https://www.faz.net/-gpf-995z9

Bombardement in Syrien : „Mission Accomplished“ – Welche Mission eigentlich?

  • -Aktualisiert am

Amerikanisches Ziel: Das Him Shinshar Lager für chemische Waffen in Syrien nach dem Raketenangriff Bild: AP

Donald Trump zeigt sich zufrieden mit den Ergebnisses des amerikanischen Raketenbeschusses in Syrien. Seine Kritiker fragen jedoch, ob er überhaupt eine Strategie hat.

          „Mission accomplished,“ twitterte Präsident Donald Trump am Samstag und meinte den Militärschlag der Amerikaner in Syrien am Vorabend. Laut seiner Regierung seien die Bombardements in Damaskus und nahe Homs erfolgreich gewesen: Die Fähigkeit des syrischen Präsidenten Baschar al Assad, Giftgas einzusetzen, sei empfindlich beschädigt worden. Experten bezweifeln allerdings, dass der Schaden nachhaltig ist – zu leicht sei es, Chemiewaffen herzustellen und zu transportieren. Auch, wenn Verteidigungsminister James Mattis von einem einmaligen Schlag sprach, ließen Trump und seine Regierung die Möglichkeit weiterer Bombardements offen. Den „tough talk“ übernahm am Sonntag UN-Botschafterin Nikki Haley, indem sie bei Fox News mit weiteren Aktionen drohte, sollte Assad wieder Giftgas einsetzen: „Wenn Assad es nicht versteht, wird es weh tun. Wenn er so weitermacht, wird es mehr geben, und es wird schmerzhaft sein.“ Haley kündigte auch neue Sanktionen gegen russische Unternehmen an, die an der Chemiewaffenproduktion beteiligt sein sollen.

          „Mission erfüllt“ – viele Politiker haben diesen Satz in den vergangenen Jahren lieber gemieden. Die Amerikaner erinnern sich daran, dass George W. Bush unter einem riesigen „Mission accomplished“-Transparent stand, als er am 1. Mai 2003 auf einem Flugzeugträger eine Rede hielt, voreilig die Erfolge des Irak-Krieges pries und die wesentlichen Kampfhandlungen für beendet erklärte. Als das Land nicht zur Ruhe kam, wurde der Spruch schnell zum Symbol des Scheiterns. Und genau, wie Kritiker Bush damals vorwarfen, keinen Plan für den Irak zu haben, bezweifeln Trumps Gegner heute, dass er eine Strategie für Syrien hat. Was also soll die Mission sein? Stand bislang der Kampf gegen den „Islamischen Staat“ im Vordergrund, machte Trump in seiner Ansprache zu dem Luftschlag am vergangenen Freitag deutlich, dass er die Bestrafung Assads und die Befriedung des Landes im weitesten Sinne als amerikanische Aufgabe betrachtet. Gleichzeitig sprach er aber auch von den Grenzen der Handlungsfähigkeit und Zuständigkeit.

          Nach Ansicht vieler amerikanischer Kommentatoren hat Trump in der Sache richtig gehandelt. „Die Luftschläge waren das Minimum dessen, was die Vereinigten Staaten tun konnten, um den syrischen Diktator Baschar al Assad für den Einsatz von Chemiewaffen zu bestrafen“, schrieb etwa der konservative Trump-Kritiker Max Boot in der „Washington Post“. Es sei jedoch unwahrscheinlich, dass die Aktion Assad von weiteren Grausamkeiten abhalten werde – eine Einschätzung, die die meisten Experten teilen. Trumps Spruch „Mission accomplished“ sei „ignorant gegenüber Geschichte und Ironie“, befand der Republikaner Boot. Trump twitterte, der Satz sei doch ein guter militärischer Ausdruck – er solle wieder öfter zu hören sein.

          Medien spekulierten am Wochenende darüber, ob der neue Sicherheitsberater John Bolton einen umfassenderen Schlag befürwortet und Trump dann den vorsichtigeren Ansatz von Verteidigungsminister James Mattis favorisiert habe. Trumps Situation in Bezug auf Syrien ist nicht weniger kompliziert als die seines Vorgängers Barack Obama. Und Trump will zwar international Stärke zeigen und nach innen den entschlossenen Oberbefehlshaber geben – doch er hat auch immer wieder die Überzeugung geäußert, dass das militärische Engagement der Amerikaner im Mittleren Osten außer zu unnötigem Blutvergießen nirgendwohin geführt habe.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Finanzminister Scholz will den Soli zurückschrauben. Aber nicht für Sparer.

          Trotz Reform : Viele Sparer müssen weiter Soli zahlen

          Für die meisten Bundesbürger soll der Solidaritätszuschlag ab 2021 entfallen, sagt Finanzminister Scholz. Was er verschweigt: Für den Großteil der Sparer und Anleger gilt das nicht – und das sind nicht nur Großverdiener.
          Der Zusammenschluss von Car 2 Go und Drive Now ist ganz offensichtlich ein Eingeständnis des Scheiterns.

          Auch Mazda steigt aus : Carsharing fährt gegen die Wand

          Es soll eine Lösung für urbane Mobilität sein: Doch Carsharing rechnet sich nicht. Und nicht nur das: Die Autos kämen oft auch verdreckt oder beschädigt zurück, klagen die Anbieter. Jetzt gibt auch Mazda auf.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.