Im Gespräch: Jacques Delors : „Wir stehen am Abgrund“

Von 1981 bis 1984 war Jacques Delors unter Präsident Mitterrand Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister. Im F.A.Z.-Interview spricht der einstige EU-Kommissionspräsident über Europa, das zögerliche Verhalten der Kanzlerin und Visionen.
Es war doch von Anfang an klar, dass eine gemeinsame Währungspolitik als zweiten Pfeiler eine gemeinsame europäische Wirtschaftspolitik braucht. Das hatte auch der Bericht des „Weisenrates“ verlangt, dem ich 1989 vorstand. Hätte es schon damals eine koordinierte Wirtschaftspolitik gegeben, hätten die Griechen vor ihrem Beitritt größere Anstrengungen unternehmen müssen, um ihre Wirtschaft in Ordnung zu bringen. Damals waren aber unsere deutschen Freunde dagegen. Es stimmt, die Deutschen sind die größten Beitragszahler der Europäischen Union. Sie lassen es nicht an Solidarität fehlen. Aber sie haben sich lange geweigert, ihre Wirtschaftspolitik mit der der anderen Mitgliedstaaten zu koordinieren.





