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Zentralafrikanische Republik : Putschist Djotodia ruft sich zum Präsidenten aus

  • -Aktualisiert am

In einer Erklärung vom Sonntag bezeichnete die UN die Eroberung der Hauptstadt Bangui als unrechtmäßige Machtergreifung. Es kam zu Plünderungen. Bild: reuters

Nach der Flucht des Präsidenten Bozizé hat sich Rebellenführer Djotodia zum neuen Staatsoberhaupt der Zentralafrikanischen Republik ausgerufen. Frankreich mahnte zu Ruhe und Besonnenheit.

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          Einen Tag nach dem Sturz des zentralafrikanischen Präsidenten François Bozizé hat sich der Führer der Rebellenallianz „Séléka“, Michel Djotodia, am Montag zum neuen Präsidenten ernannt. Der ehemalige Diplomat Djotodia versicherte, das im Januar noch mit Bozizé ausgehandelte „Abkommen von Libreville“ zu respektieren, das die Bildung einer Übergangsregierung und Wahlen in zwei Jahren vorsieht. Die im Gefolge des Abkommens eingesetzte Übergangregierung mit den Anwalt Nicolas Tiangaye als Ministerpräsidenten bleibe weitgehend unangetastet, sagte Djotodia dem französischen Rundfunksender RFI. Den Termin für Neuwahlen verschob er allerdings auf 2016.

          Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich nahm den Sturz von Bozizé am Montag „zur Kenntnis“ und rief die Konfliktparteien zu „Ruhe und Besonnenheit“ auf. Bozizé hatte sich 2003 mithilfe der tschadischen Armee und dem Einverständnis von Paris an die Macht geputscht. Der tschadische Präsident Idriss Déby mahnte ebenfalls den „Respekt des Abkommens von Libreville“ an. Die Afrikanische Union (AU) suspendierte die Mitgliedschaft der Zentralafrikanischen Republik und kündigte Sanktionen gegen Djotodia an. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) forderte am Montag die „Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung“. Deutschland unterhält keine diplomatische Vertretung in der Zentralafrikanischen Republik. Die Wahrnehmung deutscher Interessen wird durch die Botschaft in Kamerun sichergestellt.

          Hat sich nach dem Putsch zum Präsidenten ausgerufen: Rebellenführer Michel Djotodia (r.; Archivbild Januar 2013)

          Washington rief die Rebellen auf, in der Stadt Bangui für „Ruhe und Ordnung“ zu sorgen. Dort war es am Sonntag und am Montag zu Plünderungen von zahlreichen Geschäften, Privathäusern und Regierungsgebäuden gekommen. Zudem ist die Energieversorgung zusammengebrochen, nachdem die Rebellen die Kabel gekappt hatten. Frankreich hatte am Wochenende 300 zusätzliche Soldaten zur Sicherung des Flughafens nach Bangui entsandt. Insgesamt sind damit rund 550 französische Soldaten in der Stadt stationiert. Allerdings sei zurzeit nicht geplant, die rund 1200 in Bangui lebenden französischen Staatsbürger auszufliegen, hieß es in Paris.

          Über den Verbleib von Bozizé lagen am Montag keine gesicherten Informationen vor. Die kongolesische Regierung bestätigte zwar, dass seine Familie Zuflucht in der Ortschaft Zongo gesucht habe, die von Bangui nur durch den Grenzfluss Oubangi getrennt ist. Die Anwesenheit von Bozizé auf kongolesischem Territorium aber wurde von Regierungssprecher Lambert Mende bestritten.

          13 südafrikanische Soldaten getötet

          Am Montag wurde zudem bekannt, dass bei dem Rebellenangriff auf Bangui am Sonntag mindestens 13 südafrikanische Soldaten bei Gefechten mit den Séléka-Kämpfern getötet wurden. 27 weitere wurden verletzt. Ein Soldat wird noch vermisst. Das bestätigte Präsident Jacob Zuma am Montag in Pretoria. Unklar ist allerdings, warum die Südafrikaner in Gefechte verwickelt wurden. Zuma sagte am Montag, die Soldaten seien in ihrem Lager angegriffen worden und hätten sich lediglich verteidigt. Quellen in Bangui aber behaupten, die Südafrikaner hätten aktiv in die Kämpfe eingegriffen und eine ihrer Kolonnen sei an einer Straßensperre außerhalb der Stadt regelrecht aufgerieben worden.

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