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Aus EADS wird Airbus : Europa der Lüfte

Hoffnungsträger für Airbus: Das Modell A350 Bild: dpa

Die EADS ändert ihren Namen in Airbus. Das Unternehmen liefert lehrreiche Beispiele, wie eng in Europa Erfolg und Scheitern beieinanderliegen.

          6 Min.

          Öffentliche Feierlichkeiten sind nicht vorgesehen, wenn sich zum Jahreswechsel der führende europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS in Airbus umbenennen wird. Die neue Firmierung ist zeitgemäß; nicht nur klingt Airbus vertrauter als EADS. Man muss wohl Branchenkenner sein, um zu wissen, dass die Bezeichnung EADS – die Amerikaner so aussprechen, als handele es sich um eine ähnlich abstoßende Krankheit wie die Pest – als Abkürzung für „European Aerospace Defense and Space Company“steht. Der Name Airbus, der im Übrigen von einem deutschen Luftfahrtprojekt aus der Zwischenkriegszeit stammt, klingt in vielen Sprachen vertraut. Er steht für ein europäisches Projekt, das klein begann, lange nicht ohne erhebliche staatliche Unterstützung denkbar war und heute zu einer weltumspannenden Erfolgsgeschichte geworden ist.

          Doch die Umbenennung von EADS in Airbus empfiehlt sich nicht nur aus Gründen des Marketing: Sie verdeutlicht die Fokussierung des Konzerns auf seine stärkste und vielversprechendste Branche: den Bau ziviler Passagierflugzeuge. Die Börse hat diese Aussicht in den vergangenen Monaten mit stolzen Kursgewinnen für die Aktie honoriert. Mittlerweile kommt der Konzern bei einem Umsatz von rund 60Milliarden Euro auf einen Börsenwert von rund 40 Milliarden Euro.

          Im Nachhinein ist man immer schlauer

          Wie weit die Neuausrichtung von EADS/Airbus reicht, zeigt ein Blick in die Historie. Am 14.Oktober 1999 hatten sich in Straßburg vor einem eilig zusammengerufenen Publikum deutsche und französische Prominenz die Hände gereicht. Der deutsche Bundeskanzler hieß damals Gerhard Schröder, der französische Premierminister Lionel Jospin. Damals gründeten Deutsche und Franzosen (später kamen die Spanier hinzu) die EADS als einen führenden europäischen Konzern für Luftfahrt, Raumfahrt und Militär. Das Vorbild war der große Konkurrent, die amerikanische Boeing.

          Der lange in Seattle und heute in Chicago beheimatete amerikanische Konzern ist einer breiten Öffentlichkeit vor allem als Hersteller von Passagierflugzeugen bekannt. Tatsächlich aber ruht Boeing auf zwei Säulen: Neben dem konjunktursensiblen Geschäft mit Passagierflugzeugen betreibt Boeing eine etwa gleich große, aber sehr viel rentablere Rüstungssparte, die dank großzügiger und gutdotierter Aufträge durch das amerikanische Militär weniger vom Auf und Ab der Wirtschaft abhängt. Dieses Konzept wollte die EADS kopieren: Die wichtigste Tochtergesellschaft Airbus würde mit Boeing im zivilen Flugzeugbau auf Augenhöhe konkurrieren. Aber daneben hatte die EADS Hubschrauber der Tochtergesellschaft Eurocopter, Weltraumraketen des Typs Ariane und eine Vielzahl von Rüstungsgütern im Angebot.

          Im Nachhinein ist man bekanntlich immer schlauer. Heute darf man feststellen: Die Rüstungssparte der EADS hat die in sie gesetzten Hoffnungen nie erfüllen können; anders als bei Airbus ist hier kein erfolgreiches europäisches Projekt entstanden, obgleich das technologische Wissen vorhanden war und ist. Über die Ursachen der Misere ließen sich dicke Bücher schreiben. Die Industrie mag den europäischen Regierungen vorhalten, sie seien mit Aufträgen zu knauserig und hielten auch Zusagen nicht immer ein. In der Tat liegen in den Vereinigten Staaten nicht nur die Staatsausgaben für den Bau von Militärgütern, sondern vor allem auch die Ausgaben für Forschung und Entwicklung deutlich höher als in Europa. Die europäischen Regierungen können der EADS zum Beispiel mit Blick auf die Katastrophengeschichte des Militärtransporters A400M entgegenhalten, sie habe erhebliche Schwierigkeiten, Projekte zeitgerecht und zu den verabredeten Kosten zu realisieren.

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