https://www.faz.net/-gqu-8jd9a

Ökonomie in Schockstarre : Griechenlands Wirtschaft bröckelt an allen Ecken

  • -Aktualisiert am

Vom Hoffnungsträger zum schlechten Verwalter des Mangels: Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras Bild: Imago

Griechenlands Wirtschaft steht auf tönernen Füßen. Nichts funktioniert. Die Regierung Tsipras knüpft an die Vorgänger an: Sie versagt auf ganzer Linie.

          Angespannt und müde trat am 13. Juli 2015 der griechische Premierminister Alexis Tsipras in Brüssel vor die Presse. Da lag ein siebzehnstündiger Verhandlungsmarathon hinter ihm, ein Showdown mit den restlichen Staats- und Regierungschefs der Eurozone. Er habe hart gekämpft und das Bestmögliche für sein Land erreicht. Man stehe jetzt vor schweren Entscheidungen, erklärte er.

          Nach einem fünf Monate langen Gefeilsche und Gezerre um Spar- und Reformmaßnahmen, nach einer schier nicht enden wollenden Abfolge von Krisengipfel, Sondergipfel, EU-Sonderkrisengipfel und allerallerletzten Verhandlungen auf allerhöchster Ebene unterzeichnete Tsipras, was er stets kategorisch abgelehnt hatte – ein drittes Hilfsprogramm. Noch auf der Oppositionsbank verkündete er, im Falle eines Wahlsiegs alle bisherigen Vereinbarungen mit der Troika für null und nichtig zu erklären. Im Januar 2015, in der Nacht seines Wahlsieges, rief er das Ende der „zerstörerischen Sparpolitik“ aus.

          Am Ende überwog die Furcht

          Am Ende half nichts. Nicht die Drohgebärden gegen Europa, nicht die Aufkündigung der Zusammenarbeit mit der Troika. Nicht die Suche nach Verbündeten und neuen Geldquellen in Moskau und Peking. Nicht das Referendum, das Alexis Tsipras völlig unerwartet aus dem Ärmel schüttelte und bei dem sich 61 Prozent der Wähler gegen die Auflagen der Troika aussprachen. Schon gar nicht hilfreich war die Wunderwaffe Giannis Varoufakis, eloquenter Querdenker und früherer Finanzminister, der das kleine, monetär unbedeutende Griechenland in den Mittelpunkt Europas rückte und der sich mehr aufs Dozieren, auf Systemfragen und Interviews verstand als auf die Arbeit am Schreibtisch.

          Am Ende scheiterten Alexis Tsipras und seine aus Politikneulingen, Intellektuellen, Ideologen und Uni-Professoren bestehende Regierung an der Realität, die sie mit ihren Wunschträumen verwechselten. Ihre Strategie, die Geldgeber würden im letzten Augenblick aus Angst vor den Folgen eines Grexits einknicken und im Zweifel doch lieber ein paar Milliarden nach Athen überweisen, ging nicht auf. Am Ende überwog die Furcht vor dem Austritt aus dem Euro und der damit einhergehenden Staatspleite und dem Absturz ins ökonomische Neolithikum.

          Vor heimischem Publikum verkündete Regierungschef Tsipras, dass er nicht an die Vereinbarung glaube, auch wenn der Grexit dadurch abgewendet sei. Verteidigungsminister und Koalitionspartner Panos Kammenos, Chef der Partei der Unabhängigen Griechen (Anel), sprach von Erpressung, einem Putsch seitens Deutschlands und anderer Staaten. Man werde mit Tsipras weiterregieren, aber die Sparpolitik grundsätzlich ablehnen.

          Das Volk habe für den Grexit gestimmt

          Der linksradikale Flügel Syrizas dagegen stieg auf die Barrikaden und verweigerte dem Regierungschef die Gefolgschaft. Der Energieminister und Wortführer des Flügels, Panagiotis Lafazanis, rief zum Umsturz und Kampf gegen das „deutsche, imperialistische Europa“ auf. Von Verrat war die Rede. Das Volk habe im Referendum für den Grexit gestimmt und nicht für die Fortführung der Sparpolitik. Nur mit Unterstützung der Opposition konnte Tsipras alle Gesetze verabschieden, die Voraussetzung für die Aufnahme weiterer Verhandlungen mit den Gläubigern waren.

          Weitere Themen

          Pilotenheld kritisiert Boeing Video-Seite öffnen

          „Sully“ schlägt Alarm : Pilotenheld kritisiert Boeing

          Mehrere Piloten fordern den US-Flugzeugbauer Boeing auf, Piloten besser zu schulen, bevor die Flieger vom Unglückstyp 737 Max nach zwei Abstürzen mit hunderten Toten wieder fliegen dürfen. Die von Boeing angebotenen Schulungen reichten nicht aus, sagt unter anderem Chesley "Sully" Sullenberger. Er schrieb mit der geglückten Notlandung mit einem Airbus auf dem Hudson in New York 2009 Geschichte.

          Topmeldungen

          Der Europarat in Straßburg

          Stimmrecht im Europarat : Die Russen sind schon in der Stadt

          Ein Akt der Verzweiflung in 220 Teilen: Wie die Ukraine versucht, in letzter Minute die Aufhebung der Sanktionen gegen die russischen Abgeordneten in der Parlamentarischen Versammlung des Europarats zu verhindern.
          CDU-Politiker Friedrich Merz, die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrrenbauer und Michael Bröcker, Chefredakteur der „Rheinischen Post“

          Kramp-Karrenbauer trifft Merz : Düsseldorfer Duett

          Die in Bedrängnis geratene CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer und der ihr im Dezember knapp unterlegene Friedrich Merz präsentieren sich bei einer Live-Talkshow als harmonisches Team der ehemaligen Rivalen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.