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Zehn Jahre „Bologna“ : Schavan verteidigt Studienreform

Absolventenfeier an der privaten Jacobs University in Bremen Bild: dpa

Zehn Jahre nach dem Start des Bologna-Prozesses weist Bundesbildungsministerin Annette Schavan Kritik aus den Reihen der Hochschulrektoren an Bachelor- und Masterstudiengängen zurück. Gleichwohl hat sich die Zahl der Studienbrecher erhöht.

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          Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat Kritik an den Bologna-Studiengängen zurückgewiesen. Die Zahlen sprächen eine andere Sprache, denn es gingen doppelt so viele Studenten ins Ausland, es gebe mehr internationale Kooperation und mehr Praxisbezug.

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) Horst Hippler hatte eine negative Bilanz der Bachelor- und Masterstudiengänge gezogen und sich dagegen gewandt, Studenten immer schneller durch das Studium zu bringen. Auch das Versprechen, leichter ins Ausland zu gehen, sei nicht wirklich erfüllt worden. Nach wie vor müssten Studenten sich ihre Leistungen erst anerkennen lassen, was oft schwierig sei. Hippler sprach sich dennoch dagegen aus, die Bologna-Reform rückgängig zu machen. Man müsse das jetzige Konzept verbessern. Eine Universität müsse mehr leisten als Ausbildung, nämlich Bildung.

          Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) zieht eine positive Bilanz der Bolognareform.
          Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) zieht eine positive Bilanz der Bolognareform. : Bild: dpa

          Es gehe in der Tat nicht nur um Fachwissen, sondern auch um Bildung. „Denn der klassische Satz heißt: Bildung durch Wissenschaft“, sagte Frau Schavan. Deshalb solle über das Gelingen gesprochen werden und „da, wo es nicht gelingt, besser werden.“

          Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) begrüßte die „klaren Worte“ Hipplers. Er rief dazu auf, mit der Kritik der Hochschullehrer und Studenten offen umzugehen. Frau Schavan warf Brodkorb vor, die Situation schönzureden. Die Studiengänge seien zu spezialisiert, was die Mobilität der Studenten einschränke, außerdem seien die zeitlichen Vorgaben für das Studium zu starr. Ein Studium unterschiedlicher Geschwindigkeiten müsse wieder möglich sein. Mecklenburg-Vorpommerns Landeshochschulgesetz gebe den Studenten, die im Ausland waren, ein zusätzliches Semester. Außerdem hätten die Hochschulen im Nordosten die Möglichkeit, Studiengänge als Teilzeitstudiengänge auszuweisen, so dass auch diejenigen studieren könnten, die Kinder hätten oder Angehörige pflegen müssten.

          Mehr Studienabbrecher

          Der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes Kempen äußerte sich zustimmend, aber auch verwundert über die Kritik Hipplers. Schließlich habe die HRK sich maßgeblich an der viel zu schnellen Verwirklichung der Bolognareform beteiligt. Sowohl Hipplers Vorgänger Gaehtgens als auch Frau Wintermantel seien entscheidende Fürsprecher der Bachelor- und Masterstudiengänge gewesen und hätten Fristen für die Reformen gesetzt, sagte Kempen. Nach zehn Jahren endlich die Schwächen der Bologna-Studiengänge zu erkennen, sei den Studentengenerationen gegenüber zynisch, die unter diesen Bedingungen hätten studieren müssen.

          Es sei noch immer ein Problem, dass es in manchen Fächern nicht genügend Masterstudiengänge gebe, auch die Anzahl der Studienabbrecher sei höher als in den bisherigen Studiengängen. In Fächern wie Chemie oder Physik dürfen nach dem Bachelor nur die Besten weitermachen, ein Bachelor in Physik wird jedoch kaum Beschäftigungsmöglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt finden. Die Anzahl der Studienabbrecher lag vor der Reform bei durchschnittlich 23 Prozent, beim Bachelor an Universitäten liegt sie bei 35 Prozent. Besonders betroffen sind die Mangelfächer wie Ingenieurwiesen oder Informatik.

          Nordrhein-Westfalens Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) wies die Kritik am Bachelor-Abschluss zurück. Der Bachelor sei ein vollwertiger Hochschulabschluss, die Akzeptanz in den Unternehmen sei groß, sonst läge die Arbeitslosigkeit bei Bachelor-Absolventen nicht bei weniger als drei Prozent.

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