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Mindestens 14 Tote bei Protesten : Ankara warnt vor „unvorhersehbaren Folgen“

In Istanbul setzt die Polizei Tränengas gegen Demonstranten ein Bild: AFP

Das Drama in Kobane droht auch die Türkei zu zerreißen. Bei Straßenschlachten zwischen Sicherheitskräften und kurdischen Demonstranten sind mindestens 14 Personen getötet worden. Auch die Armee kommt zum Einsatz.

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          Bilder, die die Türkei längst hinter sich glaubte, sind zurückgekehrt. Bei Straßenschlachten zwischen türkischen Sicherheitskräften und kurdischen Demonstranten sind in der Nacht zum Mittwoch mindestens 14 Personen getötet worden, mehr als Hundert wurden verletzt. Kundgebungen der Kurden fanden in mehr als 20 Städten der Türkei statt, in fünf Städten wurden dabei Demonstranten getötet.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

          Die Webseite der regierungskritischen Zeitung „Sözcü“ macht daher mit den zwei Schlagzeilen auf: „Die Türkei in Flammen“ und „Das ist die neue Türkei“. Die regierungsnahe Zeitung „Sabah“ zeigt Online ein großes Foto eines Panzers in den leeren Straßen der Stadt Diyarbakir und lobt die Vorzüge die Ausgangssperre, die um 22 Uhr in Kraft getreten war. Zum ersten Mal seit der Aufhebung des Ausnahmezustands im Südosten der Türkei worden dort auf den Straßen wieder Panzer eingesetzt. Die Nachflüge von Turkish Airlines nach Diyarbakir sind daher annulliert worden.

          Protest von Kurden in Istanbul - die Polizei setzt Tränengas ein Bilderstrecke
          Kobane : Kobane

          Die stark von der AKP-Regierung unter Druck stehende Zeitung „Zaman“, die nicht als kurdenfreundlich gilt, schreibt zu Fotos aus der vergangenen Nacht: „Sie machen aus den Städten ein Schlachtfeld“, und die längst regierungsnahe Zeitung „Hürriyet“ legt über ein Foto von Demonstranten, die sich den Wasserwerfern der Polizei entgegenstellen, in gelben Balken die abschreckende Nachricht „14 Tote“. Vielleicht waren es auch mehr. Die Webseite von „Habertürk“ will von 15 Toten wissen.

          Die meisten Zusammenstöße hatten sich, trotz der Ausgangssperre in sechs Provinzen, in den kurdischen Provinzen im Südosten der Türkei ereignet. Allein in Diyarbakir  wurden mutmaßlich acht Demonstranten getötet. Zudem wurden dort Geschäfte und Regierungsgebäude geplündert, eine Büste Atatürks wurde zu Boden gerissen. In Mardin gab es drei Tote und in Siirt zwei Tote. Jeweils ein Toter wurden aus Batman und Mus gemeldet. In Istanbul und Ankara setzte die Polizei Wasserwerfer und Tränengas ein, ein Demonstrant wurde in Istanbul durch einen Kopfschuss schwer verletzt. Mindestens 98 Menschen wurden laut der Nachrichtenagentur Dogan festgenommen. Proteste gab es auch in der Küstenstadt Antalya sowie in Mersin und Adana im Süden des Landes.

          Entzündet hatte sich der Zorn der Kurden an der Untätigkeit der türkischen Regierung, die trotz des bevorstehenden Sturz der Stadt Kobane sich bisher einem Eingreifen verweigert. Präsident Tayyip Erdogan sagte sogar, er rechne mit dem Fall der Stadt. Innenminister Efkan Ala warnte zugleich die Demonstranten vor „unvorhersehbaren Folgen“ der Proteste und forderte sie zum Rückzug auf. Die Proteste und die Lage in Kobane bedrohen auch den Friedensprozess zwischen der Regierung und der PKK. Das hat die PKK angekündigt, sollte Kobane tatsächlich in die Hände des „Islamischen Staats“ fallen.

          Kurdenproteste : Tote bei Ausschreitungen in der Türkei

          Das türkische Parlament hatte zwar am vergangenen Donnerstag einen Einsatz der Armee in Syrien und dem Irak gebilligt, doch startete die Regierung von Ministerpräsident Ahmet Davutoglu bisher keine militärische Intervention. Die Kurdenpartei HDP hatte deshalb zu den landesweiten Protesten aufgerufen.

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