Hubertus Heil : Der SPD-Politiker, der nicht auf dem „Heldenfriedhof“ enden will

Im Januar wird der SPD-Vorsitz neu gewählt, Hubertus Heil bekundet Interesse. Noch fehlen ihm aber Verbündete. Ist das die Chance für Lars Klingbeil?
Ob Lars Klingbeil, derzeit alleiniger SPD-Vorsitzender, im Januar noch einmal antreten wird, ist unklar. Er werde vorab sondieren, ob er mit einem anständigen Ergebnis rechnen könne oder es knapp werde, heißt es in der SPD. Nur wenn Klingbeil mit einer klaren Wiederwahl rechnen könne, werde er auch antreten.
Hier kommt also Hubertus Heil ins Spiel. Auch er hat offiziell noch keine Kandidatur angekündigt, sagte kürzlich in der ARD aber, dass er nicht ausschließen könne anzutreten. Es komme auf die Richtung der SPD und das Team an der Parteispitze an, ob er sich dazu entscheiden werde. Damit daraus eine Kampagne wird, müssten nun Unterstützer auf den Plan treten und sich für Heil aussprechen. Doch bislang hat sich niemand in der ersten Reihe in diesem Sinne geäußert, auch wenn sich Juso-Chef Philipp Türmer offen zeigt.
Der Griff nach dem Fraktionsvorsitz scheiterte
Zwar ist der aus Niedersachsen stammende Heil ein äußerst gut vernetzter Sozialdemokrat. Doch schon im Frühjahr 2025, als Klingbeil den SPD-Teil des Bundeskabinetts vorstellte und Heil keinen Posten abbekam, gab es keinen Proteststurm in der Partei. Auch nicht im „Netzwerk“, einer Strömung innerhalb der SPD-Fraktion, die Heil vor vielen Jahren mitgegründet hatte. Es seien einfach schon zu viele Niedersachsen für das Kabinett vorgesehen, die beiden Personalien Klingbeil und Boris Pistorius nun mal gesetzt, hieß es.
Heil unternahm dann noch einen Versuch, Fraktionsvorsitzender zu werden. Doch auch das misslang; den Posten bekam Matthias Miersch, ein enger Vertrauter Klingbeils. Dass Heil ein Vertrauter Klingbeils wäre, kann man dagegen nicht behaupten. Die beiden Niedersachsen sind sich in gegenseitiger Abneigung verbunden, um das Mindeste zu sagen.
So blieb Heil einfacher Abgeordneter, direkt gewählt wie schon seit 1998 im Wahlkreis Gifhorn-Peine. Er wurde Mitglied des Auswärtigen Ausschusses, der „Heldenfriedhof“ genannt wird, weil in ihm auch andere Politiker sitzen, die schon mindestens eine Karriere hinter sich haben, etwa Armin Laschet (CDU) und Nancy Faeser (SPD). Außerdem übernahm der Protestant Heil das Amt des religionspolitischen Sprechers seiner Fraktion. Zu religionspolitischen Themen konnte man jederzeit mit ihm sprechen, bei Parteipolitik hielt er sich bedeckt. Bis jetzt.
Was würde Hubertus Heil an der SPD-Spitze anders machen?
Heil kann durchaus kraftvolle Reden halten, einen ersten Aufmerksamkeitsversuch unternahm er bei einem Auftritt in einem bayerischen Bierzelt, beim Politischen Gillamoos im September. Kürzlich stellte er sein Buch vor, das sich mit Angriffen auf die Demokratie in Deutschland beschäftigt. Dass all das einem größeren Ziel dienen könnte, ahnte man, wenn man Heil begegnete. Der 53 Jahre alte SPD-Mann hat noch etwas vor.
Aber was eigentlich genau? Wird er gefragt, was er anders machen würde als die derzeitige Parteispitze, bemüht Heil die etwas sperrige Formulierung der „solidarischen Leistungsgesellschaft“ als Leitbild. Nicht Herkunft, sondern Leistung sollten in Deutschland zählen. Heil hatte schon viele Möglichkeiten, den Kurs der SPD und des Landes mitzubestimmen. Von 2005 bis 2009 und noch mal einige Monate 2017 war er Generalsekretär seiner Partei. Zwischen 2018 und 2025 verantwortete er als Bundesarbeitsminister den größten Etat.
Seine Amtszeit ist eng verbunden mit der Einführung des Bürgergeldes, in dem die SPD die Überwindung der Hartz-Reformen sah. Allerdings mussten die Sozialdemokraten erleben, dass viele Bürger, auch in der eigenen Klientel, das Bürgergeld als Abkehr von der sozialdemokratischen Linie empfanden: weg von der Partei der Arbeiter, hin zur Partei der Sozialhilfeempfänger. Also eher nicht, was eine „solidarische Leistungsgesellschaft“ beschreibt.
So bleibt abzuwarten, ob Heil bis Januar doch noch Truppen hinter sich sammeln kann. Dass sich der Leitantrag auf dem Parteitag mit der Außen- und Sicherheitspolitik beschäftigen wird, kommt dem Neu-Außenpolitiker Heil entgegen. Und dass der beliebte Verteidigungsminister Pistorius für den Parteivorsitz abgesagt hat, dürfte auch in seinem Sinne sein. Allerdings haben sich sowohl Pistorius als auch Fraktionschef Miersch und Bauministerin Verena Hubertz für Klingbeil als Parteivorsitzenden ausgesprochen.





