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Hilfsprogramm läuft aus : Ausgerechnet Tsipras

Tsipras will als der Ministerpräsident in die Geschichte eingehen, der Griechenland zurück in die finanzielle Unabhängigkeit geführt hat. Bild: AP

Nach mehr als acht Jahren endet das vorerst letzte Hilfsprogramm für Griechenland. Ministerpräsident Tsipras, der keines seiner Versprechen gehalten hat, soll das Land zurück an die Märkte führen.

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          Abtreibungen, sagt Frau Pantazi, man sehe es an den Abtreibungen. „In unserer Praxis wenden sich die Dinge seit etwa zwei Jahren langsam zum Besseren. Die Frauen behalten ihre Kinder. Vor fünf Jahren kamen viel mehr Patientinnen zu uns, um ihre Schwangerschaft abzubrechen. Sie glaubten nicht an eine Zukunft. Das ist jetzt anders.“ Nancy Pantazi hat sofort zugesagt, als sie um dieses Gespräch gebeten wurde. Es ist nicht das erste Interview mit ihr, das in dieser Zeitung erscheint. Das erste fand im Januar 2015 statt, als an dieser Stelle griechische Bürgerinnen und Bürger darüber Auskunft gaben, warum sie bei der Parlamentswahl am 25. Januar 2015 für Alexis Tsipras stimmen wollten. Für den Mann also, der versprochen hatte, er werde das Schuldenabkommen mit Athens Gläubigern in der Luft zerreißen und die Kontrolleure vom Internationalen Währungsfonds, der Europäischen Union sowie der Zentralbank der Eurozone aus dem Land jagen. Der gesagt hatte, er werde die „Spardiktatur“, die Angela Merkel in Europa errichtet habe, bekämpfen und niederringen. Von dem seine Gegner sagten, eine Stimme für ihn und sein „Bündnis der radikalen Linken“, kurz Syriza genannt, sei eine Stimme für den „Grexit“, also für Griechenlands Ausschluss aus der Eurozone.

          Michael Martens
          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Frau Pantazi hatte damals gesagt, sie werde Syriza wählen, weil nur wahrhaft linke Parteien eine neue Welt erschaffen können, „eine Welt, die nicht aus brutalem Kapitalismus besteht. Mein Land und Europa brauchen einen Neuanfang.“ Tsipras sei der richtige Mann dafür. „Er ist sehr charismatisch. Eine Führungspersönlichkeit. Er hat all die Eigenschaften, um Menschen positiv zu beeinflussen.“ Dreieinhalb Jahre ist das nun her. Seither ist, vorsichtig gesagt, einiges passiert. Tsipras gewann die Wahl 2015 tatsächlich. Danach blickte Europa monatelang gebannt auf Athen. Fassungslos verfolgte man in der Eurozone, wie Tsipras’ Finanzminister Varoufakis schwadronierend durch die Hauptstädte Europas irrlichterte und die wenigen Freunde verprellte, die Athen vielleicht hätte haben können.

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