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Angela Merkel und der FC Bayern : Verbotene Liebe

  • -Aktualisiert am

Der G8-Gipfel der Enttäuschung: Merkel erlebt in Camp David die Final-Niederlage der Bayern gegen Chelsea Bild: REUTERS

Neutralität gut und recht: Angela Merkel fiebert nicht nur an Champions-League-Abenden mit dem FC Bayern. In ihrem engsten Umfeld ist sie umringt von glühenden Anhängern des Klubs.

          Die Menschwerdung Angela Merkels begann für viele Deutsche im Sommer 2006. Deutschland war als Gastgeber der Fußball-WM in schwarz-rot-goldener Hochstimmung und konnte beobachten, wie sich die Kanzlerin als Fußballfan outete. Begeistert klatschte sie in die Hände, sprang gar vom Sitz auf, wenn die deutsche Mannschaft ein Tor schoss. Bis heute sind solche Bilder von Angela Merkel immer wieder zu sehen.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Ihr jüngster Stadionbesuch fand am vergangenen Dienstag statt, als die Truppe von Jogi Löw ihren 4:0-Vorsprung gegen Schweden innerhalb einer halben Stunde so spektakulär verschenkte. Obwohl der „Kontaktmann“ zwischen Kanzlerin und Nationalmannschaft, deren Manager Oliver Bierhoff, nur drei Reihen vor Merkel saß, kam sie - anders als sonst gelegentlich - nicht auf den Gedanken, der Mannschaft ihre Aufwartung zu machen. Die Stimmung war nicht danach.

          Festlegung auf einen Verein schwierig

          Nicht erst Angela Merkel hat die Begeisterung der Deutschen für den Volkssport Fußball genutzt, um ihre Popularität zu mehren. Schon ihre Vorgänger Helmut Kohl und Gerhard Schröder gaben sich als Fußballfans. Der Kanzlerin wurde freilich hin und wieder unterstellt, eigentlich habe sie bis zur Weltmeisterschaft im eigenen Lande nicht viel mit dem Fußball zu tun gehabt und nur aus funktionalen Gründen Interesse bekundet. Sie selbst hält dagegen mit dem Hinweis, sie interessiere sich seit langem für diesen Sport und habe schon als Kind Spiele im Fernsehen angeschaut. Erst bei den Nachbarn und dann im Elternhaus, als es dort einen Apparat gab. Jedenfalls besuchte sie bereits 1974 als Studentin ihr erstes Länderspiel. Die DDR trat damals im Leipziger Zentralstadion gegen England an.

          Wie weit auch immer es mit der Begeisterung für den Fußball her ist, es macht sich für die Präsidialkanzlerin Merkel gut, wenn sie mit dem Volk jubelt und leidet. Schwieriger wird es dagegen bei der Festlegung auf einen Verein. Delikat ist dabei nicht die Ehrenmitgliedschaft Angela Merkels beim ehemaligen Erstligaverein Energie Cottbus, sondern ihre Sympathie für den Rekordmeister der Bundesliga und selbsternannten „Stern des Südens“, den FC Bayern. Kein anderer Verein polarisiert derart wie die Münchner. Wer sich zu ihnen bekennt, stößt entweder auf Gleichgesinnte oder auf tiefe Verachtung. Zwischentöne gibt es in dieser Frage kaum.

          Ausgelassener Jubel auf der Ehrentribüne: Bundeskanzlerin Angela Merkel freut sich über einen deutschen Treffer im Viertelfinale gegen Argentinien bei der Fußball-WM 2010

          Angela Merkel hatte trotz ihrer ostdeutschen Herkunft vom Beginn ihrer Kanzlerschaft an kaum eine Chance, nicht zum Anhänger der Bayern zu werden, die Sache war in gewisser Weise „alternativlos“. Das hat mehrere Gründe. Erstens ist traditionell kein Verein mit so vielen Spielern in der Nationalmannschaft vertreten wie der Münchner. Als Kanzlerin nahm Merkel naturgemäß zunächst die Beziehungen zur Nationalmannschaft auf. Was die Spieler angeht, so entstand vor allem zu Kapitän Philipp Lahm und Mittelfeld-Mann Bastian Schweinsteiger ein engerer Kontakt, soweit man bei einer Kanzlerin und einem Fußballprofi von engerem Kontakt sprechen kann.

          Allerdings besteht solch ein gutes Verhältnis nicht nur mit den Spielern. Zu Jürgen Klinsmann, der die Nationalelf durch den Fußballsommer 2006 führte, entwickelte die Bundeskanzlerin etwas, das sie im Sommer 2008 einmal als „freundschaftlichen Kontakt“ bezeichnete. Und so freute sie sich ausdrücklich und öffentlich darüber, dass Klinsmann wenig später Trainer des FC Bayern wurde.

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