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Missbrauch und Kirche : Spanische Warnung

Papst Benedikt XVI. am 21. August 2011 während eines Gottesdienstes aus Anlass des 26. Weltjugendtages der katholischen Kirche in Madrid. Bild: dpa

Kardinal Woelki wies ihnen die Tür, dafür brachten sie den vormaligen Papst Benedikt zum Sprechen. Jetzt sollen die Münchner Juristen der Kanzlei WSW sogar in Spanien aushelfen.

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          Vor elf Jahren verlangte der damalige Papst Benedikt XVI. von allen Bischofskonferenzen weltweit, sie hätten sich Leitlinien zum Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs zu geben. Was aus dieser Initiative wurde, hat die Öffentlichkeit bisher nicht erfahren. Rechenschaft über den Umgang mit dem Thema Missbrauch abzulegen kommt im Vatikan niemandem in den Sinn. Wieso sollten es dann Bischofskonferenzen tun?

          Reagierten sie doch, so ausnahmslos dann, wenn der medial vermittelte Druck der Öffentlichkeit wie auch der Politik sie zum Handeln zwang. So war es zuletzt in Frankreich und in Portugal, so ist es jetzt auch in Spanien. Dort sind die Widerstände besonders groß, ist doch die Organisation Opus Dei seit den Zeiten der Franco-Diktatur eine feste Größe in Staat und Kirche.

          Das erklärt nicht nur das Zögern der Bischofskonferenz, sondern auch die Blockadehaltung der „bürgerlichen“ Parteien. Nun aber soll eine angesehene spanische Kanzlei an der Nahtstelle von Kirche und Staat ein Missbrauchsgutachten erstellen.

          Mehr noch: Dass diese sich dazu der Expertise der Münchner Kanzlei WSW vergewissert, soll nicht nur als Ausweis der Unabhängigkeit verstanden werden, sondern auch als Warnung.

          Wer es mit dem vormaligen Papst Benedikt und dem Kölner Kardinal Woelki aufgenommen hat, der dürfte auch in Spanien Staub aufwirbeln.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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