Impfen : Leserbriefe vom 6. September 2021

Inklusion +++ Impfmuffel +++ Krankenmord +++ Europäischer Gerichtshof +++ Genderdebatte +++ Salzburger Festspiele
Mehr Lehrkräfte in kleineren Klassen
Mit großem Interesse habe ich in Ihrer Ausgabe vom 19. August den Beitrag von Bernd Ahrbeck über das Thema „Der dornenreiche Weg der Inklusion“ gelesen. Darin berichtet er über Ergebnisse einer Langzeituntersuchung, die das Senatsamt des Landes Berlin in Auftrag gegeben hat. Die von ihm dargestellten Ergebnisse verwundern Praktiker kaum: Wer lange Zeit in und für Schule tätig war, benötigt im Grunde keine wissenschaftliche Erhebung, um nach hohem idealistischen Engagement aller Beteiligten zu einem Schluss zu kommen, den Bernd Ahrbeck so zusammenfasst: „Die große Mehrheit der beteiligten Lehrkräfte würde den inklusiven Weg nicht noch einmal freiwillig beschreiten. Lediglich zwei von 28 Schulen wären unter den gegebenen Bedingungen dazu bereit.“
Der Weg der Inklusion wäre weniger dornenreich, wenn sich Schulminister und -senatoren der Länder und Stadtstaaten dazu entschließen könnten, die UN-Behindertenkonvention nicht länger halbherzig, sondern vollständig zu erfüllen. Dazu gehört auch im Anschluss an Art. 24 2 e), dass „in Übereinstimmung mit dem Ziel der vollständigen Integration wirksame individuell angepasste Unterstützungsmaßnahmen in einem Umfeld, das die bestmögliche schulische und soziale Entwicklung gestattet, angeboten werden.“ Dazu sollten meines Erachtens gezählt werden:
Die Festeinstellung eines Schulpsychologen mit förderpädagogischen Kenntnissen; und für jede/n Schüler/in mit sonderpädagogischem Förderbedarf eine fachlich vorgebildete Lehrkraft oder eine bewährte pädagogische Fachkraft.
Die schulscharfe Ausschreibung aller Planstellen an zu zertifizierenden Schwerpunktschulen. Bei der Einstellung neuer Lehrkräfte sollten jene bevorzugt werden, die im Rahmen ihrer Lehrerausbildung theoretische und erste praktische Managementkenntnisse im Bereich der Prozessentwicklungs- und Steuerungskompetenz erworben haben.
Jede Schwerpunktschule erhält zusätzliche Anrechnungsstunden für jede Lehrkraft mit mindestens einer Schülerin/ einem Schüler in der Klasse mit besonderem Förderbedarf – und zwar noch einmal so viele Jahreswochenstunden, wie die Lehrkraft in der Klasse unterrichtet. Der Klassenleiterin oder dem Klassenleiter werden wegen ihrer/seiner Schlüsselfunktion als Leiter/in der für alle zu koordinierenden Inklusionsmaßnahmen so wichtigen Klassenkonferenz acht Anrechnungsstunden pro Woche zugewiesen. Die Klassenmesszahl wird in Schwerpunktklassen auf 20 plus 10 Prozent gesenkt.
Erst wenn wir diesen Weg der ernstzunehmenden und wirksamen „individuell angepassten Unterstützungsmaßnahmen“, den die Behindertenkonvention vorschreibt, auch wirklich zu gehen bereit sind, wird Inklusion die ihr gebührende Anerkennung und Zustimmung aller Beteiligten in der Schule und in der Gesellschaft finden. Sonst geben wir indirekt jenen recht, die in der inklusiven Pädagogik nur einen Tummelplatz für Ideologen vermuten. Ein solcher Vorwurf wird weder den an ihr engagiert teilnehmenden Lehrkräften noch den Schülerinnen und Schülern von inklusiven Klassen gerecht. Sollten die zu Recht von der UN geforderten Unterstützungsmaßnahmen endlich in Angriff genommen werden, dann dürften auch mehr Lehrerinnen und Lehrer als bisher den noch „dornenreichen Weg“ bereitwilliger gehen. Wir dürfen gespannt sein, ob die Landesregierungen und Stadtstaaten sie dabei unterstützen. Hubert Luszczynski, Eitelborn





