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Mali-Konflikt Auf sich allein gestellt

Die französischen Truppen in Mali können sich nicht auf die afrikanische Unterstützung verlassen. Es wächst die Sorge, dass der Konflikt eine Nummer zu groß ist.

© AFP Schwer bewaffnet: Islamisten am Samstag bei Gao

Hauptmann Tiebilé Alhousseyni Touré steht vor einer großen Karte Malis und versucht, die Truppenbewegungen der Islamisten zu erklären. Ständig springt sein Zeigefinger auf der Karte um Dutzende Zentimeter, was einigen hundert Kilometern Distanz im Wüstengelände des Nordens von Mali entspricht. „Das ist alles ein bisschen unübersichtlich“, sagt der Hauptmann entschuldigend. „Aber zusammen mit den Franzosen kriegen wir das schon hin“, prophezeit er dann, und dabei hellt sich seine bis dahin kummervolle Miene schlagartig auf.

Thomas Scheen Folgen:

In diesen Tagen in Mali ein böses Wort über Frankreich oder die französische Arme zu hören, ist so gut wie ausgeschlossen. Seit dem militärischen Eingreifen Frankreichs gegen den Vormarsch der Islamisten auf die Stadt Mopti in der vergangenen Woche sind die Malier voll des Lobes über ihre alte Kolonialmacht. Tatsächlich hätte nicht viel am Donnerstag vergangener Woche gefehlt, und die Dschihadisten hätten nicht nur Mopti, sondern auch Bamako angegriffen. „Wir haben uns schon gefragt, ob wir jetzt alle Bärte tragen müssen“, sagt Mahmadou Koné, ein bekannter Fernsehjournalist, und er meint das nur halb im Scherz. „Ehrlich: Ohne die Franzosen wäre das hier jetzt ohne Zweifel ein Land unter der Kontrolle von afrikanischen Taliban“, sagt er.

Doch so fulminant die französische „Opération Serval“ in der vergangenen Woche auch begann, so sehr droht sie jetzt zu einem Kampf an unzähligen Fronten zu werden. Seit Mittwoch sind zudem französische Einheiten in heftige Kämpfe in der Ortschaft Diabali 400 Kilometer nördlich von Bamako verwickelt. Die malische Armee behauptet, dort spiele sich Straßenkampf ab. Zu überprüfen ist das nicht, weil alle ausländischen Journalisten systematisch daran gehindert werden, in die Kampfgebiete zu gelangen. Das geschehe zu ihrer eigenen Sicherheit, heißt es im malischen Verteidigungsministerium, das sich offenbar einer entsprechenden Anweisung der französischen Streitkräfte umgehend gebeugt hat.

Gute Bewaffnung, große Mobilität

Ob die Kämpfe der französischen Soldaten am Boden so von Paris geplant waren, ist jedenfalls fraglich. Es scheint vielmehr so zu sein, dass den Franzosen angesichts der lausigen Leistungen der malischen Armee nichts anderes übrig blieb. Die Streitkräfte des Landes sind nicht einmal in der Lage, eine zuvor befreite Ortschaft zu sichern, geschweige denn selbst Angriffe zu starten. Das war in Konna so, von wo die Islamisten nach französischen Luftschlägen in der vergangenen Woche vertrieben worden waren und wohin sie in dem Moment zurückkehrten, als die malische Armee dort auftauchte. „Es erfüllt mich nicht gerade mit Stolz, aber das stimmt leider“, sagt Hauptmann Touré.

Karte / Truppen / Kämpfe in Mali © F.A.Z. Vergrößern

Die radikalen Islamisten hingegen, unter ihnen Kämpfer der beiden Terrorgruppen „Al Qaida im islamischen Maghreb“ (Aqim) und „Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika“ (Mujao), setzen sowohl ihre gute Bewaffnung als auch ihre Mobilität gekonnt ein. Dafür ist die gegenwärtige Lage im Ort Diabali ein gutes Beispiel. Als die französische Luftwaffen am Wochenende einen Stützpunkt der Dschihadisten in Léré an der mauretanischen Grenze angriff, war der Feind anscheinend schon lange weg. Dafür tauchten nach Informationen dieser Zeitung am Dienstag alleine 150 Fahrzeuge der Islamisten in Diabali auf. Alle waren mit schweren Maschinenwaffen ausgerüstet - bis hin zu umgebauten Flugabwehrgeschützen. In benachbarten Goumbo nebenan waren es 50 Fahrzeuge, in Sokolo wurden ebenfalls große Kolonnen solcher Kampffahrzeuge ausgemacht.

Die Information über die Truppenstärke der Dschihadisten in Diabali war von den Bewohnern selbst gekommen. Inzwischen aber haben die Islamisten alle Telefonverbindungen gekappt und die Bevölkerung in Geiselhaft genommen. Wie malische Offiziere schilderten, hatten sich die Islamisten in Diabali zuerst in einer katholischen Kirche verschanzt, um den Angriffen der französischen Hubschrauber zu entgehen. Als die französischen Truppen anrückten, hatten sie sich in den Häusern der Bewohner verschanzt und benutzen diese seither als lebende Schutzschilde. Dass es unter diesen Bedingungen keine zivilen Opfer gibt, ist eine Illusion. Womöglich wollen die Franzosen auch deshalb gegenwärtig keine unabhängigen Beobachter. „Wir wisse nicht einmal, mit wem wir es da überhaupt zu tun haben“, sagt der malische Hauptmann Touré. Nach seinen Worten sind unter den Dschihadisten neben vielen Tuareg auch Pakistaner, Saudis und Jemeniten ausgemacht worden. Im Grenzgebiet zu Mauretanien sollen die Dschihadisten überdies ein verstecktes Waffendepot der malischen Armee gefunden und geplündert haben.

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