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Die Grünen und der Klimaschutz : „Nicht in Selbstmitleid zerfließen“

Annalena Baerbock und Jennifer Morgan am 20. November auf dem Klimagipfel Bild: dpa

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Johannes Wagner sagt, dass die Ergebnisse der Klimakonferenz niemanden zufriedenstellen könnten. Jetzt gelte es, in Deutschland erst recht Klimaschutz umzusetzen.

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          Die Grünen sitzen in der Regierung und Annalena Baerbock war bei der UN-Klimakonferenz COP 27, trotzdem sind die Ergebnisse ernüchternd. Was bedeutet das für die Grünen?

          Sara Wagener
          Volontärin

          Annalena Baerbock und Jennifer Morgan (Staatssekretärin im Auswärtigen Amt, Anm. d. Red.) brauchen sich keinen Vorwurf zu machen, sie haben verhandelt was möglich war. Die Abfederung von Klimawandelfolgen durch einen Fonds kann man als Erfolg verbuchen, der auch auf Baerbock und Morgan zurückzuführen ist. Ohne sie wäre der Fonds so nicht gekommen, er war ein großes Ziel, das lange vorbereitet worden ist. Nach Katastrophen leistet er Soforthilfe, wenn Menschen zum Beispiel keinen Zugang zu Wasser und Nahrung haben und sich Krankheiten ausbreiten.

          Trotzdem gibt es beim Klimaschutz quasi keinen Fortschritt.

          Beim Klimaschutz ist die COP gescheitert, die Ergebnisse können weder die Grünen noch sonst einen Menschen zufriedenstellen. Aber eine grüne Beteiligung an der Bundesregierung stellt die Welt noch nicht vom Kopf auf die Füße, so realistisch müssen wir sein. Es gilt jetzt, nicht in Selbstmitleid zu zerfließen, sondern in Deutschland erst recht Klimaschutz umzusetzen.

          Was müssen die Grünen jetzt in Deutschland machen?

          Wir müssen den Klimaschutz hier ernst nehmen. In Deutschland fällt das Vorantreiben von Maßnahmen wohl leider hauptsächlich den Grünen zu, obwohl eigentlich alle Parteien das ernst nehmen müssten. Wir müssen aber feststellen, dass FDP und SPD den Klimaschutz nicht so sehr verfolgen wie wir. Konkret müssen wir dafür sorgen, dass die deutschen Klimaschutzziele erreicht werden, sonst machen wir uns unglaubwürdig.

          Und das unter einem grünen Wirtschaftsminister, der LNG-Terminals baut und Gas einkauft?

          Das muss man im Kontext der aktuellen Krise sehen, denn wir waren und sind immer noch abhängig von fossilen Energien. Die Grünen stehen für eine verantwortungsvolle Wirtschaftspolitik. Wir wollen eine möglichst schnelle Transformation zu nachhaltigen Energien, aber es braucht eben Zeit. Mit einer Wirtschaftskrise wäre dem Klimaschutz auch nicht geholfen. Und die neuen LNG-Terminals müssen natürlich auch für grünen Wasserstoff umgebaut werden.

          Müssen die Grünen mit Blick auf die Ergebnisse der COP etwas an ihrer Arbeitsweise ändern?

          Solange Deutschland seine Klimaschutzziele nicht einhält, können auch wir Grüne noch nicht zufrieden sein. Wir sind ständig mit uns am Ringen, wie man pragmatische Schritte mitträgt, als Regierungspartei schwierige Dinge umsetzt und gleichzeitig Klimaschutzziele einhält. Ich glaube, wir sind da aber auf einem guten Weg, den Druck innerhalb der Regierung hochzuhalten und das Thema in allen Feldern zu priorisieren.

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