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Demonstrationen für Guaidó : „Es gibt kein Zurück mehr“

Etwa 300.000 Venezuelaner haben in Spanien Zuflucht gefunden – viele von ihnen waren an diesem Wochenende auf der Straße. Bild: Gabriel Bouys/AFP

In Spanien gingen Tausende auf die Straßen, um für die Anerkennung des venezuelanischen Übergangspräsidenten Juan Guaidó zu demonstrieren. Sie sind hoffnungsvoll: Das Leid der Bevölkerung wird enden.

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          Einige hüllen sich in ihre großen venezolanischen Fahnen, um sich vor der Kälte zu schützen. Auf dem Platz an der Madrider Puerta del Sol dominiert am Samstag trotzdem die Zuversicht. Viele Demonstranten erwecken den Eindruck, als hätten für sie die letzten Stunde des Regimes von Präsident Nicólas Maduro begonnen. „Es gibt kein Zurück mehr, seit Donald Trump unseren Präsidenten Juan Guaidó anerkannt hat“, sagt ein junger Venezolaner, der vor einem halben Jahr aus Caracas nach Madrid geflohen ist.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          „Guaidó ist anders. Dieses Mal klappt es“, meinen seine Freunde. Die meisten der mehr als 300.000 Venezolaner, die in Spanien Zuflucht fanden, verfolgen gebannt, was in ihrer Heimat geschieht. In Madrid, Barcelona und auf Teneriffa bekunden am Wochenende Tausende von ihnen ihre Solidarität mit dem jungen Oppositionsführer – und ihre Dankbarkeit gegenüber der Europäischen Union.

          Mit dem jüngsten Beschluss des Europaparlaments haben in ihren Augen 500 Millionen Europäer Guaidó anerkannt. Mit Lob überschütten die Redner in Madrid die deutsche und die spanische Regierung, die an diesem Montag Trumps Beispiel folgen wollen.

          Demonstranten fordern Anerkennung Guaidós

          „Wir werden schon bald zurückkehren. Guaidó wird ein Bombardement beginnen, aber mit Brot und Milch“, kündigt Antonio Ledezma an, der letzte frei gewählte Bürgermeister von Caracas; seit mehr als einem Jahr lebt er in Spanien im Exil. Ledezma meint damit die Hilfslieferungen für die Bevölkerung, die bald aus den Vereinigten Staaten und Kolumbien in Venezuela eintreffen sollen. „Die Diktatur stürzt“, verspricht er, während die Menge immer wieder Slogans wie „Saubere Wahlen jetzt“ und „Wir wollen Freiheit“ ruft.

          Überraschend tritt in Madrid auch der Vorsitzende der spanischen Ciudadanos-Partei Albert Rivera ans Rednerpult: Guaidó sei der einzige „legitime Präsident“ Venezuelas, sagt Rivera. Spanien dürfe bei der Verteidigung der Demokratie nicht zurückstehen, verlangte der Oppositionspolitiker von Ministerpräsident Pedro Sánchez.

          Auch die konservative Volkspartei (PP) kritisiert, dass Sánchez mit der Anerkennung Guaidós so lange zögere. Hunderte Demonstranten fordern: „Sánchez escucha, unete a la lucha“ („Sánchez hör’ zu und schließ’ Dich dem Kampf an“). Der spanische Ministerpräsident ruft seine Kritiker dazu auf, Verantwortung zu zeigen und der Regierung nicht in den Rücken zu fallen.

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