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Kongo : Es leuchtet der Asphalt

  • -Aktualisiert am

Fernreisen für alle: Zwischen Kinshasa und Kikwit ist ein reger Handel entstanden, seit die asphaltierte Straße fertig ist – und man für den Warentransport nur einen Tag statt eine Woche braucht. Bild: Thomas Scheen

Das Straßennetz Kongos beschränkt sich meist auf üble Pisten. Aber an einigen Orten hält der Fortschritt Einzug: Wie eine befestigte Straße das Leben verändert.

          Félicien Kangala zieht erschöpft an seiner Zigarette. Drei Wochen lang hat er seinen Geländelastwagen mit einer Ladung von 30 Tonnen Weizen über sandige Pisten und glitschige Waldpfade geprügelt, hat tagelang vor Schlammlöchern warten müssen, in denen die Konkurrenz bis über die mannshohen Reifen im Dreck steckte, und sich dabei von dem ernährt, was sich am Wegesrand bot: Maniok-Pflanzen, Buschratten und ab und an ein Stück gegrillter Python.

          Félicien stammt aus Lubumbashi in der Provinz Katanga im Süden Kongos. Seit 35 Jahren befährt er die „Route Nationale 1“, die von Lubumbashi in die kongolesische Metropole Kinshasa führt, und seit 35 Jahren geht das nur mit einem Truck wie seinem: vier Achsen, Antrieb auf acht Rädern und ein bärenstarker Motor, der selbst einem Panzer Beine machen würde. „Mit einem anderen Camion brauchst du es gar nicht zu versuchen“, sagt Félicien und streichelt liebevoll über den ramponierten Stern am Kühler.

          Dabei ist die 2600 Kilometer lange Strecke von Lubumbashi nach Kinshasa Teil des Transafrica-Highways von Algier in Algerien nach Johannesburg in Südafrika. Nur leider so gut wie nicht zu befahren, weil sich das Straßennetz Kongos auf üble Pisten beschränkt, die seit der Unabhängigkeit des Landes von Belgien 1960 weder gewartet noch repariert wurden.

          „Ab Kiwit fängt das angenehme Leben an“

          Jetzt sitzt Félicien am Ufer des Kwilu-Flusses in Kikwit und sieht zu, wie ein paar junge Burschen den Schlamm von seinem Truck waschen. Denn ab Kikwit in der Provinz Bandundu, so sagt er, „fängt das angenehme Leben an“. Hier beginnt die frisch reparierte Straße von Kikwit in die Hauptstadt Kinshasa: 560 Kilometer lang, sauber asphaltiert und nagelneu. Von der Europäischen Union und der Weltbank finanziert und von einem chinesischen Konzern in Rekordzeit gebaut, ist sie das Vorzeigeprojekt des neuen Kongo; ein Teer gewordener Beweis, dass der Fortschritt Einzug gehalten hat im „Herz der Finsternis“.

          Als Joseph Kabila vor fünf Jahren bei der ersten freien Wahl in der Geschichte Kongos zum Präsidenten wurde, waren die Erwartungen der Bevölkerung groß. Alles sollte besser werden. Kabila hatte dem rohstoffreichen, aber bettelarmen Land pflichtschuldig eine Rundumerneuerung versprochen: die nicht existierenden Straßen, die zusammengebrochene Wasserversorgung, die maroden Stromleitungen, die defekten Kraftwerke und die demolierten Schulen, all das sollte bald der Vergangenheit angehören. Viele dieser Versprechungen existieren nach wie vor nur auf dem Papier, weshalb sich Kabila bei der Ende des Monats stattfindenden Wahl gleich zehn Konkurrenten erwehren muss, die ihm unisono vorwerfen, die vergangenen fünf Jahre geschlafen zu haben.

          Wunderbare Einkaufswelt: In Kikwit kann man nun mehr kaufen als früher

          Doch da gibt es Orte wie Kikwit, in denen die neue Zeit tatsächlich begonnen hat. Die Stadt in der Provinz Bandundu ist traditionell ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Hier laufen die Verbindungen aus dem rohstoffreichen Süden und aus Angola im Westen zusammen. Händler aus Thsikapa versorgen die Märkte der Stadt mit Schmuggelware aus Angola, die umgehend nach Kinshasa verkauft wird. Selbst die Diamantenstadt Mbuji-Mayi ist dank der neuen Straße nur noch fünf Tagesreisen von der Metropole Kinshasa entfernt, statt wie zuvor mindestens zwei Wochen. Früher dauerte die Reise von Kikwit nach Kinshasa bis zu einer Woche, heute fährt ein Lastwagen die Strecke in einem Tag. Früher mussten die Reisenden auf Flugzeuge ausweichen, wenn sie in die Hauptstadt wollten. Ein Ticket kostete 250 Dollar. Heute fahren sie mit dem Bus für 15 Dollar, und der Flughafen der Stadt ist verwaist.

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