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Suche nach Anis Amri : Die Großfahndung und ihre Herausforderungen

  • -Aktualisiert am

Großfahndung nach Anis Amri: Polizeieinheiten vor einem Haus in Dortmund Bild: dpa

Bei der Großfahndung nach dem Terrorverdächtigen Anis Amri hat die Bundesanwaltschaft eine der höchsten Belohnungen der Bundesrepublik ausgesetzt. Doch treffen die Ermittler auf Probleme, den Untergetauchten ausfindig zu machen.

          Die Arbeit der deutschen Sicherheitsbehörden nach dem Anschlag in Berlin läuft auf Hochtouren. Die Bundesanwaltschaft hat eine öffentliche, europaweite Fahndung nach Anis Amri, dem Tatverdächtigen des Terroranschlags in Berlin, ausgerufen und den ungewöhnlich hohen Betrag von 100.000 Euro Belohnung für Hinweise zu seiner Person ausgesetzt. Die Ermittler stehen vor einigen Herausforderungen.  

          Einen ersten Tatverdächtigen hatte die Polizei am Dienstagabend als unschuldig wieder freilassen müssen. Noch am Dienstagabend hatte der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) André Schulz bei „Maybritt Illner Spezial“ im ZDF gesagt: „Ich bin relativ zuversichtlich, dass wir vielleicht schon morgen oder in naher Zukunft einen neuen Tatverdächtigen präsentieren können.“

          Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei Oliver Malchow sagte FAZ.NET, betont optimistische Aussagen wie diese seien „voreilig“, zumal sie die Beamten unnötig unter Druck setzten. Zwar habe man mittlerweile einen Tatverdächtigen. Die große Schwierigkeit bei untergetauchten Personen sei aber, dass die Polizei Hinweise über die Bewegungen des Tatverdächtigen benötige. „Wenn sich jemand in einem Keller einsperrt, kann es auch sein, dass die Ermittler lange keine neuen Spuren von ihm finden“, sagte Malchow.

          Der stellvertretende Vorsitzende des BDK Sebastian Fiedler wies auf mögliche Unterstützer des Tatverdächtigen hin. So könnte Anis Amri Kontaktleute haben, „die sich dem deutschen Staat nicht solidarisch verpflichtet fühlen“ und ihm Unterschlupf bieten könnten oder sonst helfen würden, unterzutauchen. Auch sei der Flüchtige hoch mobil und habe in der Vergangenheit bewiesen, dass er wisse, wie man gekonnt von der Bildfläche verschwinde.

          Herrmann: Gesichtserkennungssysteme könnten helfen

          In der Politik gibt es Stimmen, die den Ausbau der Fahndungsinstrumente in bestimmten Bereichen fordern. Die CSU dringt insbesondere auf die Einführung von Gesichtserkennungssystemen an öffentlichen Plätzen, die Ortswechsel von Tatverdächtigen aufzeichnen könnten. „Natürlich sind Gesichtserkennungssysteme keine Allheilmittel. Aber sie könnten der Polizei gerade erheblich in ihrer Fahndung nach Amri helfen“, sagte der bayrische CSU-Innenminister Joachim Herrmann FAZ.NET.

          Sebastian Fiedler vom BDK sagte, schon jetzt werde es für Amri schwierig, sich ungesehen fortzubewegen. „Das Bild des Tatverdächtigen ist um die Welt gegangen. Er dürfte derzeit einer der meistgesuchtesten Personen Europas sein. Da wird es schwierig für ihn, keine Spuren zu hinterlassen und unerkannt zu bleiben“, sagte Fiedler. Deshalb befürwortete er den Schritt der Bundesanwaltschaft, eine solche große finanzielle Belohnung für mögliche Hinweisgeber auszusetzen: „Die zusätzlichen Anreizsysteme können bei den Ermittlungen entscheidend sein. Die Belohnung gehört sicher zu den höchsten in der Geschichte der Bundesrepublik.“

          Unterdessen erhöhten die Ermittler am Donnerstag den Fahndungsdruck. So gab es in Nordrhein-Westfalen Polizeieinsätze. Dabei wurden in Dortmund nach WDR-Informationen mehrere Personen – offensichtlich aus der Islamistenszene – mitgenommen, um befragt zu werden. Die Bundesanwaltschaft sagte am Abend jedoch, es habe im Rahmen der Durchsuchungsaktionen bisher keine Festnahmen gegeben. Sie erließ Haftbefehl gegen Anis Amri. An der Fahrertür des Lastwagens, der am Montagabend in die Menschenmenge gerast war, waren Fingerabdrücke des 24 Jahre alten Tunesiers sichergestellt worden.

          Rasterfahndung wurde im Kampf gegen RAF-Terroristen entwickelt

          Ein weiteres Instrument, das die Bundesanwaltschaft nutzen könnte, ist die Rasterfahndung. Durch diese erhielte die Polizei Zugriff auf verschiedene Informationen wie Melderegister oder Kfz-Zulassungen, könnte sie zusammenführen und systematisch auswerten. So könnte sie umfangreiche Rückschlüsse über mögliche Aufenthaltsorte und Hintergründe des Tatverdächtigen ermöglichen.

          Die Methode der Rasterfahndung geht auf die Bekämpfung der Terroristen der „Rote Armee Fraktion“ (RAF) in den siebziger Jahren zurück. Unter Leitung des damaligen Präsidenten des Bundeskriminalamts (BKA) Horst Herold wurde sie entwickelt, um die Netzwerke der RAF zu erfassen und ihre Mitglieder, die oft mit falschem Namen Wohnungen anmieteten, zu identifizieren. Nach seinen Erfahrungen als Staatsanwalt gegen NS-Täter wollte Herold die Ermittlungsarbeit systematisieren. Damals setzten die Beamten noch Lochkarten für ihre Ermittlungen ein. Die von Herold in der Folge geführte „Operation Wasserschlag“ führte im Juni 1972 zur Festnahme der RAF-Terroristen Andreas Baader, Holger Meins und Jan-Carl Raspe.

          Der bayerische Innenminister Herrmann reagierte zurückhaltend auf die Frage, ob die Bundesanwaltschaft den Behörden mit der Ausrufung einer Rasterfahndung helfen würde. „Zu den richtigen Fahndungsmaßnahmen maße ich mir im Moment kein endgültiges Urteil an“, sagte Herrmann.

          Die Generalstaatsanwaltschaft sah sich spätestens am Mittwoch zumindest gezwungen, die Fahndung öffentlich zu machen, nachdem Informationen über einen vermutlich tunesischen Tatverdächtigen an die Öffentlichkeit gelangt waren. Nach Ansicht des stellvertretendem Vorsitzenden des Innenausschusses Frank Tempel (Linkspartei) hat das die Arbeit der Ermittler nicht erleichtert. Schließlich konnte der Verdächtige bis dahin noch nicht wissen, ob die Ermittler überhaupt auf seiner Spur waren.

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