussionen in Kirche und Gesellschaft. „Reformation 2017 - das heißt auch, den alten unseligen christlichen Antijudaismus hinter uns zu lassen, der den tödlichen antisemitischen Rassenlehren Nahrung gegeben und so viel Leid angerichtet hat“, sagte Bedford-Strohm in einem Gottesdienst in der Nürnberger Lorenzkirche am Vormittag.

          Franziskus und der frühere Präsident des Lutherische Weltbundes, Munib A. Younan erklärten in der gemeinsamen Stellungnahme, viele Christen sehnten sich danach, „die Eucharistie an einem Tisch zu empfangen als konkreten Ausdruck der vollen Einheit“. Im Lutherischen Weltbund haben sich 145 Kirchen aus 98 Ländern zusammengeschlossen. Beide Seiten stellten mit Blick auf das Reformationsjahr fest: „Es ist aufs Neue deutlich geworden, dass das, was uns eint, sehr viel mehr ist als das, was uns noch trennt.“

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