Techkonzerne : Microsoft überzeugt und profitiert vom Cloud-Geschäft

Auch Alphabet wächst dank KI rasant in den Sparten für Cloud Computing. Googles Werbegeschäft bleibt hinter den Erwartungen zurück. Dafür hat die Gemini-App nun eine Milliarde Nutzer.
Die Reaktion der Börse im nachbörslichen Handel fiel entsprechend unterschiedlich aus: Der Kurs von Microsoft stieg um drei Prozent, die Alphabet-Aktie verlor dagegen mehr als zehn Prozent an Wert. Microsoft hat sich insgesamt seit Jahresbeginn an der Börse etwas besser entwickelt als Alphabet.
Microsoft meldete insgesamt für das vergangene Quartal ein Umsatzwachstum von 19 Prozent auf 92,3 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Schnitt mit 90,7 Milliarden Dollar gerechnet. Der Nettogewinn stieg um 32 Prozent auf 36,6 Milliarden Dollar. Alphabets Umsatz stieg um 25 Prozent auf 127,6 Milliarden Dollar. Analysten hatten 128,2 Milliarden Dollar erwartet.
Alphabet-Chef Sundar Pichai hob in einer Mitteilung hervor, dass der Umsatz des Konzerns aufs Jahr hochgerechnet damit die Marke von einer halben Billion Dollar überschritten habe. Der Nettogewinn von Alphabet fiel um 25 Prozent auf 26,2 Milliarden Dollar. Dies hat vor allem mit Wertminderungen von Unternehmen zu tun, an denen Alphabet Beteiligungen hält.
Alphabet hat eine Reihe von KI-Initiativen
Ein wichtiger Wachstumsmotor für beide Unternehmen ist das Cloud-Geschäft. Microsoft und Google stellen in diesen Sparten Computerkapazitäten zur Verfügung, und sie profitieren vom Ausbau der KI-Infrastruktur. Die beiden Unternehmen sind hier direkte Wettbewerber. Microsoft hat den Umsatz mit seiner Cloud-Plattform Azure im vergangenen Quartal um 48 Prozent auf 33,2 Milliarden Dollar ausgebaut, für das nächste Quartal wird ein noch höheres Wachstum von 49 bis 50 Prozent erwartet. Finanzchefin Amy Hood sagte in einer Telefonkonferenz, Microsoft sei noch immer nicht in der Lage, die Nachfrage zu decken.
Google hat in diesem Geschäft noch Rückstand, holt aber auf. Der Umsatz seiner Cloud-Sparte hat sich auf 30,7 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt. In dieser Sparte verbucht Google auch seine Umsätze KI-Chips. Der Konzern entwickelt solche Chips schon seit einigen Jahren, aber erst seit kurzem verkauft er sie auch an externe Kunden.
Marktführer im Cloud-Geschäft ist der Onlinehändler Amazon mit seiner Tochtergesellschaft Amazon Web Services (AWS). Amazon legt seine Geschäftszahlen erst am Donnerstag vor, im zweiten Quartal lag der Umsatz von AWS bei 42,2 Milliarden Dollar. Microsoft veröffentlicht erst seit diesem Quartal genaue Umsatzzahlen für Azure, damit ist es nun besser nachvollziehbar, wie die drei großen Anbieter im Wettbewerbsvergleich dastehen.
Alphabet-Chef Pichai sagte in einer Mitteilung, die KI-Investitionen des Unternehmens zahlten sich in vielerlei Hinsicht aus. Der Konzern hat eine Reihe von KI-Initiativen. Neben dem Cloud-Geschäft, in dem KI-Anwendungen eine große Rolle spielen, zählen dazu das KI-Modell Gemini mit zugehörigen Apps und KI-Angebote in der Google-Suchmaschine. Die Gemini-App hat nach Angaben des Unternehmens mittlerweile eine Milliarde Nutzer. Bei der Entwicklung von KI-Modellen kämpfte Google in diesem Jahr mit Verzögerungen. Erst kürzlich hat das Unternehmen seine neue Modellreihe Gemini 4 herausgebracht.
Das Geschäft mit der Suchwerbung schnitt diesmal aber schlechter ab als erwartet. Der Umsatz stieg um 12 Prozent auf 63,4 Milliarden Dollar. In den ersten beiden Quartalen dieses Jahres lag das Wachstum noch bei jeweils mehr als 15 Prozent. Es gibt seit einiger Zeit die Sorge, die traditionelle Google-Suche könnte im KI-Zeitalter an Bedeutung verlieren. Der Konzern bestreitet dies aber und verweist darauf, dass er seine Suchmaschine mit KI-Funktionen aufrüstet. Googles Chief Business Officer Philipp Schindler gab aber in einer Telefonkonferenz zu, der in die Suchmaschine integrierte „KI-Modus“, der direkte Antworten auf komplexe Fragen geben kann, bringe bislang nicht so viel Geld ein wie die gewöhnliche Google-Suche. Auch der Werbeumsatz von Googles Videoplattform Youtube fiel im vergangenen Quartal etwas niedriger als erwartet aus.
Alphabet, Microsoft und auch andere Technologiekonzerne geben im Moment gewaltige Beträge für den Ausbau ihrer KI-Infrastruktur aus, und an den Finanzmärkten wird in jüngster Zeit verstärkt hinterfragt, ob sich diese Investitionen auch auszahlen. Alphabet hat für dieses Jahr insgesamt Investitionen zwischen 195 Milliarden und 205 Milliarden Dollar angekündigt, und wie Finanzchefin Anat Ashkenazi jetzt sagte, soll es 2027 noch deutlich mehr werden. Die hohen Investitionen haben dafür gesorgt, dass Alphabet für abgelaufene Quartal einen negativen Mittelzufluss (Cashflow) ausgewiesen hat. Microsoft peilt für das laufende Jahr Investitionen von 175 Milliarden Dollar an und hatte im vergangenen Quartal einen klar positiven Cashflow.
Microsoft versucht trotz seines rasanten Wachstums, Personalkosten zu sparen. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass der Konzern ein Abfindungsangebot gemacht hat, das für 60000 Mitarbeiter oder rund ein Viertel seiner Belegschaft gilt. Finanzchefin Hood hat dieses Angebot nun parallel zur Vorlage von Quartalsergebnissen in einer E-Mail an die Mitarbeiter thematisiert, wie „Business Insider“ berichtete. Demnach schrieb sie, es habe zu diesem Angebot einige Fragen aus der Belegschaft gegeben, und Microsoft erwarte, dass nur „sehr wenige“ Beschäftigte es annehmen. Der Konzern hat in diesem Jahr schon 3200 Arbeitsplätze in seiner Videospielesparte Xbox abgebaut, die mit Umsatzrückgängen kämpft.





