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Terror in Nigeria : Die grausame Spur der Boko Haram

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Dieser Mann behauptet, Abubakar Shekau zu sein, der Anführer von Boko Haram; das Video tauchte 2013 im Internet auf Bild: AFP

Die islamistische Terrorgruppe hat sich längst zu einer existentiellen Bedrohung weit über Nigeria hinaus entwickelt. Ihre Anschläge werden immer ausgeklügelter. Polizei und Geheimdienst stehen vor lauter Rätseln.

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          Die Schreckensmeldungen aus Nigeria reißen nicht ab. Während sich die Welt um das Schicksal der vor drei Wochen von der radikal-islamischen Sekte Boko Haram entführten 223 Schulmädchen sorgt und Hilfe bei der Suche nach den Geiseln anbietet, geht das Morden im Norden Nigerias weiter. Wie erst am Mittwoch bekannt wurde, waren am vergangenen Dienstag mindestens 300 Menschen in einer Kleinstadt namens Gamboru Ngala an der Grenze zu Kamerun getötet worden, als eine Kolonne von Bärtigen über die Stadt herfiel. Die Angreifer waren mit erbeuteten Panzerspähwagen angerückt, schossen auf alles, was sich bewegte, und brannten die halbe Stadt nieder. Zwölf Stunden soll der Angriff nach Schilderung des nigerianischen Senators Ahmed Zannah gedauert haben, bevor die Islamisten unbehelligt wieder abzogen. Und wie üblich weiß die nigerianische Armee weder, woher die Kolonne kam, noch wohin sie floh.

          Boko Haram scheint nicht zu fassen. Das ist schon deshalb erstaunlich, weil das angestammte Einflussgebiet der Terroristen, die Bundesstaaten Borno und Yobe, zwar ausgedehnt, aber nicht ausgedehnt genug ist, um sich mit 223 Geiseln sowie gepanzerten Fahrzeugen zu bewegen, ohne von mehr als 20.000 Soldaten bemerkt zu werden.

          Das Chaos, dass die Gruppe seit ihrer Radikalisierung im Jahr 2009 angerichtet hat, ist inzwischen derart groß, dass das amerikanische Außenministerium Boko Haram als eine „Bedrohung amerikanischer Sicherheit und amerikanischer Interessen“ betrachtet und eine Belohnung von sieben Millionen Dollar für die Ergreifung des Führers der Sekte, Abubakar Shekau, ausgelobt hat. Der britische Inlandsgeheimdienst MI5 soll nach Informationen der BBC längst dabei sein, die große nigerianische Gemeinschaft in Großbritannien nach möglichen Anhängern der Sekte zu filzen, um Anschläge auf britischem Boden zu verhindern.

          Nigerianische Soldaten auf Patrouille in der Stadt Baga im Bundesstaat Borno
          Nigerianische Soldaten auf Patrouille in der Stadt Baga im Bundesstaat Borno : Bild: AFP

          Die Gruppe, über die kaum verlässliche Informationen vorliegen, ist inzwischen so gut organisiert, dass es den nigerianischen Nachrichtendiensten bislang anscheinend nicht gelungen ist, sie zu infiltrieren. Schlimmer noch: Es gibt weder belastbare Angaben über die Zahl der Sektenmitglieder noch über ihre Struktur. Fest steht nur, dass die Anhänger der Radikalen nicht nur in Nigeria zu finden sind, sondern auch in den Nachbarländern Kamerun, Niger und vermutlich Tschad. Dabei geht die nigerianische Armee seit mehr als einem Jahr militärisch gegen Stützpunkte der Sekte im Norden vor, ohne dass diese Operation irgendwelche Ergebnisse gezeitigt hätte. Stattdessen haben die Terroristen ihr Einflussgebiet ausgedehnt und unlängst zwei schwere Autobomben in der Hauptstadt Abuja gezündet. Die amerikanische Regierung warnte kurz danach vor einem geplanten Anschlag auf eines der beiden Sheraton-Hotels in der Wirtschaftsmetropole Lagos im Süden des Landes. Boko Haram hat sich längst zu einer existentiellen Bedrohung nicht nur für Nigeria, sondern für die ganze Region entwickelt.

          Die Anfänge der Sekte gehen auf das Jahr 2002 zurück, als der Prediger Mohammed Yusuf in Maiduguri im Bundesstaat Borno Koranschulen gründete. Dahinter steckte die bewusste Abwendung von allen Formen westlichen Einflusses, die im muslimischen Norden als ursächlich für die Misere Nigerias gelten. Der Name „Boko Haram“ ist übrigens eine Erfindung der Bürger von Maiduguri, heißt soviel wie „Westliche Bildung ist Sünde“ auf Haussa und ist der vehementen Ablehnung westlicher Schulsysteme durch Yusuf geschuldet. Yusuf bediente sich damals der Ansicht vieler Muslime, das in Nigeria herrschende System der allumfassenden Korruption sei eine direkte Folge der aus dem Westen importierten Verwaltungsstruktur, und folglich eine Erfindung der Christen.

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