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Anschlag in Berlin : Was wir wissen, was wir nicht wissen

  • Aktualisiert am

Menschen legen Blumen nieder vor der Gedächtniskirche. Bild: Reuters

Der Tatverdächtige Anis Amri könnte sich noch in Berlin aufhalten. Er soll auf Aufnahmen vor einem Moscheeverein in Berlin-Moabit zu sehen sein. Polizeibehörden fahnden europaweit nach ihm.

          Bei einem Anschlag mit einem Lastwagen auf dem Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche nahe des Kurfürstendamms in Berlin sind am Montagabend zwölf Menschen getötet rund 50 weitere zum Teil schwer verletzt worden, als ein Lkw in die Menge raste. Die Ermittler gehen derzeit von einem Terroranschlag aus. Gefahndet wird nach einem 24-jährigen Tunesier.

          WAS WIR WISSEN

          - Gegen 20 Uhr fährt ein Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt. Der Fahrer legt eine Strecke von 50 bis 80 Metern zurück, überfährt dabei viele Menschen und zerstört mehrere Marktbuden. Einen Unfall schließt die Polizei bereits am frühen Dienstagmorgen aus und spricht von einem „vermutlich terroristischen Anschlag“. Am Dienstagmittag sagt Bundesinnenminister Thomas de Maizière dann: „Wir haben keinen Zweifel mehr, dass es sich bei dem schrecklichen Ereignis gestern Abend um einen Anschlag gehandelt hat“. Auch Generalbundesanwalt Peter Frank spricht von einem Anschlag mit terroristischem Hintergrund.

          - Knapp einen Tag nach dem Anschlag übernimmt die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) die Verantwortung für den Angriff. Der Täter sei ein „Soldat des ‚Islamischen Staates‘“ gewesen, meldet das IS-Sprachrohr Amaq im Internet. Ob der IS tatsächlich hinter der Erklärung und dem Anschlag steckt, ist aber noch nicht bekannt. Die Echtheit der Nachricht ließ sich zunächst nicht verifizieren. Sie wurde aber über die üblichen IS-Kanäle im Internet verbreitet.

          - Die Spuren deuten immer mehr in Richtung eines Tunesiers mit dem Namen Anis Amri. Nach Medienberichten wurde im Fußraum des Lkw ein Duldungsdokument gefunden, das im nordrhein-westfälischen Kleve ausgestellt wurde. Nach einem Bericht der Deutschen Presseagentur und anderer Medien soll der Mann in der Islamisten-Szene vernetzt und den deutschen Sicherheitsbehörden seit Monaten bekannt gewesen sein. Nach dpa-Informationen soll er als terroristischer Gefährder auch Gegenstand einer Sitzung des gemeinsamen Terrorabwehrzentrums (GTAZ) von Bund und Ländern gewesen sein.

          - Der Mann ist nach Angaben von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) seit Dienstagnacht in ganz Europa zur Fahndung ausgeschrieben. De Maizière betonte aber am Mittwoch, der Verdächtige sei nicht zwingend der Täter. Es werde weiter in alle Richtungen ermittelt, alle Spuren würden verfolgt.

          - Der Tatverdächtige hielt sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen abwechselnd in Berlin und in Nordrhein-Westfalen auf. Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministers Ralf Jäger (SPD) vom Mittwoch ist der Mann im Juli 2015 nach Deutschland eingereist. Er habe sich zunächst in Freiburg, dann hauptsächlich in Berlin aufgehalten. Der Mann sollte laut Jäger eigentlich bereits abgeschoben sein. Sein Asylantrag sei im Sommer abgelehnt worden.

          - Von 2011 bis 2015 soll Amri Berichten zufolge unter anderem wegen Gewalttaten, Brandstiftung, Körperverletzung und Diebstahls in Italien im Gefängnis gesessen haben. Mitgefangene sollen ihn als gewalttätig beschrieben haben.

          - Wegen Problemen mit den tunesischen Behörden habe er Anfang 2015 nicht in sein Heimatland abgeschoben werden können. Daraufhin sei er nach Deutschland gereist.

          - Amri könnte sich noch in Berlin aufhalten. Der rbb veröffentlichte am Donnerstagabend Überwachungsbilder, die den Terrorverdächtigen knapp acht Stunden nach dem Lkw-Anschlag vor einem Berliner Moschee-Verein zeigen sollen.

          Öffnen

          - Ein unmittelbar nach der Tat am Montag festgenommener Mann, ein Pakistaner, der zunächst als möglicher Tatverdächtiger galt, wurde am Dienstagabend wieder freigelassen. Laut Bundesanwaltschaft in Karlsruhe reichen die Ermittlungsergebnisse für einen dringenden Tatverdacht nicht aus.

          - Auf dem Beifahrersitz des Tat-Lkw wurde ein toter Mann entdeckt, er starb laut Polizei vor Ort und ist polnischer Staatsbürger. Nach Angaben des Besitzers der Spedition handelt es sich um den eigentlichen Fahrer des Lastwagens, seinen Cousin. Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei fuhr er den Lastwagen nicht in die Menschenmenge.

          - Der Lastwagen der Marke Scania gehört einer polnischen Spedition und hatte Stahlkonstruktionen geladen. Laut Speditions-Eigentümer war der Fahrer seit etwa 16 Uhr am Dienstag nicht mehr zu erreichen.

          WAS WIR NOCH NICHT WISSEN

          - Es ist unklar, ob es eine größere Tätergruppe gibt oder ob der Täter von außen angeleitet wurde, wie Generalbundesanwalt Peter Frank sagte. Polizeipräsident Kandt betonte jedoch, es sei „nicht zwingend notwendig“, dass mehr als eine Person beteiligt war. Die Tat sei logistisch „nicht so anspruchsvoll“ gewesen.

          - Auch wenn der „IS“ sich offenbar zu der Tat bekannt hat: Ob wirklich die Terrormiliz hinter dem Attentat steckt, ist noch nicht endgültig geklärt.

          - Nicht bekannt ist auch, welchen Wert letztlich die Information des Zeugen hatten, der den zunächst Festgenommenen verfolgt und die Polizei informiert hatte.

          - Ungeklärt ist ebenfalls, wie und wo sich der Täter des Lastwagens bemächtigt hatte. Polnische Medien berichten unter Berufung auf die Spedition von GPS-Daten, die zeigten, dass der Wagen in Berlin am Tattag ab etwa 16 Uhr mehrmals gestartet worden sei.

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