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Dschihadisten im Irak : Obama droht mit Militäreinsatz

  • Aktualisiert am

„Wir schließen nichts aus“: Barack Obama Bild: AP

Amerika behält sich vor, militärisch in den Konflikt zwischen Regierung und Dschihadisten im Irak einzugreifen. „Ich schließe nichts aus“, sagte Präsident Obama. Die Republikaner werfen ihm Versagen vor.

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          Angesichts des Vormarschs der islamistischen Terrorgruppe Isis behalten sich die Vereinigten Staaten eine militärische Intervention im Irak nicht aus. Präsident Barack Obama sagte am Donnerstag, der Irak werde „mehr Hilfe“ aus Amerika brauchen. Das Weiße Haus arbeite „rund um die Uhr“ an Optionen. „Ich schließe nichts aus“, sagte Obama. Er wolle sicherstellen, dass die Extremisten gestoppt würden. Kurz zuvor hatten Mitarbeiter seiner Regierung jedoch Erwartungen gedämpft, dass Amerika schon bald Luftangriffe im Irak fliegen könnte.

          Mehrere Medien hatten berichtet, dass Bagdad die Amerikaner vertraulich um Angriffe auf Lager der Terrorgruppe Isis gebeten habe. Schon im März sei dieser Wunsch an Washington herangetragen worden; im Mai habe der schiitische irakische Ministerpräsident Nuri al Maliki eine offizielle Anfrage an das Weiße Haus gerichtet. Am Donnerstag forderte Obama die irakische Führung auf, an einer politischen Lösung des Konfliktes zu arbeiten. „Dies sollte ein Weckruf für die irakische Regierung sein“, sagte er.

          McCain: „Kolossales Scheitern“ der Politik

          Mehrere ranghohe Republikaner im amerikanischen Kongress warfen Obama vor, von der Eskalation im Irak völlig überrascht worden zu sein. „Holen Sie sich ein neues Team für die Nationale Sicherheit. Sie sind schlecht beraten worden“, sagte Senator John McCain an die Adresse Obamas. „Das ist ein kolossales Scheitern von amerikanischer Sicherheitspolitik.“ McCain verlangte „drastische Maßnahmen“, um den Vormarsch der Dschihadisten zu stoppen.

          Der republikanische Vorsitzende des Repräsentantenhauses John Boehner sagte, Obama habe in der Irak-Politik ein „Nickerchen“ gemacht. Sein Senatskollege Lindsey Graham machte sich offen für Drohneneinsätze stark. „Ich glaube, dass amerikanische Luftangriffe die einzige Hoffnung sind, das Kräfteverhältnis auf dem Schlachtfeld im Irak zu ändern“, sagte Graham. „Die irakische Armee liegt in Trümmern. Ohne irgendeine Art der Intervention ist Bagdad definitiv in Gefahr.“

          Bei ihrem Vormarsch auf Bagdad waren Kämpfer der Terrorgruppe Isis am Donnerstag bis in das Umland der irakischen Hauptstadt vorgedrungen. Nach übereinstimmenden Berichten der Regierung und der Dschihadisten nahmen sie dabei mehrere Orte nördlich der Hauptstadt ein und eroberten erste Bezirke der Stadt Udhaim, die 90 Kilometer von Bagdad entfernt liegt. Auf nennenswerten Widerstand von den Regierungstruppen stießen die Extremisten kaum: Die Soldaten zogen sich vielerorts kampflos zurück oder desertierten.

          Kurdische Peschmerga-Streitkräfte übernahmen derweil die Stadt Kirkuk. Ein Sprecher der Peschmerga sagte am Donnerstag, man habe nach dem Rückzug der irakischen Armee die Kontrolle übernommen. Man könne nicht riskieren, dass die in Kirkuk lebenden Kurden in die Hände von Isis-Kämpfern fielen. Die Streitkräfte der kurdischen Autonomieregion gelten als mögliche Verbündete der irakischen Armee im Kampf gegen Isis.

          Das Auswärtige Amt rief alle Deutschen zur sofortigen Ausreise aus allen von Kämpfen betroffenen Provinzen im Irak auf. Isis hatte am Dienstag innerhalb weniger Stunden die zweitgrößte Stadt des Iraks, Mossul, eingenommen. Auf dem Weg in Richtung Bagdad hatte sie weitere Städte erobert. Dort und in anderen Orten setzten die Islamisten am Donnerstag Militärräte ein.

          Der irakische Ministerpräsident Maliki scheiterte unterdessen mit dem Versuch, den Ausnahmezustand ausrufen zu lassen. Sunnitische und kurdische Abgeordnete boykottierten eine entsprechende Abstimmung im Parlament.

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