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Kampf gegen IS in Libyen : Dämonen des Terrors

International anerkannt, aber dennoch einsame Kämpfer: Angehörige der Truppen der libyschen „Übereinkunftsregierung“ an der Front in Sirte Bild: Reuters

Während der Terror des „Islamischen Staats“ offenbar Deutschland erreicht hat, geht der Kampf gegen die Terrormiliz in Libyen weiter. Ein Frontbesuch in Sirte, wo Milizen aus Misrata gegen Dschihadisten kämpfen.

          10 Min.

          Es ist nicht die Zeit für viele Worte. Der Sturm beginnt. Eine kurze Umarmung, dann trennen sich Vater und Sohn. „Los, los, los!“, brüllt jemand. Kämpfer, die vor den umliegenden Häusern im Schatten warten, springen auf, greifen ihre Sturmgewehre, rennen los. Eine Gruppe späht hinter einer Mauer die Stellungen der feindlichen Scharfschützen aus.

          Christoph Ehrhardt
          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Die Kämpfer schauen mit dem Fernglas durch das größte der zahlreichen Einschusslöcher. Wenig später ertönt das kurze, dumpfe, hohle Wummern vom Abschuss der Mörsergranaten. Der Sohn klettert auf die Ladefläche eines mit klebrigem Staub überzogenen Pritschenwagens und setzt sich an das Flugabwehrgeschütz. Er ist einer von wenigen, die einen Helm tragen. Zum Abschied winkt er fröhlich. Was er ruft, ist nicht mehr zu verstehen.

          Es ist ein so ungestümer wie todesmutiger Haufen, der sich dem „Islamischen Staat“ (IS) in Sirte entgegenwirft. Junge Männer, die Tarnhosen mit Turnschuhen und bunten T-Shirts kombinieren, die in Gefährten an die Front rasen, die einem Wüsten-Endzeit-Film entsprungen sein könnten. Die Brigaden haben sich in eine Gegend vorgekämpft, die nur „700“ genannt wird.

          Etwa zweitausend Meter entfernt liegt das Ouagadougou-Konferenzzentrum, in dem sich die Dschihadisten verschanzt haben. An diesem Tag setzen ihre Heckenschützen den Brigaden übel zu, mehrere Selbstmordattentäter steuern mit Sprengstoff vollgepackte Autos in die gegnerischen Reihen.

          „Ihr seid zu spät“

          Im Feldlazarett ein paar Kilometer von der Front entfernt herrscht hektischer Betrieb. Ein Pritschenwagen nach dem anderen bringt die Verwundeten heran. Bevor sie wieder losfahren, wäscht ein Helfer in blauem Overall das Blut mit einem Gartenschlauch von der Pritsche.

          „Ihr seid zu spät“, hatte Oberst Ghasri noch zur Begrüßung gesagt. „Der IS ist besiegt.“ Einen Tag später verabschiedet er seinen Sohn in eine neue Schlacht. Ein anderer Sohn sitzt am Steuer des Geländewagens, mit dem der Oberst unterwegs ist. Familientreffen im Kampfgebiet.

          An der Front hat Ghasri schon von den hohen Verlusten erfahren. Vielleicht sei es ja doch so, sagt er danach, dass eher tausend oder mehr IS-Kämpfer in Sirte seien als nur ein paar hundert. Am Nachmittag lädt er seine Gäste dann aber schon wieder zur Siegesfeier am Abend ein. Doch es wird sie auch an diesem Tag nicht geben.

          Beharrliche Botschaft

          Oberst Ghasri ist der Sprecher der Operation Sirte, die von verschiedenen Milizen unter einem Banner geführt wird: Einer Kommandozentrale der neuen Regierung der Nationalen Übereinkunft, die unter Vermittlung der Vereinten Nationen aufgestellt worden ist. „Bunyan al Marsus“ nennt sich diese Operationszentrale, was sich mit „feste Mauer“ übersetzen lässt.

          Es ist eine Vokabel, die sich auch in einem Koranvers wiederfindet – er preist jene, die im Dienste Gottes in einer festgefügten Schlachtordnung kämpfen. Es ist eine klare Botschaft, die Militärs und Politiker beharrlich betonen: In Sirte kämpft die Armee einer Regierung siegesgewiss gegen den Terrorismus. Doch diese Botschaft hält der Realität nicht stand.

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