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Vattenfall Europe : „Die Stromrechnung steigt bis 2020 um 30 Prozent“

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Tuomo Hattaka

Tuomo Hattaka Bild: ddp images/AP/Michael Sohn

Auch Vattenfall prüft eine Schadenersatzklage wegen des deutschen Atomausstiegs. Der Europachef des schwedischen Konzerns, Tuomo Hatakka, dringt auf einen funktionierenden Emissionsrechtehandel und sieht stark steigende Strompreise voraus - jedenfalls für Privatkunden.

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          Herr Hatakka, der beschleunigte Atomausstieg trifft in Ihrer Branche nicht gerade auf Begeisterung. Ihr größerer Konkurrent Eon fordert wegen entgangener Gewinne 8 Milliarden Euro Schadenersatz von der Bundesregierung. Was plant Vattenfall?

          Wenn es für eine angemessene Entschädigung notwendig ist, dann werden auch wir Klage erheben. In jedem Fall müssen wir als Vorstände im Interesse unserer Aktionäre handeln. Auch wenn wir den beschleunigten Atomausstieg in Deutschland natürlich respektieren.

          Das klingt recht ambivalent. Sind Sie für oder gegen den Atomausstieg?

          Wir jammern nicht, wir machen mit! Aber wir erwarten eine faire Kompensation für den Schaden, den wir durch den Atomausstieg erleiden. Es gibt dafür auch einen Präzedenzfall im Zusammenhang mit der Schließung eines Atomkraftwerks in Schweden.

          Wie schätzen Sie die Zukunft der Atomkraft ein? Wird Deutschland für seinen Ausstieg Nachahmer finden.

          Jedes Land entscheidet selbst über seinen Erzeugungsmix, und es gibt große Unterschiede. Italien und die Schweiz haben sich auch gegen Kernkraft entschieden, aber das ist so nicht vergleichbar mit Deutschland. In anderen Ländern wie Finnland und Schweden, aber natürlich auch Frankreich und Großbritannien wird Kernkraft zum zukünftigen Erzeugungsmix gehören.

          Aber der Mix der Energieerzeugung in Europa wird sich in den nächsten Jahren schon dramatisch verändern?

          Ja, das ist schon durch den deutschen Ausstieg und die entsprechenden Planungen der Europäischen Union vorgezeichnet. Im Moment kommt rund ein Viertel der Energie in den 27 EU-Ländern aus Kernkraft, rund 55 Prozent aus fossilen Kraftwerken und etwa ein Fünftel aus erneuerbaren Energien. Die Kernkraft wird bis 2030 auf einen Anteil von 15 bis 20 Prozent zurückfallen. Aber sie wird auf jeden Fall weiterhin eine Rolle spielen. In Schweden sind neue Atomkraftwerke als Ersatz an bestehenden Standorten explizit erlaubt, um ein Beispiel zu nennen.

          Energiepolitik ist ja auch Industriepolitik. Für wie verlässlich halten Sie die Rahmenbedingungen in Deutschland, unabhängig vom Atomausstieg?

          Wenn man weiß, was wir rund um den Neubau des Kraftwerks Moorburg in Hamburg erlebt haben, das erst jetzt nach langem Hin und Her auf gutem Weg ist, oder wenn ich an die Anschlussprobleme mit den deutschen Offshore-Windparks denke, fällt auch diese Bilanz nicht gut aus. Glücklicherweise waren wir mit unserem Offshore-Projekt DanTysk früh dran und haben uns einen Anschluss gesichert.

          Wie könnte man die Energiepolitik in Europa denn verlässlicher und einheitlicher gestalten?

          Der Schlüssel dazu wäre ein funktionierender Emissionsrechtehandel. Ein neues, funktionierendes System aufzubauen käme in seiner Bedeutung der Entdeckung Amerikas gleich. Aber das ist wohl eine vergebliche Hoffnung. Eher entwickelt sich alles in die gegenteilige Richtung. Jedes Land möchte vom anderen in der Energieerzeugung unabhängig sein, in Deutschland gilt das inzwischen sogar für einzelne Bundesländer.

          Wie wird sich vor diesem Hintergrund einerseits und der deutschen Energiewende andererseits denn der Strompreis entwickeln?

          Die Stromrechnung für Privatkunden wird 2020 wahrscheinlich 30 Prozent höher sein als heute. Der Großhandelspreis wird allerdings nicht signifikant steigen, denn es werden ja erhebliche Erzeugungskapazitäten zusätzlich geschaffen.

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