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Missbrauch in der Kirche : Selbstkontrolle im Weinberg des Herrn

Vergangene Zeiten: Bei der Audienz von Kardinal Di Nardo (zweiter v. l.) beim Papst schien die Welt noch in Ordnung. Bild: AFP

Für sexuellen Missbrauch gilt: Bischöfe befinden über Bischöfe. Das wollte die katholische Kirche in Amerika ändern. Doch sie scheiterte am Papst.

          7 Min.

          Am 13. November trat James Grein erstmals an die Öffentlichkeit, mit vollem Namen und unverhülltem Gesicht. Am Rande der zweitägigen Herbstvollversammlung der katholischen Bischöfe der Vereinigten Staaten in Baltimore hielt Grein eine Rede, stockend und immer wieder mit den Tränen kämpfend. Veranstalter der Demonstration, auf der Grein sprach, war die Koalition „Silence Stops Now“ (Die Stille endet jetzt), ein Zusammenschluss von Laienorganisationen, die den Umgang der amerikanischen Bischöfe mit dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche kritisieren.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Grein hatte sich im Juli der „New York Times“ gegenüber offenbart, seinerzeit aber nur unter Nennung seines Vornamens James. Grein, Spross einer katholischen Arbeiterfamilie mit sieben Kindern aus dem Bundesstaat New Jersey, war nach eigenen Angaben elf Jahre alt, als er erstmals vom damals 39 Jahre alten Priester Theodore McCarrick missbraucht wurde. McCarrick, ein enger Freund der Familie Grein, war seinerzeit schon eine Art Jungstar in der katholischen Kirche: leutselig und einnehmend, „in touch“ mit seiner Herde.

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