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Rechtsextremer Terror : Was wir über den Täter von Hanau wissen

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Der mutmaßliche Attentäter Tobias R. in seinem Video Bild: Youtube/Screenshot F.A.Z.

Der mutmaßliche Attentäter Tobias R. tötete in Hanau zehn Menschen und sich selbst. Innenminister Seehofer spricht von einer „eindeutig rassistisch motivierten“ Tat. Nachbarn beschreiben Tobias R. als unauffällig. Was bisher über ihn bekannt ist.

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          Was ist passiert?

          Bei einer Gewalttat im hessischen Hanau sind in der Nacht zum Donnerstag insgesamt elf Menschen ums Leben gekommen. Bei aufeinanderfolgenden Angriffen auf eine Shisha-Bar und einen Kiosk mit Café wurden neun Menschen im Alter zwischen 21 und 44 Jahren erschossen, später tötete der mutmaßliche Täter Tobias R. auch seine Mutter und sich selbst. Sechs Menschen wurden verletzt, einer davon schwer.

          Die ersten Schüsse fielen am Mittwochabend gegen 22 Uhr am Heumarkt im Zentrum der Stadt. Tobias R. betrat die Shisha-Bar „Midnight“ und tötete mehrere Menschen. Dann flüchtete er mit einem Auto.

          Im etwa zwei Kilometer westlich gelegenen Viertel Kesselstadt, wo der mutmaßliche Täter auch wohnte, griff er daraufhin den Kiosk „Arena Bar & Café“ an und erschoss im Raucherbereich weitere Menschen.

          Stunden nach dem Verbrechen, gegen 3 Uhr morgens, stürmte die Polizei die Wohnung des Verdächtigen. Sie entdeckte die Leiche des mutmaßlichen Todesschützen in seiner Wohnung. Die Informationen deuten auf einen Suizid hin. In der Wohnung wurde zudem auch die Leiche seiner 72 Jahre alten Mutter gefunden; beide hatten Schussverletzungen. Die Tatwaffe wurde dort gefunden.

          Durch Zeugenaussagen und Aufnahmen von Überwachungskameras kamen die Ermittler dem Mann auf die Spur. Die Polizei stellte auch das Fahrzeug des mutmaßlichen Täters sicher, da sie zunächst eine Bombe darin vermutete. Bisher hat sich dies jedoch nicht bestätigt.

          Bislang gebe es keine Erkenntnisse, dass der mutmaßliche Täter vorher „mit anderen Personen geredet oder um Unterstützung gebeten hat“, sagte Generalbundesanwalt Peter Frank am Freitag in Berlin. Es sei aber noch Gegenstand der Ermittlungen herauszufinden, ob der mutmaßliche Täter sich „in der realen Welt“ oder virtuell über das Internet über seine Pläne ausgetauscht oder Unterstützung bekommen habe, fügte Frank hinzu

          Wer ist der mutmaßliche Täter?

          Nach Informationen der Bundesanwaltschaft handelt es sich bei dem Täter um einen 43 Jahre alten Mann namens Tobias R. Er war Deutscher, lebte in Hanau, und arbeitete in einer Bank. In einem der Dokumente, der er hinterlassen hat und die der F.A.Z. vorliegen, schreibt R., während seiner Ausbildung zum Bankkaufmann habe er „einen Banküberfall am eigenen Leib“ miterlebt. Noch vor kurzem hatte er ein Video auf seiner Webseite veröffentlicht, in dem er verschwörungstheoretische und ausländerfeindliche Inhalte verbreitet. Unter dem Video findet sich ein Link auf eine Homepage, deren Adresse ebenfalls den vollen Namen des mutmaßlichen Täters trägt und unter einer deutschen Domain registriert ist. Wer die Seite – die mittlerweile offline ist – öffnete, sah als Erstes einen Weißkopfseeadler mit stechenden Augen und weit ausgebreiteten Flügeln und scharfen Krallen vor dunkelbraunem Hintergrund  – ein Symbol der Vereinigten Staaten.

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