Ergebnis der Bundestagswahl : Warum die AfD im Südosten so stark ist

Die AfD wird in Sachsen und Thüringen stärkste Kraft, obwohl sie Stimmen verliert. Das liegt vor allem am dramatischen Einbruch der CDU – und vieles deutet darauf hin, dass das kein vorübergehendes Phänomen sein wird.
Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, wie sehr jede Stimme zählt, dürfte ihn am Sonntagabend Lars Rohwer erbracht haben. Der CDU-Direktkandidat im Wahlkreis 160, der einen Teil der Stadt Dresden sowie die Hälfte des Landkreises Bautzen umfasst, gewann um Mitternacht mit einem hauchdünnen Vorsprung von 39 Stimmen das Mandat vor dem AfD-Bewerber Andreas Harlaß. Letzterer hatte zunächst klar in Führung gelegen, da die ländlichen Gemeinden schnell ausgezählt waren, doch als die Wahlbüros der Landeshauptstadt nach und nach ihre Ergebnisse meldeten, schob sich Rohwer Stimme um Stimme nach vorn. Und dennoch ist das Gesamtergebnis dieser Bundestagswahl ein äußerst bitteres für die Union im Freistaat: Nur vier der 16 Wahlkreise konnte sie am Sonntag gewinnen, so wenige wie noch nie seit 1990. Die SPD holte ein Direktmandat in Chemnitz, die Linke eines in Leipzig, der Rest des Landes jedoch färbte sich von Beginn der Auszählung an hellblau und blieb es bis zum Schluss. Die AfD hat in Sachsen mit 24,6 Prozent zum zweiten Mal nach 2017 (27 Prozent) bei einer Bundestagswahl die meisten Stimmen geholt.


