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Vor der EZB-Sitzung : „Wenn dieser Typ mehr Geld druckt...“

Im neuen EZB-Turm treffen sich die Euro-Währungshüter an diesem Donnerstag zu ihrer bislang wohl bedeutendsten Sitzung. Bild: dpa

Amerikaner, Briten, Japaner und Schweizer haben es gemacht: Anleihekäufe, wie sie nun wohl auch die EZB plant. Sie gehören heute offenbar zum Standard-Repertoire einer Notenbank. Wie viel sie bringen, wissen die Fachleute noch nicht.

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          Besonders in Krisenzeiten haben Notenbanker einen heiklen Job. Sie müssen überlegen, was ganz nüchtern geldpolitisch richtig ist. Und sie müssen ihre Entscheidungen auch der breiten Öffentlichkeit und den Politikern, die von ihr gemocht werden wollen, verkaufen. Das kann ganz schön kompliziert sein. Wie aufgeheizt die Stimmung bisweilen ist, lässt sich zum Beispiel erkennen, wenn ein hoher Landespolitiker dem Notenbankpräsidenten beinahe unverblümt Gewalt androht. „Wenn dieser Typ mehr Geld druckt (...) also ich weiß nicht, was Sie mit ihm machen würden (..) wir würden ihn ziemlich schlecht behandeln.“ Eine harte Aussage.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Der Notenbankchef, um den es ging, heißt Ben Bernanke, der bis vor knapp einem Jahr die amerikanische Zentralbank Federal Reserve führte. Der Politiker heißt Rick Perry und ist bis gestern Gouverneur von Texas gewesen - einem der wirtschaftsstärksten Bundesstaaten der Vereinigten Staaten, der vergleichsweise gut durch die Finanzkrise gekommen ist.

          Die Äußerung stammt aus dem August 2011, als Perry sich in Iowa darum bewarb, republikanischer Präsidentschaftskandidat zu werden. Wörtlich sagte Perry: „Wenn dieser Typ mehr Geld druckt in der Zeit zwischen heute und der Wahl, also ich weiß nicht, was ihr in Iowa mit ihm machen würdet, aber wir würden ihn unten in Texas ziemlich schlecht behandeln.“ Und er schob hinterher: „Mehr Geld zu drucken und in dieser besonderen Zeit der amerikanischen Geschichte Politik zu spielen, das ist verräterisch.“

          Was macht die EZB?

          Hinter dem, was Perry bildhaft mit „mehr Geld drucken“ bezeichnete, steht eine geldpolitische Maßnahme, die auch in der Europäischen Währungsunion offenbar unmittelbar bevorsteht: Ein breit angelegtes Anleihekaufprogramm, das auch staatliche Schuldtitel beinhaltet, im Fachjargon „Quantitative Easing“ („QE“) genannt. Die obersten Euro-Währungshüter treffen sich an diesem Donnerstag in Frankfurt. In der Pressekonferenz am Nachmittag wird Notenbankchef Mario Draghi wohl mindestens mitteilen, dass eine Grundsatzentscheidung für ein solches Programm getroffen wurde. Viele Beobachter gehen davon aus, dass er auch Details zum Umfang bekanntgibt und ob die nationalen Notenbanken jeweils Anleihen des eigenen Landes kaufen werden oder die EZB oder beide.

          Anleihekäufe gelten in der öffentlichen Diskussion nach wie vor als unkonventionelles Mittel der Geldpolitik, als außergewöhnliche Maßnahme für schwerste Krisensituationen. Ein Blick durch die Jahre seit Ausbruch der jüngsten Finanzkrise zeigt jedoch: Wirklich außergewöhnlich ist dieses Mittel wohl längst nicht mehr. Die Notenbanken der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und Japans haben Gebrauch davon gemacht, auch die EZB selbst kaufte schon einmal Staatsanleihen und Pfandbriefe in großem Umfang. Und bis vor einer Woche wendete sogar die Schweizer Nationalbank eine QE-Variation an.

          Die amerikanische Federal Reserve begann seinerzeit aufgrund der Finanzkrise als erste große Notenbank damit, massenhaft Wertpapiere zu kaufen und auf die eigene Bilanz zu nehmen. Sie gab dafür hunderte Milliarden Dollar aus. Staatsanleihen standen auf ihrer Einkaufsliste ebenso wie mit Hypotheken oder anderen Forderungen besicherte Wertpapiere.

          QE ist nicht gleich QE

          Die Käufe standen in Zusammenhang mit einer Vielzahl an Maßnahmen, die sich hinter Bezeichnungen in bestem Behördensprech verbergen, wie die beiden Ökonomen Gary Gorton und Andrew Metrick ausführlich analysierten: Die „Term-Securities Lending Facility“ (TSLF) zum Beispiel erlaubte bedeutenden Banken faktisch, schwer verkäufliche Wertpapiere in amerikanische Staatsanleihen umzutauschen. Die „Term Asset-Backed Securities Loan Facility“ (TALF) ermöglichte, mit Forderungen besicherte Wertpapiere als Sicherheiten für bestimmte Kreditlinien zu verwenden. Die „Commercial Paper Funding Facility“ (CPFF) ermöglichte der Fed, von Emittenten direkt Geldmarktpapiere zu kaufen und die „Asset-Backed Commercial Paper Money Market Mutual Fund Liquidity Facility“ (AMLF) erleichterte Geldmarktfonds das Leben. (Die gesamte Analyse von Gorton und Metrick gibt es hier.)

          Notenbank-Präsident Ben Bernanke distanzierte sich selbst übrigens einmal vom Begriff des Quantitative Easing und wollte seinen Ansatz lieber als „Credit Easing“ verstanden wissen: Es gehe nicht einfach darum, die Bilanz der Notenbank beliebig auszuweiten und durch die Wertpapierkäufe die Reserven der Geschäftsbanken auf den jeweiligen Konten der Notenbank zu erhöhen. Es gehe auch ausdrücklich darum, die Wertpapierkäufe so zu kombinieren, dass die tatsächlichen Kreditvergabebedingungen für Haushalte und Unternehmen sich verbessern.

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