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Zum Tode verurteilte Christin : Der Papst dankt Mariam Ishag

  • -Aktualisiert am

Warmherzig: Der Papst segnet Mariam Ishag Bild: AFP

Die in Sudan zum Tode verurteilte Christin ist nach Italien ausgereist. Empfangen wurde sie von Italiens Regierungsspitze und dem Papst. Franziskus dankte Mariam Ishag für ihr unerschütterliches Glaubenszeugnis.

          Der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi, seine Ehefrau Agnese und Außenministerin Federica Mogherini ließen es sich am Donnerstagmorgen um 9 Uhr 30 Uhr nicht nehmen und bereiteten der Sudanesin Mariam Yahia Ibrahim Ishag auf dem Militärflughafen von Ciampino vor Rom so etwas wie einen kleinen Staatsempfang. Renzi stieg sogar an Bord der italienischen Militärmaschine, um die 27 Jahre alte Mutter mit ihrer Familie zu begrüßen.

          Bis zum vergangenen August hatte kaum jemand etwas von Mariam gehört; da aber wurde die orthodoxe Christin in dem muslimischen Staat wegen Götzenanbetung und Gotteslästerung verhaftet und im Mai dieses Jahres zum Tode verurteilt. Nach internationalem Protest setzte das Berufungsgericht die Christin zwar wieder frei. Weiterhin wurde sie bedroht und suchte in der amerikanischen Botschaft von Khartum Asyl. Vor allem Washington und Amnesty International setzten sich dafür ein, die Christin und ihre Familie aus dem Land zu holen.

          Zudem nutzte die italienische Regierung ihre diplomatischen Kanäle, die nach dem Kurzbesuch Renzis vor einigen Tagen in Afrika noch einmal intensiviert wurden, und so konnte Mariam nach Rom ausreisen. Allerdings erst nach einer Geduldsprobe. Schon vor Tagen sei die Genehmigung zur Ausreise erfolgt, hieß es. Tatsächlich erhielt sie erst am Mittwochabend ihren Pass zum Flug in die Freiheit. Mit Mariam stieg ihr Ehemann Daniel Wani von Bord, ein Christ, der auch einen Pass der Vereinigten Staaten besitzt, wo die Familie letztlich leben will. Martin heißt ihr 18 Monate alter Sohn; die Tochter Maya wurde im Mai im Gefängnis geboren. „Heute ist ein Tag zum Feiern“, sagte Renzi, der innenpolitisch derzeit wenige Erfolge verbuchen kann. „Wir sind froh, dass wir Europa“ sind, sagte Renzi, „ein Kontinent der Freiheit“. Frau Mogherini sprach von „großer Freude“.

          Endlich frei: Mariam Ishag mit ihren Kindern, eines auf dem Arm des stellvertretenden italienischen Außenminister Lapo Pistelli, am Donnerstag in Rom

          Auch Papst Franziskus traf Mariam Isaak. Nach ihrer Ankunft in Rom habe das Kirchenoberhaupt eine halbe Stunde lang mit ihr und ihrer Familie gesprochen, teilte Vatikansprecher Federico Lombardi am Donnerstag mit. Dabei habe er ihr für ihr unerschütterliches Glaubenszeugnis gedankt. Die Atmosphäre des Treffens im vatikanischen Gästehaus Santa Marta, an dem auch ihr im Rollstuhl sitzender Mann Daniel Wani teilnahm, beschrieb Lombardi als „sehr heiter und warmherzig“.

          Ibrahim habe dem Papst für sein Gebet und die Unterstützung der Kirche gedankt. Der Vatikansprecher nannte die Begegnung ein „Zeichen der Solidarität mit denjenigen, die wegen ihres Glaubens leiden“. Dies gehe über den Fall der Sudanesin hinaus.

          Papst Franziskus: „Dank und Freude“

          Papst Franziskus hatte zuvor bereits „Dank und Freude“ über den erfolgreichen Ausgang der Angelegenheit geäußert, sagte der stellvertretende Außenminister Lapo Pistelli. Italien werde sich weiterhin für die Christen in Sudan einsetzen. Das Schicksal Mariams sei ein typisches Beispiel für jene Fälle, in denen sich die EU einmischen und hilfreich tätig werden müsse, hatte Renzi noch vor der Landung getwittert.

          Mariam ist die Tochter einer äthiopischen Christin und eines sudanesischen Muslims, der die Familie aber verließ, als sie sechs Jahre alt war. Von der väterlichen Seite war Mariam seit ihrer Heirat mit dem Christen Daniel bedroht worden, denn die Scharia verbietet die Eheschließung zwischen einer muslimischen Frau und einem Christen. Sie wiederum hatte beteuert, dass sie nie Muslimin gewesen sei. Mariams Familie wird sich nun für einige Tage zur Erholung auf Einladung der Regierung in Rom aufhalten, um dann in die Vereinigten Staaten weiter zu reisen.

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