Kampf um Tiktok und Wechat : Breitseite gegen die chinesischen Dienste

Trump sorgt sich um seine Wiederwahl. Peking ist kein Waisenknabe. Das könnte gefährlich werden.
Tiktok, Wechat, Bytedance, Tencent – wer sich über den Zustand der Beziehungen zwischen Washington und Peking informieren will, muss erst einmal das Fachchinesisch des 21. Jahrhunderts lernen. Die Unternehmen und ihre Produkte aus dem Reich der Mitte, deren Namen dem Englischen entlehnt sind, erobern seit einiger Zeit und mit zunehmendem Erfolg die Welt.
Selbst in Amerika, dem Mutterland der digitalen Revolution, machen sie Facebook, Twitter und Youtube Konkurrenz – und liefern nicht nur den Konzernlenkern in China interessante Einblicke in die Gedankenwelt der Nutzer ihrer Mitteilungs- und Video-Apps.
Trumps Breitseite gegen die im doppelten Sinn chinesischen Dienste kommt also nicht aus dem Nichts. Das Kaliber und die Kadenz seiner Dekrete sind aber nur mit der wachsenden Sorge des Präsidenten zu erklären, am 3. November nicht im Amt bestätigt zu werden.
Weil das Coronavirus sich als immun gegen Trumps übliche Mittel zur Herbeiführung eines „großartigen Deals“ erwiesen hat, sucht er nach anderen Krisen, in denen er sich als starker Präsident präsentieren kann. Was aber macht er, wenn China, das nun die verfolgte Unschuld spielt, sich seinen Ultimaten nicht beugt? Schickt er dann wie in den Opiumkriegen Kanonenboote? Flugzeugträger sind schon in der Gegend. Es könnte gefährlich werden, denn Peking ist kein Waisenknabe. Fast muss man hoffen, dass die Umfragen für Trump nicht noch schlechter ausfallen.






