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Iran : Persischer Frühling

Das große Vorbild: Ein Mädchen präsentiert bei einer Gedenkfeier für Ajatollah Ruholla Chomeini ein Porträt des Gründers der Islamischen Republik. Bild: Getty

Seit dem Abschluss des Atomabkommens gewinnen in Iran die moderaten Kräfte weiter an Einfluss. Die Öffnung nach Westen weckt Hoffnungen, aber auch Ängste. Eine Reise in ein widersprüchliches Land.

          Das Imam-Chomeini-Mausoleum mit seiner vergoldeten Kuppel und den vier goldenen Minaretten ist schon von der Autobahn aus zu sehen. Auf dem riesigen Parkplatz vor dem Grabmal des 1989 verstorbenen Revolutionsführers und Gründungsvaters der Islamischen Republik verlieren sich an diesem Vormittag nur eine Handvoll Autos. Einige Besucher haben hier, am Stadtrand der iranischen Hauptstadt Teheran, Zelte aufgeschlagen und offenbar die Nacht verbracht. An schattigen Picknicktischen sitzen ein paar Familien, die Frauen in schwarze Tschadors gehüllt. Neben ihnen ein junges Pärchen in Jeans und bunter Kleidung. „Ich komme alle drei Monate mit meiner Freundin hierher“, sagt Abas, ein Doktorand der Politikwissenschaften aus Teheran. „Sie liebt den Imam.“ So wird Ajatollah Ruholla Chomeini von vielen Iranern respektvoll genannt.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Aber nicht von Abas: „Für mich war Chomeini ein Diktator. Die meisten gebildeten und säkular gesinnten Leute glauben, dass er das Land mit der Revolution zerstört hat, aber die traditionell und religiös eingestellten Leute halten ihn für einen Propheten.“ Etwa ein Viertel seiner Generation, so schätzt Abas, denke wie er. An der Teheran-Universität im Fach Internationale Beziehungen habe er viele übersetzte Bücher aus dem Westen gelesen, das habe sein Denken beeinflusst. „Wir leben in einer geschlossenen, totalitären Atmosphäre, aber es gibt Anzeichen, dass sich die Situation bessert.“ Motor des Wandels sei das Internet, seien die sozialen Netzwerke. Abas sagt Sätze wie: „Wenn die Religion der Freiheit im Weg steht, werden die Menschen die Religion zerstören, um die Freiheit zu erreichen.“ Oder: „Wir brauchen eine Trennung zwischen Staat und Religion, wie in Frankreich.“ Er hat einen Aufsatz geschrieben, in dem er die aktuelle Lage Irans mit derjenigen der Sowjetunion kurz vor deren Zusammenbruch vergleicht. Veröffentlichen könne er ihn natürlich nicht. Das Atomabkommen und die damit einhergehende Aufhebung der meisten Sanktionen gegen Iran hätten einen solchen Zusammenbruch allerdings vorerst verhindert.

          Eine Stadtautobahn in Teheran
          Eine Stadtautobahn in Teheran : Bild: dpa

          Es ist nicht schwer, in der iranischen Hauptstadt Leute wie Abas zu finden, die (wenngleich ohne Nennung ihres vollen Namens) offen Kritik am System der Islamischen Republik üben. Iran ist zwar ein Überwachungsstaat, der Telefone abhört, Dissidenten einsperrt, Internetseiten blockiert und mit Störsendern den Empfang von Satellitenprogrammen erschwert. Doch es ist auch ein Land mit einer selbstbewussten, gebildeten Mittelschicht, die in sozialen Netzwerken und in privatem Kreis heftig über Politik diskutiert - und auch über Religion. Man trifft Leute, die sich als Atheisten bezeichnen und ihren gesamten Freundeskreis gleich mit. Leute, die immerfort verächtliche Witze über Mullahs reißen. Leute, die daran erinnern, dass die Revolution 1979 gar nicht so islamisch war, wie sie sich heute gibt. Und Frauen, die beim Autofahren bewusst ihr Kopftuch auf die Schulter rutschen lassen und über die drohende Geldbuße von umgerechnet mehr als 100 Dollar nur die Schultern zucken.

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