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Anschlag vor dem Parlament : Acht Festnahmen nach London-Attentat

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Mit einer Trauerminute gedenkt die Polizeiführung in London der Opfer des Terroranschlags. Ein Polizist kam dabei ums Leben. Bild: EPA

Razzien und Festnahmen nach dem Terroranschlag von London: Die Polizei durchsucht mehrere Wohnungen. Scotland Yard geht von einem islamistischen Hintergrund der Tat aus.

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          Nach dem Terroranschlag von London hat die Polizei acht Personen festgenommen. Das teilte Premierministerin Theresa May am Donnerstag mit. Zuvor waren nach Angaben von Scotland Yard insgesamt sechs Wohnungen in London, Birmingham und anderen Orten durchsucht worden. Die Polizei korrigierte am Donnerstag die Zahl der Toten von fünf auf vier. Es handelt sich bei ihnen um einen Polizisten, zwei Passanten und den Täter. Etwa 40 Menschen wurden verletzt. Unter ihnen sind drei Polizisten, drei französische Schüler und fünf Südkoreaner. Eine Frau wurde schwer verletzt aus der Themse gezogen, wie die Londoner Hafenbehörde mitteilte. 29 Menschen wurden am Donnerstag noch in Krankenhäusern behandelt. Sieben von ihnen sind laut Scotland Yard in einem kritischen Zustand. Premierministerin Theresa May kündigte für den Vormittag eine Erklärung vor dem Parlament an.

          Der Attentäter war am Mittwochnachmittag zunächst auf der Westminster-Brücke neben dem Parlament mit einem Auto in Passanten gerast. Dort kam es Augenzeugenberichten zufolge zu Panikszenen. Unweit vom Big Ben krachte der Wagen in einen Zaun vor dem Parlament. Der mit einem Messer bewaffnete Fahrer stieg aus und erstach auf dem Parlamentsgelände einen Polizisten. Dessen Kollegen erschossen den Angreifer. Die Polizei geht davon aus, dass der Anschlag „vom internationalen Terrorismus inspiriert“ worden ist. Hunderte Ermittler seien im Einsatz, die sich auf das Motiv, die Vorbereitung der Tat und mögliche Komplizen des Mannes fokussierten. Auch der britische Verteidigungsminister Michael Fallon geht davon aus, dass der Londoner Anschlag „in Verbindung zum islamistischen Terrorismus“ steht.

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          Londons Bürgermeister Sadiq Khan zeigte sich kämpferisch. „Wir dürfen uns nicht beugen; wir dürfen nicht zulassen, dass die Terroristen Erfolg haben und unseren Lebensstil zerstören oder Gemeinden spalten“, sagte Khan am Donnerstag dem Sender „Sky News“. Zugleich wies er darauf hin, dass die Bedrohungslage in London seit Jahren hoch sei. Sicherheitsbehörden hätten mehr als ein Dutzend Anschlagspläne vereitelt.

          Eine Frau, die zum Zeitpunkt des Anschlags in einem Reisebus saß, sagte dem Sender „Sky News“, sie habe gesehen, wie ein Auto plötzlich außer Kontrolle geraten sei. „Und dann fuhr es in Fußgänger auf der Brücke.“ Menschen seien in alle Richtungen gerannt. Ein Reuters-Fotograf sagte, er habe mindestens ein Dutzend Verletzte auf der Brücke gesehen. Einige bluteten stark, und eine Person lag unter einem Bus.

          London : Augenzeugen berichten von Londoner Terrorangriff

          Auch vor dem Parlament spielten sich chaotische Szenen ab. Ein Journalist der Zeitung „Daily Mail“ sagte dem Lokalradiosender LBC, er habe gesehen, wie der Angreifer auf das Parlamentsgelände zugerannt sei und den Polizisten angegriffen habe. „Der Polizist fiel zu Boden, und das war ziemlich schrecklich anzusehen.“ Dann sei der Angreifer in Richtung des Eingangs zum Unterhaus gerannt, der von den Abgeordneten genutzt werde. „Er kam etwa 20 Meter weit, bevor zwei Typen in Zivil mit Waffen auf ihn schossen.“ Die laufende Parlamentssitzung wurde sofort unterbrochen, die Abgeordneten wurden aufgefordert, das Gebäude nicht zu verlassen. 

          May: Angriff auf Demokratie und Freiheit

          Einige U-Bahnhöfe wurden geschlossen, Touristengruppen saßen in den Stationen fest. Auch im berühmten Riesenrad London Eye steckten Menschen vorübergehend fest – mit Blick auf den Tatort. Die Polizei rief Zeugen dazu auf, ihr Filmaufnahmen und Fotos zu senden. Gleichzeitig bat sie darum, keine Bilder und Videos von Opfern in Umlauf zu bringen.

          Premierministerin Theresa May sprach von einem „kranken und verkommenen Anschlag“ und sagte, der Ort der Tat sei kein Zufall. „Der Terrorist wollte das Herz unserer Hauptstadt treffen, wo Menschen aller Nationalitäten, Religionen und Kulturen zusammenkommen, um die Werte der Freiheit, Demokratie und Meinungsfreiheit zu feiern.“ Jeder Versuch, diese Werte mit Gewalt zu besiegen, sei jedoch zum Scheitern verurteilt. Mays Worten zufolge soll das Parlament am Donnerstag wie gewohnt zusammenkommen. Londons Bürgermeister Sadiq Khan kündigte eine verstärkte Polizeipräsenz auf den Straßen an.

          Bild: F.A.Z. / google earth

          Bundeskanzlerin Angela Merkel telefonierte am späten Abend noch mit der britischen Premierministerin Theresa May und sprach ihr und allen Briten ihre Anteilnahme aus, wie Regierungssprecher Steffen Seibert per Twitter mitteilte. Gleich nach dem Anschlag hatte Merkel erklärt, dass Deutschland im Kampf gegen jede Form von Terrorismus „fest und entschlossen an der Seite Großbritanniens“ stehe. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte: „In diesen Stunden sind wir Deutsche dem britischen Volk in besonderer Weise verbunden.“ Der amerikanische Außenminister Rex Tillerson sprach von einem „schrecklichen Gewaltakt“. Das Präsidialamt der Vereinigten Staaten teilte mit, Präsident Donald Trump habe mit May telefoniert. Der französische Außenminister Jean-Marc Ayrault will nach London reisen, um die Familien der französischen Opfer zu treffen.

          Erinnerungen an Anschläge von Berlin und Nizza

          London ist in der Vergangenheit bereits mehrmals von Anschlägen heimgesucht worden. Der schwerste Angriff der Nachkriegszeit ereignete sich im Juli 2005. Vier radikal-islamische britische Selbstmordattentäter rissen bei Bombenanschlägen auf den öffentlichen Nahverkehr 52 Menschen mit in den Tod. 2013 erstachen zwei britische Islamisten einen Soldaten im Südosten der Stadt. 1979 kam ganz in der Nähe des Tatorts vom Mittwoch ein enger Berater von Margaret Thatcher bei einem Autobombenanschlag ums Leben, den die Irische Nationale Befreiungsarmee (IRA) für sich reklamierte.

          Am 22. März vorigen Jahres hatten radikale Islamisten in der belgischen Hauptstadt Brüssel bei Anschlägen auf dem Flughafen und auf eine U-Bahn-Station 32 Menschen getötet. Der Angriff vom Mittwoch weckte aber auch Erinnerungen an die Anschläge in Berlin und Nizza im vergangenen Jahr, als Attentäter mit Lkws in Mengen rasten und viele Menschen töteten.

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