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TV-Kritik „Anne Will“ : Sage noch einer, über Corona könne man nicht streiten

  • -Aktualisiert am

Die Runde bei Anne Will Bild: NDR/Wolfgang Borrs

Nach der ersten Woche gelockerter Corona-Maßnahmen entbrennt bei Anne Will eine leidenschaftliche Diskussion, in der so mancher Gast keine glückliche Figur abgibt.

          7 Min.

          Der politische Streit ist zurück in Corona-Deutschland. Grund sind jedoch nicht die Ausbreitung des Virus, sondern vielmehr die gelockerten Maßnahmen im Kampf gegen die Infektion: Den einen geht die Öffnung zu weit, die anderen fordern rasch weitere Lockerungen. Anne Will widmet sich an diesem Abend genau dieser Auseinandersetzung und fragt: Sorge vor zweiter Infektionswelle – lockert Deutschland die Corona-Maßnahmen zu forsch?

          Auch im Studio ist jene Konfliktlinie klar zu erkennen: Auf der einen Seite stehen Armin Laschet (CDU-Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen) und Christian Lindner (FDP-Parteivorsitzender), sie fordern rasch weitere Öffnungen. Auf der anderen Seite finden sich Karl Lauterbach (SPD-Politiker und Epidemiologe) sowie Annalena Baerbock (Parteivorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen). Als eine Art „Schiedsrichterin“ soll laut Anne Will die aus München zugeschaltete Christina Berndt fungieren, ihrerseits Wissenschaftsredakteurin der Süddeutschen Zeitung.

          Laschet gegen Lauterbach

          Den Auftakt macht Armin Laschet, schließlich scheint er derzeit um den Titel des Lockerungsmeisters zu buhlen. Keiner wirbt derart vehement für ein zügiges Ende der Corona-Maßnahmen wie der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Zu Beginn der Sendung wirbt er für einen veränderten Fokus: weg von den Intensivstationen, weg von den Corona-Infizierten und Toten, hin zu den Kindern, die nun schon wochenlang zu Hause bleiben müssten, und zu den Menschen, die sich nicht mehr in die Notfallambulanz wagen würden. Da er gleichzeitig von freien Plätzen auf den Intensivstationen höre, müsse man diese Situationen gegeneinander abwägen, fordert Laschet. 

          Karl Lauterbach will in die andere Richtung. Die beschlossenen Lockerungen seien zu weitreichend und kämen ohnehin zu früh, meint der Epidemiologe. Würde man hingegen den anfänglichen Lockdown noch zwei bis drei Wochen aufrechterhalten, könnte Deutschland zum europäischen Südkorea werden. Sprich: Man könnte die Neuinfektionen derart reduzieren, dass die Infektionsketten nachvollziehbar würden. Dann, so Lauterbach, hätte man die Corona-Krise tatsächlich in den Griff bekommen. Hätte, wäre, könnte. Doch der SPD-Politiker findet schnell zurück in die Realität der Lockerungen und knüpft sich dort Laschets Hinweis auf freie Intensivbetten vor: Rund 60 Prozent der beatmeten Covid-19-Patienten würden trotz intensiver Behandlung sterben. Die Idee, Intensivbetten reichten im Kampf gegen Corona aus, greife deshalb zu kurz. Vielmehr könne man das Virus nur besiegen, in dem man Infektionen verhindere.

          Auf die Nachfrage von Anne Will, welche Öffnung zu forsch sei, verweist Lauterbach auf die Schulen, die auf die Lockerungen überhaupt nicht vorbereitet gewesen seien. Armin Laschet widerspricht sofort, aus seiner Sicht sei an den Schulen alles super gelaufen. Doch Lauterbach zufolge könne man dies derzeit noch gar nicht beurteilen, mögliche Corona-Neuinfektionen träten schließlich erst in zwei Wochen zu Tage.

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