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Fernsehduell in Frankreich : „Sie haben gegenüber Deutschland nicht standgehalten!“

Harter Schlagabtausch: Hollande und Sarkozy Bild: REUTERS

Beim einzigen direkten Schlagabtausch vor der französischen Stichwahl um das Präsidentenamt haben sich Herausforderer François Hollande und Nicolas Sarkozy nichts geschenkt. Das Verhältnis zu Deutschland in der Euro-Krise wird zum Streitfall.

          4 Min.

          Sie haben sich nichts geschenkt, Nicolas Sarkozy und Francois Hollande, bei ihrem ersten und einzigen Fernsehduell vor der Stichwahl am Sonntag. „Grob“, „spannungsgeladen“, „gnadenlos“ und „rüde“ waren die Vokabeln, mit der die Presse am Donnerstag das Wortgefecht der beiden Endfünfziger beschrieben, die wie ziemlich beste Feinde verbal übereinander herfielen. Niemand wird Hollande, dem Sozialisten und Umfragefavoriten, nach diesem Schlagabtausch noch übermäßige Jovialität, gar Bonhomie unterstellen wollen.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Im Ton war er genauso giftig wie Nicolas Sarkozy, der verbissen um seinen Platz im Elysée-Palast kämpft. Am Studiotisch saß neben den beiden Kontrahenten, die über die Zukunft Frankreichs stritten, noch ein heimlicher Gast: Deutschland. „Sie haben gegenüber Deutschland nicht standgehalten!“, hielt Hollande Sarkozy vor, den er im perfiden Wortspiel den „ausgehenden Präsidenten“ („le Président sortant“) nennt

          „Nichts bekommen?“

          „Sie haben nichts bekommen!“, sagte Hollande und meinte „von Deutschland“. Er, versprach der Sozialist, werde es besser machen. Dann führte er aus, was er sich „von Deutschland“ erwartet: Eurobonds und eine Europäische Zentralbank, deren Kredite nicht nur an Banken, sondern direkt an die europäischen Staaten fließen sowie „einen echten Konjunkturplan“.

          Der europäische Fiskalpakt müsse neu verhandelt und zu einem Wachstumspakt werden. Hollande offenbarte, dass seine Wachstumsinitiativen allesamt auf Kredit finanziert werden sollen, nicht aber auf Strukturreformen beruhen, die den Bürgern einiges abverlangen. „Finden Sie wirklich, dass wir in Europa nicht schon genug Schulden haben?“, fragte Sarkozy. „Wer wird denn für Eurobonds bürgen, wenn nicht die beiden großen Mitgliedsstaaten Frankreich und Deutschland?“, so der Präsident. „Ich halte es für unverantwortlich, noch mehr Schulden zu machen“, sagte Sarkozy.

          Der französische Präsident Nicolas Sarkozy: „Le Président sortant“? Bilderstrecke
          Hollande und Sarkozy im TV : Hollande und Sarkozy im TV

          Auch den Vorwurf, die Zusammenarbeit mit Bundeskanzlerin Merkel habe nicht gefruchtet, ließ der Präsident nicht auf sich sitzen. „Sie wagen es, mir vorzuwerfen, ich hätte nichts von Deutschland bekommen?“, konterte Sarkozy. „Und was ist mit der europäischen Wirtschaftsregierung?“, fragte der Präsident. „Was ist mit der Europäischen Zentralbank?“, fragte er und erwähnte die in Anwesenheit des italienischen Ministerpräsidenten Monti in Straßburg getroffene Vereinbarung, die EZB als Krisenhelfer einzusetzen.

          Hollandes Äußerungen seien falsch und zeugten „von einer großen Inkompetenz“. „Es reicht nicht, im feinen Anzug bei einem Europäischen Gipfel zu erscheinen!“, sagte Sarkozy. Auf Deutschlands bessere Bilanz nach den Krisenjahren verwies Hollande, um Sarkozy schlechte Ergebnisse im Außenhandel, bei Beschäftigung und Staatsverschuldung vorzuhalten. „Unsere Arbeitslosigkeit ist gestiegen, unsere Wettbewerbsfähigkeit ist gesunken und Deutschland hat es besser gemacht als wir“, sagte Hollande. Der Präsident ließ sich nicht lange piesacken und fragte zurück, ob Hollande denn jetzt auch dem deutschen Modell folgen und sich an den erfolgreichen Reformen inspirieren wolle. „Antworten Sie mir!“, verlangte Sarkozy. „Deutschland hat das Gegenteil von der Politik gemacht, die Sie den Franzosen vorschlagen“, sagte Sarkozy.

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